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Finale Grande – Ducati 1299 Panigale R Final Edition

Ducati 1299 Panigale R Final Edition Foto
© Ducati

Ausstattung und technische Daten

MotoGP Elektronikpaket

Die 1299 Panigale R Final Edition ist mit einem Gyrosensor (Inertial Measurement Unit „IMU“) von Bosch ausgerüstet. Dieser Sensor erfasst Beschleunigungen des Fahrzeugs in drei Bewegungsachsen, die Daten werden zur Regelung von Kurven-ABS, Ducati Wheelie Control EVO (DWC EVO) und Ducati Traction Control EVO (DTC EVO) verwendet. Eine automatische Reifenkalibrierung und Erkennung der Sekundärübersetzung sichert die optimale Funktion von DTC EVO, DWC EVO und Engine Brake Control (EBC) unter allen Bedingungen. All diese Systeme bieten verschiedene Regelstufen, die für den gewählten Riding Mode (Race, Sport und Wet) voreingestellt sind und sich darüber hinaus individualisieren und abspeichern lassen. Zudem verfügt die 1299 Panigale R Final Edition über die Ducati Data Analysis+ GPS (DDA+ GPS) Datenaufzeichnung, die zusätzlich den Neigungswinkel erfasst. Das beeindruckende Arsenal elektronischer Assistenzsysteme wird von zusätzlichen, aus dem Rennsport stammenden Einstelltasten komplettiert, die einen Schnellzugriff auf DTC, DWC und die EBC während des Rennstreckenbetriebs erlauben.

Ducati Traction Control EVO (DTC EVO)

Die DTC EVO der 1299 Panigale R Final Edition basiert auf einem Algorithmus, der eine schnellere und präzisere Intervention ermöglicht. Die DTC EVO kommuniziert mit der permanent die Schräglage erfassenden Bosch Inertial Measurement Unit (IMU) und nutzt diese Information zur akkuraten Berechnung des Regeleingriffs, um ein optimales Maß an Schlupf am Hinterrad zu erlauben (entsprechend dem eingestellten DTC EVO-Level).

Dazu steuert die DTC EVO die Drosselklappen an und beeinflusst den Zünd- und Einspritzzeitpunkt. In Situationen eines langsamen, gleichmäßigen Eingriffs (z.B. kontrollierter Slide am Kurvenausgang), reduziert DTC EVO die Leistung über die Drosselklappen und bewahrt so das optimale Gemischverhältnis für ein geschmeidiges Ansprechverhalten und perfekte Motorkontrolle.

Bei einfacher aufgebauten Systemen unterbricht die Traktionskontrolle bei Erkennen eines durchdrehenden Hinterrades den Vortrieb fast vollständig. Ist der optimale Grip wiederhergestellt, reduziert das System die Intervention bis das Hinterrad erneut durchdreht, dann läuft der gleiche Regelzyklus erneut ab. Bildlich dargestellt, erzeugt diese Art der Intervention eine Schwingungslinie, die um eine theoretische „ideale Interventionslinie“ oszilliert, die dem jeweiligen Haftungslimit entspricht. DTC EVO reduziert die Ausschläge dieser Schwingungen gravierend und lässt das System näher an der perfekten Interventionslinie agieren. Dieses ist besonders vorteilhaft bei wechselnden Gripverhältnissen, beispielweise, wenn das Hinterrad im Verlaufe eines Rennens spürbare Verschleißerscheinungen zeigt.

Neben dieser präziseren Intervention erlaubt die DTC EVO in den Einstellungen ‚1‘ und ‚2‘ eine neue Funktion, die zuvor nur Experten und Profis vorbehalten war: In Schräglage kann der Fahrer den Gasgriff dazu nutzen, mehr Schlupf einzufordern als bei einer normalen Einstellung möglich wäre, damit das Motorrad um das Vorderrad herum lenkt (übersteuert) und die gewünschte Kurvenlinie hält. DTC EVO ermöglicht dem Fahrer diesen Fahrstil bei gleichzeitiger voller Kontrolle der Sicherheitsparameter – so kann das Hinterrad effektiv mitlenken.

Ducati Wheelie Control EVO (DWC EVO)

Die 1299 Panigale R Final Edition ist ebenfalls mit der neuesten Version der Ducati Wheelie Control (DWC) EVO ausgestattet. Das weiterentwickelte System besitzt neue Controller-Strukturen und Algorithmen, um die Bedürfnisse des Fahrers noch stärker berücksichtigen zu können. DWC EVO erkennt ein abhebendes Vorderrad präziser und interveniert für beste Fahrstabilität sicherer und präziser als je zuvor.

Engine Brake Control (EBC)

Die EBC (Engine Brake Control) wurde entwickelt, um die Fahrstabilität bei extremem Brems- und Einlenkverhalten in der MotoGP und der Superbike-WM zu verbessern. Dies erreicht sie durch einen Ausgleich der beim harten Bremsen und gleichzeitigen Herunterschalten auf das Hinterrad einwirkenden Kräfte. EBC erfasst den Drosselklappenwinkel, den eingelegten Gang und das Rückdrehmoment der Kurbelwelle beim schnellen Herunterschalten und steuert per Ride-by-Wire präzise eine bestimmte Öffnung der Drosselklappen an, um die auf das Hinterrad wirkenden Kräfte auszubalancieren und ein Hinterradstempeln zu vermeiden. Es stehen drei EBC-Stufen zur Verfügung, die sich über die Instrumenteneinheit der 1299 Panigale R Final Edition anwählen lassen. Außerdem sind sie automatisch in den drei Riding Modes vorkonfiguriert.

