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IDM 2017 – Fünf gute Gründe, die IDM einmal live zu besuchen

Als Fotograf in der IDM, der die Serie nun im vierten Jahr begleitet, bin ich sicherlich nicht unparteiisch oder neutral wenn es um meine Anerkennung für die Piloten dort geht. Warum ich die IDM für eine der besten nationalen Serien der Welt halte und sich ein Besuch dort lohnt, lässt sich aber an den fünf Fingern einer Hand ab- bzw. aufzählen.

Ich habe mich vor 4 Jahren in die Serie, ihre Protagonisten und auch das Flair bzw. die Atmosphäre im Fahrerlager und innerhalb der IDM-Familie quasi „verliebt“. Seither fällt es mir schwer, mich deren Charme und Anziehungskraft zu entziehen. Aber um nicht nur emotional-gefärbte Lobeshymnen vom Stapel zu lassen, möchte ich hier einmal 5 gute Gründe für den Besuch der IDM aufführen, die die Vorzüge der Serie jedem Motorsport-Fan aufzeigen sollten.
Gründe, die sich objektiv an Daten, Fakten & Inhalten festmachen lassen!

1. Top-Fahrer aus vielen Nationen

Das „i“ in IDM steht für International. Und so fahren in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft Jahr für Jahr viele Top-Piloten aus der ganzen Welt. Mal nur 1-2 Gaststarts, weil z.B. auch viele WM / EM Fahrer die IDM gern für Trainings- oder Vorbereitungsrennen nutzen, mal auch die ganze Saison bzw. Meisterschaft, weil die IDM in Europa (man möchte fast sagen „außerhalb Deutschlands“) einen hervorragenden sportlichen Ruf genießt.

In diesem Jahr sind z.B. Fahrer aus 12 europäischen Nationen fest in die IDM eingeschrieben. Allein in der Superbike 1000 sind Fahrer aus 11 unterschiedlichen Nationen am Start! Im IDM Feld sind mehrere ehemalige WM-Fahrer aus der World-SBK, World-SSP, Moto3, Moto2 und natürlich auch Sidecar-WM dabei – also wahrlich keine Nasenbohrer oder Blümchenpflücker!

2. Große Startfelder

Einer der größten Streit- bzw. auch Kritikpunkte häufig. Aber betrachtet man die IDM bzw. deren einzelne Prädikatsklassen einmal im internationalen Vergleich, dann steht die IDM vielleicht nicht überall besser aber vor allem auch nicht schlechter da als manch „große“ und prominente Serie, bei der anscheinend niemand auf die Idee kommt mal die Fahrer im Grid zu zählen.

2017 gehen in der IDM Superbike 31 eingeschriebene Fahrer an den Start, oft kommen auch noch ein paar Gaststarter hinzu. So wird vom 12.-14.5. am Nürburgring – Stand vom 5.5. – ein 33 Fahrer starkes Feld die Rennen bestreiten. Auch in 2016 standen – wenn auch auf zwei Klassen in der Wertung aufgeteilt – bereits 28 Fahrer permanent gemeldet im Grid.

Zum Vergleich:
  • MotoGP: 23 Fahrer
  • World-SBK: 21 Fahrer
  • FIM STK1000 EM: 33 Fahrer
  • BSB Superbike: 26 Fahrer

Die Klasse IDM Supersport 600 ist zwar im Vergleich zur WorldSSP wirklich deutlich schlechter besetzt (16 zu 33 Startern), aber wenn man die Zahlen der 600er in anderen nationalen Serien betrachtet, dann ist dieses starke WM-Feld auch eine absolute Ausnahme. Nur zum Vergleich: Im FIM Europe Supersport Cup fahren aktuell 7 (in Worten: sieben!) Fahrer um einen FIM EM-Titel!

Die neue IDM Supersport 300 möchte ich – der Fairness halber bei einer komplett neuen Serie – eigentlich außen vor lassen. Da hier aber die IDM mit dem niederländischen R3-Cup kooperiert, stehen für die Fans & Zuschauer auch in dieser Klasse 20 junge, hochmotivierte Fahrer auf quasi identischem Material am Start. Ein Kriterium, welches immer für enges und spannendes Racing sorgt. Das gegebenenfalls – daran arbeitet man aber noch hinter den Kulissen – nach Rennende zwei statt nur einer Siegerehrung zu bestaunen sind, wird dem eigentlichen Renngeschehen keinerlei Abbruch tun.

