IDM

IDM Rettung – wo liegen Probleme & Chancen? Teil 1: Die Kosten

Wieviel kostet eine IDM-Saison? Das Budget der IDM in 2016 und 2017 offengelegt
© Andreas Weinand // www.aow-fotografie.de

In meiner Social-Media Filterblase, die gefüllt ist von Freunden & Gruppen die mit dem Motorrad-Rennsport zu tun haben, ist das vermeintliche Ende der IDM und damit auch die Zukunftsaussichten für den Deutschen Motorrad-Rennsport natürlich Hauptthema Nr. 1 derzeit. Allerdings auch nur dort…

Wenn ich mich durch all die Gruppen, Posts und auch Foren lese, dann sehe ich viel Frust, einges an „Halbwissen“ und teils absoluten Blödsinn – was, in letzter Konsequenz, auch nur noch mehr das Problem der mangelnden Kommunikation über die Serie offenbart.

Schuldige werden gesucht – und natürlich auch schnell, je nach persönlicher Vor- bzw. Hassliebe, in DMSB, ADAC, IVM bzw. AGM oder auch action-Team „gefunden“.

Wenn man alles zusammen nimmt, von jedem Kritikpunkt einen Teil in sein Urteil einfließen lässt, das Ganze gut durchrührt und dann den „Cocktail“ anschaut, muss man aber – wie auch im normalen Leben – zu dem Schluss kommen, dass es die Summe vieler (kleiner, aber durchaus auch größerer) Probleme ist – teils „hausgemacht“, teils „nicht zu beeinflussen“ – die die IDM erneut für 2018 in den Sternen stehen lässt…

Ich will versuchen, diese Probleme in mehreren, thematisch aufgeteilten Artikeln darzulegen. Natürlich bin auch ich nicht „wertfrei“ oder neutral. Ebensowenig kann und möchte ich für mich „die alleinige Wahrheit“ in Anspruch nehmen!

Aber ich habe – ggf. beruflich bedingt – eine halbwegs gute Mischung an interner wie externer Ansicht. Ich bin ein flammender Verteidiger der Fahrer und deren Leistung, seitdem ich das erste Mal die IDM Piloten live gesehen habe. Andererseits bin ich aber kein „Fanboy“, denn ein gesunder Pragmatismus ist mit dem Alter auch in mir erwachsen. 😉

Teil 1 – Kosten & Kostentransparenz der IDM

Fangen wir an beim Geld, dem schnöden Mammon, der Kohle, die in der heutigen Zeit – schaut man einmal die Nachrichten – eigentlich nur noch in Millionen und Milliarden im internationalen Top-Sport zu fließen scheint. Ich muss voranstellen, dass ich hier – wenn ich von „die IDM“ rede, ausschließlich die Ausrichtung & Promotion der IDM als Serie meine. Also die Kosten, die in den Jahren 2013-2016 bei Motor Events HMP und in 2017 bei der AG Motorsport des IVM bzw. dem Motorrad action-Team als Ausrichter angefallen sind.

Was Rennsport – egal ob IDM oder jede andere, halbwegs hochwertige Serie – die Teams und Fahrer generell kostet, ist von derart vielen, individuellen Faktoren auf deren Seite abhängig, dass diese Zahlen hier unmöglich zu vergleichen wären. Was sie aber als Einschreibe- und Startgebühren in der IDM bezahlen müssen, ist die einzige, offiziell zugängliche und kommunizierte Zahl – und die hängt eben auch von den Kosten & Einnahmen des Ausrichter ab.

Echte Kostentransparenz würde allen Beteiligten helfen, meiner Meinung nach. Diese scheint allerdings – nicht nur, aber besonders – im Motorsport generell nicht gewünscht zu sein. Das fängt bei den Mietpreisen für Rennstrecken an (solche Informationen sind öffentlich nicht zugänglich), geht nahtlos bei Budgets, Sponsorengeldern, Honoraren und „sonstigen Kosten“ so weiter. Schaut man dann einmal querbeet durch die Sozialen Netzwerke oder in thematisch passende Foren, erkennt man auch das damit einhergehende Problem: Es werden „Zahlen“ phantasiert und „Eindrücke“ erweckt, bei denen es den halbwegs informierten Betrachter manchmal nur schaudert, oft aber auch zur Weißglut bringen kann.

