IDM

Die IDM in der Krise – und jährlich grüßt das Murmeltier…

Ist die IDM mit dem Jahr 2017 tatsächlich zu Ende? Derzeit sieht es stark danach aus!
© Andreas Weinand // www.aow-fotografie.de

Wieder einmal hat man bei der IDM das Gefühl, sich in einem schlechten Film zu befinden, in dem man jährlich mit den immer gleichen Problemen konfrontiert wird. War es 2015 der Ausstieg des ADAC aus der Serie, 2016 die vorzeitige Kündigung des Promoters Motor Events HMP und die Übernahme der IDM durch die Arbeitsgemeinschaft Motorsport des IVM e.V., so ist es halt in diesem Jahr der neue Promoter / Ausrichter / Verantwortliche / Geldgeber / „Hauptbestimmer“ (ihr seht, welche offizielle Aufgabe / Funktion die AGM jetzt real für die IDM übernommen hat, erschließt sich auch zum Ende der Saison nicht wirklich), der kurz vor dem Saisonfinale den Stecker in der IDM zieht.

Die Pressemitteilung des IVM e.V. bzw. der AG Motorsport hat am Montag also wieder für hohe Wellen in den Sozialen Netzwerken und in der einschlägigen Online-Presse gesorgt. Mit dem vorzeitigen und sehr überraschenden Ausstieg der AGM in ihrer realen Funktion als Geldgeber und Richtungsgeber, hat das alljährliche Debakel in Deutschlands höchster Motorrad Rennsportserie dieses Mal ein neues und durchaus kritisches Niveau erreicht.

Wenn die Hersteller (BMW) bzw. Deutschlandimporteure (Honda, Kawasaki, Suzuki, Yamaha) für die IDM kein tragfähiges Zukunftskonzept mehr sehen, sie ihre nicht unerheblichen Sponsorgelder aus der Serie abziehen, dann ist das – trotz schnell gestrickter „Hoffnungsmeldung“ seitens des DMSB – durchaus das potenzielle Ende der IDM, mit nicht absehbaren Auswirkungen auf den deutschen Motorrad-Rennsport im Allgemeinen, dem Rennsport-Nachwuchs im Besonderen, sowie auch auf den Motorrad-Rennsport in unseren umliegenden Nachbarländern, die in den letzten Jahren verstärkt mit bzw. in der IDM an den Start gingen…

Ein von speedweek.com geführtes Interview mit dem Präsidenten des DMV – Deutscher Motorsport Verband e.V. – der immerhin einer der drei Hauptträgervereine des DMSB ist (neben AvD und ADAC), zeigt auf fast schon bedrückende Art und Weise wie manch „älterer“ Funktionär im Motorsport so denkt.

Das Interview wurde in zwei Artikeln veröffentlicht, die ich hier verlinke:
Teil 1 des Interviews
Teil 2 des Interviews

Neben dem üblichen „Verbands-Blabla“ sind hier drei Aussagen bzw. „Ideen“ besonders beachtenswert
  1. Die IDM „zusammenkürzen“ und die Startgebühren erhöhen, so dass sie wie DRC / DLC rein über Nenngelder zu 100% finanziert wird.
  2. Die IDM durch einen „Racing for Fun“ bzw. Rennstreckentraining-Anbieter wie BikePromotion ausrichten / veranstalten lassen, ggf. auch „vermischt“ bzw. gemeinsam mit der DRC bei fünf bis sechs Veranstaltungen im Jahr.
  3. Zuschauer, Sponsoren, Vermarktung bzw. Werbung sind – laut Aussage von Herrn Weidlich – „Beiwerk“, welches man erst einmal unbeachtet lassen kann…
Er ist optimistisch für die IDM – sie hat ja „früher™“ auch gut funktioniert…

Nun, ich bin ja nur ein Wegbegleiter der letzten 4 Jahre, mit etwas Einblick in all die – größtenteils schon als ehrenamtlich zu bezeichnende – Arbeit, die Motor Events von 2013-2016 mit ca. 10-12 Personen als Kernteam dort investiert hat.
Ich kenne viele der aktuellen Fahrer und deren massiven Probleme, auch nur halbwegs ausreichend Sponsoren zu finden, um die bisher üblichen Kosten (die über den Sponsoren- bzw. Herstellerpool deutlich verringert wurden) inklusive dem oft schon desaströsen, eigenen finanziellen Engagement gedeckelt zu bekommen.

Aber wie man auf den Gedanken kommen kann, dass man zwischen 150-250 kEUR – die ein ganz normales IDM-Rennwochende nur an Kosten für Streckenmiete, Zeitnahme, Techniker, DMSB (u.a. zu bezahlende Spesensätze der DMSB-Repräsentanten, Lizenzgebühren), DRK, Sicherheitsausstattung u.v.m. eben erzeugt – rein über Nenngelder von den Fahrern refinanziert bekommt, ist mir ein Rätsel.
Dazu kommen übrigens zwingend auch noch die Kosten auf Seiten des neuen Ausrichters. Denn auch wenn der keine Werbung bzw. Vermarktung machen soll, er muss dennoch ein Team von Personen stellen, die sich eben um die Abwicklung, Orga, Fahrerlagerplanung, Sicherheit etc. kümmern.
Auch ein neuer Ausrichter, egal ob BiPro oder sonst ein Anbieter, wird nicht „für lau“ arbeiten. Sprich hier kommen sicherlich nochmals 25-30 kEUR pro Event „on Top“.