Und als krönenden Abschluss die IDM Sidecar mit aktuell 19 fest eingeschriebenen Gespann-Teams. In der FIM Sidecar WM starten in 2017 11 Gespanne. In der BSB, die auch noch eine halbwegs beachtete Sidecar-Klasse hat, sind zuletzt zwischen 23 und 25 Gespanne an den Start gegangen, darunter aber auch 3-9 600er Gespanne in getrennter Cup-Wertung (Brands Hatch & Oulton Park variieren hier stark).

Man sieht also: Wenn man sich von „Fake-News“ und „postfaktischer Betrachtung“ löst, dann steht die IDM im internationalen Vergleich sogar sehr gut da!
Alle Fahrer / Teilnehmer der vier IDM Prädikatsklassen findet ihr hier in tabellarischer Übersicht.

Hinzu kommen – für die Fans vor Ort – noch drei stark besetzte Rahmenklassen bzw. Marken-Cups mit insgesamt fast 100 Startern. Zwar wird der R6 Cup zum Nürburgring-Auftakt noch fehlen, ab Zolder sind aber auch die 44 jungen Wilden des ältesten Marken-Cups der Welt wieder am Start.

3. Sportliche Qualität

Dieser Punkt ist – zugegebenermaßen – etwas schwieriger rein objektiv und mit Zahlen zu betrachten. Denn die sportliche Qualität eines Rennens macht sich nicht allein an den gefahrenen Rundenzeiten fest.

Für die Zuschauer z.B. zählen enge Rennen. Es ist einfach viel spannender, ein homogenes und – wie oben aufgezeigt – großes Feld über Runden kämpfen zu sehen, als dass sich einzelne Top-Fahrer durch Rundenzeiten auf WM-Niveau hervorheben, dafür aber einsam an der Spitze fahren. Dieses „enge“ Racing ist in 2017 in allen IDM-Prädikatsklassen zu erwarten. Insbesondere in der IDM Superbike 1000 dürfen wir mit der ein oder anderen Überraschung rechnen, denn einen wirklich eindeutigen Favoriten würde ich aktuell – und ich kenne fast alle Piloten aus den letzten Jahren – nicht benennen wollen. Klar ist, dass der IDM Titel in dieser Klasse kein Selbstläufer für einen Fahrer werden wird. Dafür sind einfach viel zu viele, wirklich starke Piloten am Start und das neue Reglement beschert uns auch auf technischer Ebene ein sehr homogenes Feld. Solch fahrerisch wie technisch homogene Startfelder finden sich auch in den drei Rahmenserien. Also was die Spannung in den Rennen angeht, dürfte die Qualität in 2017 sehr hoch werden.

Da Rundenzeiten aber natürlich auch immer eine gute Vergleichsbasis darstellen, betrachten wir einfach einmal die gefahrenen Zeiten auf der Strecke im IDM-Kalender, die auch von MotoGP, World-SBK und BSB befahren wird: dem TT Circuit in Assen.

Der IDM Rundenrekordhalter (im Rennen, nicht eine „Hot-Lap“ mit Qualifyer-Reifen o.ä.) heißt seit 2015 Markus Reiterberger. Er fuhr im ersten Rennen in Assen eine 1:36.049.
Die schnellste Rennrunde der World-SBK in Assen 2017 (!!) drehte Jonathan Rea auf der Werks-Kawasaki (ca. 4-5x höheres Budget allein für das Motorrad) mit einer 1:34.880 – aber eben 2 Jahre später und auf einer Werksmaschine, die nochmals ca. 20-30 PS mehr hat. Mit seiner Zeit aus 2015, auf einer dem IDM-Superbike Reglement entsprechenden BMW, wäre Reiti aber immer noch bei der WSBK 2017 auf Platz 7 der Bestzeitenliste gelandet.

Die MotoGP fuhr 2015 in Assen Zeiten zwischen 1:33.617 (Marquez) bis zu hohen 1:35.8/9 (Laverty, de Angelis, di Meglio). 2013 / 2014 waren die Zeiten noch über 1 Sekunde langsamer, da hätte die Reiterberger Runde selbst in der MotoGP für jeweils Platz 11 in der Liste der schnellsten Rennrunden gereicht! Die British Superbike fährt in Assen übrigens 1:37.3 (Top-Runde in 2016) und der Rundenrekord der BSB datiert ebenfalls aus 2015 mit einer 1:36.904 von Josh Brookes. Dies ist – natürlich – nur ein grober Vergleich, da die Rennbedingungen hinsichtlich Temperatur / Wind etc. variieren. Aber es waren alles Rennen auf trockener Piste!