Wenn selbst (-ernannte) Motorsportkenner im Zusammenhang mit der IDM von „Fahrergehältern“ und „Profis“ sprechen, dann fällt mir oft die Kinnlade herunter. Ja, es gibt ein paar wenige Fahrer, die mittlerweile vom „Motorrad fahren“ leben, also echte Profis sind.
Allerdings nicht wegen 6-7 IDM Einsätzen, sondern meist, weil sie nebenher noch als Instruktoren oder Test- bzw. Entwicklungsfahrer durch die Welt tingeln. Weil sie sich einen eigenen Sponsoren- und Unterstützerpool erarbeitet haben, der über das Jahr ein paar Euros zum Nomadendasein beisteuert. Und weil sie meist auf ganz, ganz kleinem Fuße leben – wie auch ein Reiti, der mit seinem alten Transit durch die Gegend juckelt und weit entfernt von üppigen „Motor-Homes“, „Sterne-Hotels“ oder gar „Privat-Jets“ ist…

95% aller Fahrer im IDM Tross gehen aber am Montag, spätestens Dienstag nach den Rennen wieder ganz normal arbeiten (oder zur Schule bzw. Uni 😉 ). Helfer, Mechaniker, freie Journalisten und Fotografen vor Ort investieren oftmals ihre Urlaubstage aus den „unterhaltfinanzierenden“ Jobs und arbeiten – sofern sie überhaupt einen finanziellen Ausgleich erhalten – für Spesen- bzw. Taschengelder.
Von „genug zum davon leben“ verdienen, kann bei lockeren 90% aller beteiligten Menschen im gesamten Motorrad-Rennsport (bis hinauf in die WM-Serien) nicht wirklich die Rede sein!

Aber genug davon… Ich wollte ja über die Kosten schreiben. Da es keine offen kommunizierten Kostenaufstellungen gibt, bin bzw. war ich auf „geleakte“ Informationen der letzten Jahre (in ganz, ganz vielen Berichten, Nachrichten und über öffentlich zugängliche GmbH-Jahresabschlüsse recherchiert), sowie auf ein paar Insider-Infos – die man über „Flurfunk“ bzw. eben bestehende Kontakte zugesteckt bekommt – angewiesen.

Daher sind viele Zahlen hier nicht 1:1 „belegbar“, das muss ich klar sagen!
Aber in vielen Fällen konnte ich die recherchierten oder mir zugespielten Zahlen z.B. über ähnliche Summen in Artikeln anderer Journalisten oder auch über die, vom DMV Präsident im Interview mit der Speedweek genannten Kosten für ein Rennwochenende in Hockenheim halbwegs verifizieren.

Zudem war man auf Seiten des alten Promoters zumindest so offen mir gegenüber, dass man mir eine „Preisspanne“ für die in 2016 ausgetragenen Rennen mitgeteilt hat – wenn auch keine einzelnen Kostenpositionen.
Am Ende ergibt sich so ein durchaus plausibles und auch rechnerisch „aufgehendes“ Budget.

Was kostet also eine IDM Saison?

Der Ausrichter muss die Kosten für Streckenmiete (3 Lärmtage, gesamte Anlage inkl. Media-Center, Boxenanlage, Fahrerlager uvm.), Personal des Steckenbetreibers (u.a. für Einlasskontrolle, Parkplatzverwaltung, Kartenverkauf, Haustechnik usw. zwingend nötig), DMSB-Lizenzgebühren und Spesensätze der vorgeschriebenen Sportfunktionäre, Zeitnahme, DRK und „veranstaltender“ Ortsverein nebst seinen Marshalls, Übernachtungskosten usw. tragen.
Diese Kosten variieren massiv, da die Mietpreise für die Rennstrecken und auch die „regionalen“ Kosten z.B. für Hotels / Pensionen extrem unterschiedlich sind.

So kommen pro Rennwochenende zwischen 150.000 und 250.000 EUR zusammen, wobei der Nürburgring wohl die teuerste Strecke im IDM Kalender darstellt. Aber selbst Schleiz ist – aufgrund der vielen, extra benötigten Auf- und Abbauarbeiten – nicht etwa „günstig“, sondern liegt mit rund 200.000 EUR an direkten Kosten eher im Mittelfeld.
Diese Zahlen decken sich auch mit den ca. 150-200.000 EUR für ein Hockenheim-Wochenende, die der DMV Präsident im Interview genannt hat. Sie sind also plausibel und nachvollziehbar, dürften sich künftig – dank Inflation bzw. Preissteigerung – eher weiter erhöhen als geringer werden.