Ducati Quick Shift (DQS) up/down

Um die Schaltzeiten zu verringern, erlaubt das DQS-System up/down das Hoch- und Herunterschalten ohne Kupplungseinsatz – zugleich sorgt es beim aggressiven Herunterschalten für eine herausragende Fahrstabilität. Das System umfasst einen in das Schaltgestänge integrierten Zwei-Wege-Mikroschalter. Wird der Schalthebel betätigt, sendet dieser ein Signal an die ECU. Dank Ride-by-Wire gleicht das System beim Hochschalten die Zündzeitpunkte und Einspritzdaten automatisch an, eine Auto-Blipper-Funktion sorgt beim Herunterschalten selbsttätig für die korrekte Motordrehzahl. Der Systemeingriff wird automatisch so gewählt, dass ein übergangsloses Schalten ohne Zugkraftunterbrechung selbst bei engagiertem Rennstreckeneinsatz möglich ist. Beim Herunterschalten arbeitet das System integrativ mit der Rutschkupplung und der Motorbremsmomentkontrolle EBC.

Monocoque-Technologie

Die in der hart umkämpften Racing-Welt entwickelte und dank integriertem Luftfilterkasten ultra-kompakte Monocoque-Struktur ermöglicht es, das Trockengewicht der 1299 Panigale R Final Edition auf lediglich 179 kg zu drücken.

Die kompakte, hochfeste Monocoque-Struktur aus Aluminiumguss nutzt den Superquadro-Motor als mittragendes Element. Direkt mit den Zylinderköpfen des Superquadro-Motors verschraubt, integriert das Monocoque den Steuerkopf samt Lagerung in der Front. Neben der Funktion eines traditionellen Rahmens dient das Monocoque auch als Luftfilterkasten. Es umschließt nicht nur den Luftfilter, sondern auch die Drosselklappenkörper samt Kraftstoffleitungen und Einspritzdüsen. Nach oben wird das Monocoque durch die Unterseite des Aluminiumtanks abgeschlossen.

Federelemente

Die 1299 Panigale R Final Edition ist mit mechanischen einstellbaren Federelementen ausgestattet und besitzt einen Lenkkopfwinkel von 24°. An der Front arbeitet eine voll einstellbare Öhlins NIX 30-USD-Gabel mit 43 mm Standrohrdurchmesser und TiN-Beschichtung. Am Heck der Final Edition findet sich ein voll einstellbares Öhlins TTX36-Federbein mit Titan-Feder. Zudem ist die 1299 Panigale R Final Edition mit einem einstellbaren Öhlins-Lenkungsdämpfer ausgestattet.

Bremssystem

Bei der 1299 Panigale R Final Edition sorgen radial montierte Brembo Monobloc M50-Festsättel für beeindruckende Verzögerungsleistung. Aus dem Vollen gefräst, zeichnen sich die kompakten und leichtgewichtigen Bremszangen durch hohe Festigkeit aus und sind unter hartem Bremsen besonders verwindungssteif. Das erhöht die hydraulische Effektivität in den Bremsleitungen und stellt gleichermaßen spektakuläre Bremskraft wie ein außergewöhnlich transparentes und präzises Bremsgefühl sicher. Die beiden Brembo Monobloc-Zangen weisen je vier Kolben mit 30 mm Durchmesser auf, die zusammen mit 330 mm großen, halbschwimmenden Bremsscheiben eine außergewöhnliche Bremseffektivität garantieren. Last but not least, verfügt die 1299 Panigale R Final Edition über ein Kurven-ABS mit ultraleichter Bosch 9.1 MP-Einheit.

Farben

Rot, Weiß und Grün mit roten Rädern

Daten und Ausstattung

  • Superquadro Motor: 209 PS* bei 11.000/min und 142 Nm* bei 9.000/min
  • EURO 4
  • Kolben mit 116 mm Durchmesser und zwei Kolbenringen
  • Leichte Kurbelwelle mit Wolfram-Ausgleichsgewichten
  • Titan-Einlass- und Auslassventile mit größerem Durchmesser
  • Zylinderkopf mit speziell bearbeiteten Ein- und Auslasskanälen
  • Nockenwellen mit größerem Ventilhub
  • Akrapovič Titan-Auspuffanlage mit hoch montiertem Doppelschalldämpfer
  • Elektronikpaket mit Gyrosensor (Inertial Measurement Unit)
  • Riding Modes (Race, Sport, Wet)
  • Ducati Safety Pack (Kurven-ABS und DTC EVO)
  • DWC EVO, EBC, DQS up/down
  • Öhlins Federelemente (NIX30 Upside-down-Gabel, TTX36-Federbein)
  • Einstellbarer Öhlins Lenkungsdämpfer
  • Geschmiedete Marchesini-Alufelgen
  • Einstelltaster für Elektronik am linken Lenkerende
  • Hochdurchlässiger Luftfilter
  • Automatische Reifenkalibrierung und Erkennung der Sekundärübersetzung
  • DDA+ GPS mit Neigungswinkelerfassung
  • Leichte Lithium-Ionen-Batterie

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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