4. Eintrittspreise

Nun, dieser Punkt ist sehr einfach und schnell für die IDM zu entscheiden, wenn man die aktuellen Eintrittspreise von MotoGP, WSBK aber auch BSB kennt. Die IDM hat schon in den letzten Jahren für das gesamte Rennwochenende EUR 25,– (im Vorverkauf) gekostet. In 2017 gibt es für absolute Sparfüchse sogar noch Tagestickets, die für EUR 14,– quasi verschenkt werden (wir sprechen hier von rund 10h Rennaction auf der Piste mit fast 200 Aktiven, die sich für Fans/Zuschauer den A… abfahren – nicht von einem 2h Hollywood-Schmachtschnulzen-Streifen!).
Jugendliche und Kinder unter 18 Jahren haben sogar freien Eintritt. Dies sind bei der IDM seit jeher auch die einzigen Kosten, die für den Besuch des Rennwochenendes anfallen. Mit der Eintrittskarte erhält man freie Tribünen-Auswahl, kostenfreien Zugang zum Fahrerlager sowie zum sonntäglichen Pitwalk.

Die Preise z.B. für Parkplätze oder von Getränken & Speisen an den jeweils vor Ort befindlichen Verkaufsständen bzw. Imbissbuden bestimmt nicht die IDM! Hier haben Streckenbetreiber bzw. ausrichtende Vereine vor Ort entsprechende Vereinbarungen oder Verträge. Im Rahmen der IDM bieten aber Suzuki (schon immer) sowie in 2017 auch Honda sogenannte VIP-Pakete an, bei denen für EUR 45,– bzw. EUR 59,– pro Wochenende nicht nur das IDM Wochenendticket im Preis enthalten ist, sondern auch noch eine komplette Verpflegung (Frühstück, Mittag, Abend + Softdrinks) am Samstag wie Sonntag in den jeweiligen Hospitalities im Fahrerlager.

Das etwas teurere Honda-Paket bietet dazu noch sehr exklusive Besuchsmöglichkeiten in der HRP-Box, eine eigene Autogrammstunde mit den Honda-Piloten sowie eine Verlosung von Pirelli-Reifen (am Nürburgring noch getoppt von der Verlosung eines Schräglagentrainings!). Und da auch die Teams diese Hospitalities nutzen, kann es einem dann auch passieren das man neben seinem „Idol“ an der Cola nuckelt oder sich beim zweiten Gang ans Buffet einen Spruch von ihm einfängt.

5. „Offenheit“ und Zugangsmöglichkeiten

Auch wenn dies bei den Eintrittspreisen schon erwähnt wurde: Die IDM ist die offenste professionelle Rennserie, die es für Zuschauer gibt. Sowohl freie Tribünenauswahl, wie auch Fahrerlagerzugang & Pitwalk sind im Eintrittspreis bereits enthalten. Es gibt keine Einschränkungen für Zuschauer, die sich ganztägig auch im Fahrerlager umschauen können und dort – weil die Piloten der IDM tatsächlich zum allergrößten Teil auch noch im Fahrerlager „leben“, sprich arbeiten und schlafen – auch ihre Idole persönlich antreffen können.
Natürlich gilt auch hier der nötige Respekt!
Nicht immer haben die Fahrer Zeit für lange Gespräche oder viele Autogramme – besonders bei den Top-Fahrern bzw. Top-Teams während der straff durchgeplanten Tageszeiten. Sie betreiben Rennsport auf höchstem Niveau und müssen eben ihren Job machen. Aber wenn man freundlich fragt und die Zeit da ist, gewähren einem gerade die kleineren Privatteams auch mal einen Einblick hinter die Kulissen und viele Fahrer aus den diversen IDM- und Rahmenklassen stehen ihren Fans durchaus am Abend auch mal für ein Benzingespräch zur Verfügung. Gerade die Fahrer der Marken-Cups geben oft auch hilfreiche Tipps für den eigenen Renn-Einstieg und beantworten wirklich sehr gern die Fragen ihrer Fans & Zuschauer.
Wo gibt es sowas sonst noch?!?

Ihr seht also: eine Hand voll guten Gründen, die eigentlich jeden Motorsport-Fan von einem Besuch der IDM 2017 überzeugen müssten!

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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