Hinzu kommen pro Rennwochenende nochmals ca. 25.000-30.000 EUR an „sonstigen Kosten“ – die u.a. Telefon- & Internetkosten Media-Center, Catering für Mitarbeiter, Helfer & Media, Verbrauchsmaterialien, Personalkosten auf Ausrichterseite u.v.m. beinhalten.

Bei 6 Veranstaltungen und gemittelten Kosten von ca. 225.000 EUR pro WE, kommt man so etwa auf 1,35 Mio. EUR pro Saison (alles Netto – wie üblich im Geschäftsleben).

Nicht enthalten sind hier sämtliche Kosten, die auf Promoterseite anfallen. Also Personalkosten vor / zwischen den Rennen, Werbung (Design, Druck, Media), Gebühren für den Ticketverkauf, Webseite, PR-Erstellung usw., usw…

Und auf der „Haben-Seite“?

Hier wird die Sache komplizierter bzw. hier findet man – auch mit viel Recherche und Nachfragen – kaum Informationen. Öffentlich sichtbar sind natürlich die Einschreibe- bzw. Nenngelder. Die stehen auf den Nennformularen und lassen sich noch vernünftig addieren.

In 2017 waren dies 400 EUR in der SSP300, 675 EUR in der SSP600 und 750 EUR in der SBK1000 – inkl. MwSt, also Brutto. Dazu für jeden Permanentstarter einmalig 450 EUR an Einschreibegebühr.
Da die Kosten Netto anfallen, rechnen wir auch die Einnahmen ohne die enthaltene Mehrwertsteuer kurz durch (336, 567 und 630 EUR – gerundet). Die Anzahl an Startern habe ich 1:1 aus den entsprechenden Ergebnislisten 2017 genommen, die Starter des R3-Cup aus den Niederlanden mit der gleichen Startgebühr gerechnet wie die Teilnehmer der IDM SSP300.
Hockenheim ist – mangels Teilnehmerliste – mit den üblichen Pernanentstartern gerechnet.

185 x 630 EUR in der SBK1000 = 116.550,–
90 x 567 EUR in der SSP600 = 51.030,–
107 x 336 EUR in der SSP300 = 35.952,–

Macht 203.532 EUR an Startgeldern in der Saison 2017 + den Einschreibegebühren von 53 (!!!) Fahrern in den Soloklassen in Höhe von ca. 20.000 EUR.

Hinzu kommen dann noch die „Zeitfenster“, die die Markencups und auch die IDM Sidecar pauschal für ihre Rennzeiten bezahlen. Diese dürften – wenn man sich an den Meldegebühren z.B. in den Suzuki-Cups orientiert und es hochrechnet – bei ca. 9.000 – 12.000 EUR liegen.
Wenn ich ganz optimistisch für den Ausrichter bin, kommen so also noch 6 x 48.000 EUR hinzu.

Insgesamt kommt man auf ca. 511.500 EUR, die von den Startern / Teilnehmern inkl. der Rahmenklassen refinanziert werden. Von einer „fahrerfinanzierten“ IDM kann also nicht wirklich die Rede sein.
Wollte man die Idee des DMV Präsidenten – die IDM 2018 rein über Startgelder refinanzieren, kein Wert (und damit keine zusätzlichen Kosten) auf Werbung, Zuschauer und damit Sponsorenattraktivität – umsetzen, so müsste man die verbleibenden gut 838.000 EUR auch noch auf die Teilnehmer umlegen.

Grandiose Idee, viel Spaß dabei!

Die Startgebühren und Kosten für die Rahmenklassen müssten um den Faktor 2,6 angehoben werden – ein SBK Starter käme somit nicht mehr auf 4.500 EUR an Startgebühren pro Saison, sondern auf 11.700 EUR…

Was bleibt also zur Refinanzierung der IDM?

Wenn man mit verlässlichen und kalkulierbaren Einnahmen arbeiten will, dann geht das nur über Sponsoren – wie bereits in den früheren Jahren der IDM auch über sog. „Pool-Partnerschaften“. Die Speedweek hat dazu in einem Artikel von 2013 Zahlen „geleakt“, die je nach Hersteller und Umfang von ca. 20-30.000 EUR pro Saison variierten. Diese Summen (für die großen Hersteller) halte ich immer noch für plausibel, sie entsprechen den Zahlen, die ich für 2016 im Fahrerlager und aus dem Umfeld der IDM gehört habe.
Dazu kommen dann noch kleinere Firmen bzw. Partner (z.B. Reifenpartner, Fahrwerkshersteller, Helmhersteller, Schmiermittelpartner und vergleichbare), die bei ca. 5-8.000 EUR „Spendengeld“ pro Saison liegen dürften.