Bei 250 Teilnehmern (die über 3 IDM Klassen natürlich nicht zu erzielen sind) wären es dann schon lockere 1.000 EUR an „Startgebühren“, wollte man hier die schwarze Null schreiben.
1.000 EUR für Fahrer / Privatteams, die ihren bisherigen Sponsoren im Vorfeld „verkaufen“ dürfen, dass sie in einer IDM ohne Vermarktung und mit nochmals deutlich weniger Zuschauern fahren werden.

Klingt nach einem sensationell guten Plan!

Wie man ernsthaft auf die Idee kommen kann, die höchste nationale Serie im (sündteuren) Motorrad-Rennsport am Leben erhalten zu können, ohne massiv Gewicht & Engagement auf mehr Zuschauer und mehr Attraktivität für potenzielle Sponsoren (und die wollen genau eines: professionelle Vermarktungsmöglichkeiten ihres Engagements) zu legen, ist mir ein Rätsel…

Die Saison 2017 hätte dafür übrigens die (einmalige?!) Chance geboten!
Denn noch nie ist derart viel Sponsorengeld in die IDM geflossen, wie in diesem Jahr. Aber man hat – aus meiner sehr subjektiven Sicht – die viele Kohle an falscher Stelle verjubelt oder einfach die falschen Partner gewählt, die – und dafür ist ihnen nicht einmal ein Vorwurf zu machen – eigene wirtschaftliche Interessen über das (eben zeit- und kostenintensive) Engagement für die Fahrer bzw. den Sport gestellt haben. Aber darüber spricht man natürlich – wie immer in Deutschland – nicht offen…

Vielleicht wäre es dann doch sinnvoller, der IDM ein „Ende mit Schrecken“ zu bescheren, statt sie zu einem „Schrecken ohne Ende“ werden zu lassen?!?

Mit der Pressemeldung des IVM bzw. der AGM vom Montag ist die „Marke“ IDM wirklich verbrannt. Vielleicht wäre es für alle Beteiligten – Fahrer, Teams, Fans, Hersteller aber auch DMSB bzw. „Funktionäre“ – besser, 2018 wirklich als Jahr der Konsolidierung zu nutzen und mit Fachleuten aus Sport und – zwingend! – Marketing über mögliche (Event-)Konzepte einer dann auch neu zu benennenden und professionell zu vermarktenden „German/European Superbike Championship“-Serie nachzudenken?!

Die stetig schlechter werdenden Rahmenbedingungen für den Motor(rad)sport, komplett veränderte Mobilitäts- und Freizeitgewohnheiten sowie Mediennutzung, machen ja nicht nur hier in Deutschland vielen Motorsport-Serien und Rennstreckenbetreibern das Leben schwer. Im benachbarten EU-Ausland ist die Situation nicht anders / besser – wie ein Blick auf alle Serien hinter MotoGP und Formel1 deutlich klar macht!
Es muss also – ohne Schönfärberei, Selbstbetrug und persönliche Empfindlichkeiten – nach zukunfts- und tragfähigen Konzepten gesucht werden. Dies gelingt aber nicht von heute auf morgen – und „morgen“ müssten für eine erfolgreiche IDM 2018 bereits Termine stehen und Rennstrecken gebucht werden…

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

2 Kommentare

  • … Bike Promotion ist bitteschön nicht lediglich Anbieter von Renntrainings oder racing4fun-Veranstaltungen, sondern Ausrichter von DRC und DLC!

    • Danke für den Hinweis, lieber Stefan.
      Ich wollte BiPro damit auch nicht abwerten oder schlecht machen – ich habe lediglich die Formulierung aus dem Interview mit dem DMV Präsidenten genutzt, wo eben von der „Annäherung an Veranstalter von Racing for Fun Events“ die Rede ist.
      Das Motorrad action-Team ist ja auch nicht nur Reise- und Traininganbieter, sondern auch Ausrichter der Triumph-Challenge bzw. des Triple-Cups… 😉
      Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass nicht das „ausrichten“ der IDM die große Herausforderung ist, sondern eben ihre zielgerichtete Konzeption / Promotion / Vermarktung / Bewerbung. Und das ist nicht die Kernkompetenz der diversen R4F-Veranstalter.
      Erfolgreiche Serien zeigen, dass dort das Hauptaugenmerk liegen muss – egal ob MotoGP mit der Dorna, BSB mit MSVR – MotorSport Vision Racing oder jetzt auch die FIM EWC mit Eurosport Events als Promoter.

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