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Isle of Man TT – und jährlich grüßt das Murmeltier…

Angesichts von drei Todesmeldungen innerhalb von nur 24 Stunden bei der Isle of Man TT 2017 geht die Diskussion wieder los, ob solch ein Rennen noch „zeitgemäß“ ist und ob man zulassen darf, dass sich erwachsene Menschen solch einem Risiko bewusst aussetzen. Insbesondere die Yellow-Press à la „BLÖD“ & Co. füllt zu solchen Anlässen dann gern mal die Newsspalten, obwohl man sonst im Jahr nichts über den Motorrad-Rennsport dort zu lesen bekommt oder gar positive Meldungen wie Siege oder Weltmeistertitel dort erwähnt würden.

Aber so ist das nun einmal in der heutigen Medienlandschaft und auch in einer Gesellschaft, die sich von „Horrormeldungen“ gern in gemeinschaftliche Panik versetzen lässt, ohne dabei zu bedenken, dass niemand zum Start bei der TT gezwungen wird oder Fahrer wie deren Angehörige nicht auch das Risiko, welches sie bewusst eingehen, kennen würden.

Natürlich steht jedem seine eigene Meinung zu solch einem Rennen zu!
Selbst ich habe eine durchaus gespaltene Meinung dazu – zieht die TT bzw. die Isle of Man mich doch einerseits magisch in ihren Bann, verachte bzw. bedauere ich aber jeden schweren Unfall dort und „leide“ auch sprichwörtlich mit, wenn durch solche Meldungen der Sport, den ich so schätze, in derart dunkles Licht gerückt wird.

Aber wie kann oder sollte man solche Unfälle verhindern? Wie kann man Menschen, die selber jedes Risiko zu scheuen scheinen, die Faszination dieses Sports vermitteln? Und bringt es überhaupt etwas, solch einen Versuch zu starten, wenn auf der anderen Seite viel tragischere Schicksale oder gefährlichere Dinge des Alltags gern auch verdrängt werden?

Ja, die Teilnahme bei der Isle of Man ist gefährlich!
Die Chancen, dort schwer oder gar tödlich zu verunglücken, liegen ungleich höher als bei jedem anderen Rennen der Welt. Aber das Leben ist generell gefährlich und egal wie sehr wir uns in Watte packen und in Sicherheit wiegen wollen, am Ende steht unweigerlich der Tod – für jeden von uns, früher oder später…

Extremsportler jeglicher Disziplin – und dazu zählen eben auch die Rennfahrer auf der Isle of Man – „füllen“ die begrenzte Zeit, die sie auf diesem Planeten verbringen dürfen, sprichwörtlich mit Leben. Das kann & mag nicht jeder verstehen, es muss und soll auch nicht der Lebensinhalt für jeden von uns sein. Aber wieso können wir nicht einfach tolerieren, dass diese Menschen – egal ob sie mit 250-300 km/h auf einer abgesperrten Straße fahren, mit Fallschirmen von hohen Gebäuden oder aus Flugzeugen springen oder sie 8.000er besteigen – ihr eigenes Leben mit solchen Extremerfahrungen erleben und eben ausleben wollen?

Niemand – nicht einmal die Hinterbliebenen, die Angehörigen, Familie und Freunde – „klagt“ nach solch tragischen Unfällen. Natürlich trauert man, natürlich vermisst man seine Liebsten, seine Freunde, seine Kollegen aus der Szene – aber es war ihr Lebensinhalt, solche Risiken bewusst einzugehen und es war ihr Talent, dies im absoluten Grenzbereich auch kontrollieren zu können. Eine hohe, sehr seltene Gabe, die nur wenigen von uns geschenkt wird und die man sich auch – trotz allem Talent – durch äußerst harte Arbeit & Disziplin immer wieder neu erarbeiten muss. Der Lebensinhalt für Extremsportler jeglicher Ausprägung und ein faszinierendes Erlebnis für Fans und Anhänger solcher Sportarten.

Es steht niemandem zu, dies zu verurteilen oder gar nach einem Verbot zu schreien! Denn es betrifft einzig und allein die Teilnehmer, deren Angehörige & Freunde – niemanden sonst! Sogar die Zuschauer, die Jahr für Jahr zur TT pilgern, wissen um das damit einhergehende Risiko auch für sie. „Motorsports can be dangerous“ – da hilft auch keinerlei Schutzzone, Zaun o.ä. – wer an solch einem Rennen teilnimmt oder es in unmittelbarer Nähe als Zuschauer verfolgt, der weiß das! Und wer dies nicht weiß und beachtet, der hat dort definitiv nichts zu suchen – weder als Teilnehmer, noch als Zuschauer. Zumindest auf Ersteres achten auch die Veranstalter, für Zuschauer hingegen muss – neben den ausgewiesenen Zuschauerzonen – eben auch „eigene Vernunft“ und permanente Wachsamkeit ausreichen.

Wir leben in äußerst merkwürdigen Zeiten, die von „ungefilterten“ Nachrichten oder einfach auch nicht wirklich in einen Kontext gesetzten Fakten bestimmt werden. Menschen schreien nach mehr Sicherheit, mehr Regulierung und Überwachung – ohne dabei zu bedenken, dass sie ihre eigene Freiheit immer weiter opfern und es 100%-ige Sicherheit eben nie geben kann oder wird.
Ich für meinen Teil halte dies für eine völlig falsche Entwicklung, denn ich liebe meine Freiheit und gestehe diese auch jedem anderen Menschen zu. Wenn ein Mensch sich dafür entscheidet, sein Leben – wie auch immer – mit Risiken zu „würzen“, dann steht ihm dies frei – solange er dabei niemanden anderen gefährdet und sich an geltende Gesetze hält. Aber ich brauche keine Helikoptereltern und Angsthasen, die mir oder anderen das Leben diktieren wollen!

Übrigens, nur zur Einordnung:

Im Monat Mai starben auf deutschen Straßen 118 Motorradfahrer bei Unfällen*, eine wahrlich traurige Zahl. Etwas weniger als die Hälfte der Unfälle war selbstverschuldet – was nicht immer auf überhöhte Geschwindigkeit zu schieben ist – die andere Hälfte aber ist auf Fremdverschulden zurückzuführen. Mit fast 4 Toten pro Tag „toppt“ dies leider sogar die „Todesrate“ der TT!
Das ist etwas, über was wir nachdenken können & sollten, ohne aber nach Verboten zu schreien… 

Hier würde Aufklärung & Verständnis bei den anderen Verkehrsteilnehmern (für Motorradfahrer, deren Geschwindigkeit bzw. Beschleunigung und auch die hohe Gefahr, sie zu übersehen) sowie auch „technische“ Änderungen z.B. an Leitplanken und Hinweistafeln helfen, die für Motorradfahrer auch bei Stürzen mit niedrigstem Tempo zu tödlichen Gefahren werden können.

Das wäre etwas, wo man nach neuen Gesetzen oder besserer Regulierung rufen könnte…

*Quelle: EMS Biker Paramedics e.V. Facebook-Seite – Notizen

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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