Da aber die realen Zahlen wirklich nicht einsehbar sind, kann ich hier nur grob und spekulativ eine Zahl ermitteln.
Ich gehe davon aus, dass die 5 großen Hersteller auch 2016 schon am meisten gezahlt haben (also 5 x 30.000 EUR), daneben waren noch Ducati und MV als Hersteller dabei, die aber sicherlich nicht so viel ausgepackt haben. Die würde ich zusammen mit 30.000 EUR einschätzen.
Zusätzlich gab es noch 15 weitere Firmen, die ihre Logos prominent platzieren durften und somit dem Sponsoren-Pool zuzuordnen sind. Die würde ich jeweils mit 5.000 EUR ansetzen.

Für 2016 ergibt sich somit ein Sponsoren-Budget von ca. 250.000 EUR.

Bleiben als letzte – und nicht kalkulierbare – Einnahmequelle die Zuschauer.
Die Zahl, das muss ich offen eingestehen, ist eher Kaffeesatzleserei – denn es gibt keine verlässlichen Zuschauerzahlen oder gar offizielle Verkaufszahlen der Tickets, gestaffelt bzw. aufgeteilt auch auf Wochenend- oder Tagestickets.

Die Zuschauerzahlen, die – sofern man sie sich schön rechnen konnte – veröffentlicht wurden, wurden – aber das scheint auch üblich zu sein im Motorsport – über alle Tage aufaddiert und beinhalten eben nicht nur „zahlende Zuschauer“, sondern auch Fahrer, Teammitglieder, Gäste, Medienvertreter uvm., die am Eingang ihre Karten „gescannt“ bekommen haben.

Also muss man – leider – auch bei „28.500 Zuschauer am Schleizer Dreieck“ erst einmal die Zahl locker durch 2 teilen und dann ggf. nochmals 1.000 – 2.000 abziehen. Ich weiß es nicht… Gestehen wir der IDM in Schleiz einfach 12.000 zahlende Zuschauer zu, die auch alle ein Wochenendticket für ca. 20 EUR (netto und etwas „Gebühr“ abgezogen) erworben bzw. bezahlt haben. Hockenheim kommt evtl. noch auf 6.000 Zuschauer „real“, die anderen 4 IDM Rennen dürften – realistisch betrachtet – wohl im Schnitt von gerade einmal 1.000 – 2.000 Zuschauern (maximal) verfolgt worden sein.

24.000 zahlende Zuschauer pro Saison wären dann aber immerhin nochmals gut für 480.000 EUR auf der „Haben-Seite“.

Für die IDM Saison 2016 ergibt dies insgesamt ca. 1,230 Mio. EUR auf der Haben-, und die bekannten 1,350 Mio. EUR auf der Soll-Seite.

Ein Fehlbetrag („Verlust“) also von ca. 120.000 EUR – und damit liege ich recht exakt auf der Summe, die als „private Eigenleistung“ in 2016 von den drei Geschäftsführern der Motor Events HMP GmbH erbracht wurde, wie der Presse zu entnehmen war.
Da aber sowohl Sponsorengelder wie Zuschauereinnahmen nur „gemutmaßt“ werden können, würde ich ± 50.000 EUR in die ein oder andere Richtung nicht ausschließen wollen. Am Ende passt es allerdings erstaunlich gut…

Und 2017?

Weniger Sponsoren, ähnlich „viele“ Zuschauer – aber dennoch deutlich mehr Geld!

Natürlich bekommt man auch in 2017 keine der o.a. „variablen“ Zahlen. Als der IVM bzw. die AG Motorsport aber zur Saison 2017 die IDM übernommen hat, war allen Beteiligten schon klar, dass sie für 2017 das Portemonnaie weiter öffnen werden müssen.
Zu Beginn waren Beträge von ca. 100-150.000 EUR pro Hersteller im Gespräch bzw. in Umlauf.

Da man aber – anders als Motor Events – für Ausrichtung, Werbung usw. einen externen Dienstleister beauftragen musste, wurden die Kosten auch entsprechend höher. Mittlerweile sind Summen von 200-225.000 EUR pro Hersteller für die Saison 2017 in der Presse zu lesen.

Ob die Fünf aber wirklich derart tief ins Marketingbudget gegriffen haben, wage ich zu bezweifeln.

Zumindest bei Honda & Kawasaki wäre dies – aus meiner Sicht – völlig außerhalb eines halbwegs vertretbaren Rahmens, bei gerade einmal 2 bzw. 8 in der IDM fahrenden Motorrädern. Auch für BMW geht die Rechnung – mit 11 Bikes in der IDM Superbike 1000 – nur dann halbwegs auf, wenn man als erfolgreichster Hersteller Deutschlands eben den Deutschen Motorsport „werkseitig“ unterstützen möchte und in der Marketingabteilung auch bedenkt, das die S1000RR zu einem der meistverkauften und erfolgreichsten Superbikes in den STK-Klassen weltweit zählt – ohne, dass man sich „werkseitig“ irgendwo im Motorsport als offizielles BMW-Werksteam engagieren würde.

Für Yamaha und Suzuki sieht die Rechnung dagegen etwas besser aus. Denn durch ihre Markenpokale und die Dominanz der Yamaha R-Serie in der 300er und 600er Klasse, kommen diese Hersteller wenigstens auf über 60 „aktive“ Motorräder in der IDM 2017 – auch wenn das dann immer noch über 3.000 EUR „Sponsoringsumme“ pro eingesetzter Maschine sind.

Neben den fünf großen Herstellern finden sich auf der neuen IDM „Webseite“ noch 10 weitere Firmenlogos. Die dürften bei den bekannten 5.000 EUR pro Jahr geblieben sein. Den Herstellern würde ich hingegen ca. 175.000 EUR im Mittel als Sponsorsumme zusprechen.

Somit müsste der Sponsoren-Pool in 2017 mit ca. 925.000 EUR deutlich über den 250.000 EUR aus 2016 gelegen haben.

Im Vergleich zu 2016 ergibt das dann auch ein Plus von ca. 575.000 EUR, die als Honorar bzw. Marketingbudget an den Ausrichter & Promoter, in die Produktion des Video-Content, in die Sprecher & Moderatoren, in Programmhefte, Plakate und in mehrere ganzseitige Anzeigen in den MPS Print-Titeln (u.a. Auto Motor Sport, Motorrad, PS u.a.) geflossen sein dürften…

Diese Summe ist nicht einmal sonderlich übertrieben bzw. es ist völlig legitim, dass ein Dienstleister sein Personal und seine Arbeit auch zu üblichen Konditionen honoriert bekommt. Ob die gewählten Werbemittel (wie z.B. die Anzeigenwerbung) in Zeiten von Social-Media und gezielter Internetwerbung auch bei Google & Co.,  im Verhältnis zu ihrem hohen Preis noch sinnvoll sind bzw. waren, würde ich allerdings in Frage stellen.

Letztlich ist aber auch das egal, so ehrlich muss man sein. Hätte die IDM pro Rennen 10-15.000 Zuschauer (wie es der Sport und die Qualität tatsächlich verdient), dann wäre das Budget auch passend und man könnte ggf. den Fahrern sogar die Startgebühren erlassen.
Andererseits reden wir hier über „nicht einmal“ 2 Millionen Euro pro Jahr, für eine – sportlich bzw. leistungsmäßig – hervorragende Motorrad-Rennserie. Ein Schnäppchen, wenn man es mit den Kosten in der MotoGP vergleicht.

Oder noch deutlicher ausgedrückt:

Ein Neymar (Ablösesumme) = 111 Jahre IDM ohne Verluste & Startgebühren

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

4 Kommentare

  • Um die Kosten mal in eine andere Relation zu setzen.
    Wenn die IDM Ihre TV-Rechte für 0,1% der Bundesliga-Kosten verkaufen könnte, wäre sie alle Sorgen los. Laut RP Online sind es für die Saison 17/18: “ Rechtepreis: 1,159 Milliarden (Auslandsvermarktung könnte das Ergebnis im Schnitt auf über 1,5 Milliarden Euro erhöhen)“
    0,1% davon sind 1,159 Millionen (1,5 Mio mit Auslandsvermarktung).
    Was bezahlt die ARD eigentlich für die DTM?

    • Schönes Beispiel – bei 0,2% wäre sie „sorgenfrei“, denn 2 Mio. sollten es eben pro Jahr schon sein. Aber auch 0,1% wären natürlich hilfreich.
      Das Problem ist nur: Will die IDM ins TV, muss sie den Anbieter bezahlen – nicht umgekehrt.

      TV-Rechte unterliegen der „Nachfrage“ und des Refinanzierungspotenzial – bei der BL fließen solche Summen, weil man während der Übertragungen TV-Spots teurer verkaufen kann und es auch genug Menschen gibt, die sich die komplette Saison eben über Pay-TV Geld kosten lassen. Daran ist bei der IDM – wie auch bei vielen, vielen anderen Rennsportserien – nicht zu denken…

      ADAC / SRM bezahlen ja auch 4 Mio. Euro für die Rechte der Austragung des Deutschland GP an die Dorna – die IDM bezahlt teures Geld an die Rennstreckenbetreiber, um dort überhaupt fahren zu dürfen… Wobei ich mir sicher bin: Würde die IDM >15.000 Zuschauer pro Tag locken, kommen wieder die veranstaltenden ADAC Ortsclubs oder eben die Rennstreckenbetreiber und wollen an die Einnahmen ran. Gier kennt keine Grenzen – auch wenn alle immer so „betroffen“ tun, wenn die Serie zum x.-Mal vor dem „Aus“ steht.
      War übrigens bei der ProSuperbike damals nicht anders. Just als die alten Promoter die Serie mit viel Engagement und Investment aufgebaut hatten, als zum ersten Mal echte Gewinne flossen, kam der DMSB auf die Idee: Och, das können wir auch selber und verdienen dann dran.

      Daher geht eigentlich nur ein Modell wie BSB: Weg von allen Verbänden/Vereinen, Rechte & Titel auslösen, mit Fahrern & Teams zusammenarbeiten und keinem anderen „Einfluss“ ermöglichen. Das Problem: Versuch mal eine Rennstrecke in D zu mieten, wenn es der ADAC nicht will… (siehe IDM in Oschersleben 2016 – nein!)

  • Sehr gut recherchiert!
    Die Kalulation für 2017 hab ich jetzt gerade nicht wirklich überrissen!?
    2017 ein + gemacht, aber die Serie trotzdem eingestellt?

    • Hallo Manuel,

      in 2017 wurde kein „Plus“ gemacht (also Gewinn eingefahren o.ä.), die Hersteller bzw. die AG Motorsport des IVM hat in 2017 einfach massiv Sponsorgelder in die IDM investiert, die dann eben als Honorar an das Motorrad action-Team (als externer Dienstleister für die Ausrichtung / Berichterstattung / Promotion) sowie in die Kosten der Werbung (u.a. Erstellung, Druck usw. von Programmflyern, 500.000 Beileger zu Beginn der Saison in Printtiteln der MotorPresse, ganzseitigen Anzeigen, dem Videoteam, den Moderatoren, Bühne/Technik im Fahrerlager für Siegerehrung usw.) geflossen ist.

      Die Veranstaltungen selber haben – bis auf Schleiz evtl. – alle wieder Verlust eingefahren, eben weil trotz der Maßnahmen nicht ausreichend Zuschauer kamen.

      Das war also „nur“ das Geld, was für die IDM 2017 als Budget zur Verfügung stand. Die Kohle ist weg / ausgegeben, und der Verlust der einzelnen Events wird wohl auch noch vom IVM / den fünf Herstellern getragen. Aber an die Zahlen ist kein rankommen – das ist Verschlusssache…

      Die alten Promoter & Ausrichter (2013-2016) hatten schon, mit dem Ihnen zur Verfügung stehenden Budget, ein Minus rein bei der Ausrichtung der IDM.
      Die von ihnen geleistete Promotionarbeit und Werbung, wäre noch „on Top“ als Verlust zu sehen. Da das aber „Inhouse“ ablief, eher „ehrenamtlich“ gemacht wurde und mir dazu keinerlei Daten bzw. Infos vorliegen, konnte ich hier keine Summe beisteuern.

      Hier geht es ja um das, zur Verfügung stehende Budget der IDM und um die Kosten. Sponsorgelder sind aber keine „Einnahmen“, sondern eben Sponsoring, welches sich auf lange Sicht – für die Sponsoren – nur dann rechnet, wenn auch deren Produktabsatz entsprechend angekurbelt wird. „Gewinn“ kann eine Serie wie die IDM nur dann erwirtschaften, wenn die Ausgaben (Strecke, Werbung usw.) durch reale Einnahmen (Zuschauertickets) gedeckt oder übertroffen werden…

      Hoffe, dass macht es etwas „verständlicher“!?

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