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IDM Rettung – wo liegen Probleme & Chancen? Teil 2: Wünsche und Ansprüche

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Der Saisonauftakt 2017 am Nürburgring als "symbolisches" Bild, für die "im Regen stehende" IDM 2018... | © Andreas Weinand // www.aow-fotografie.de

In den letzten Wochen habe ich mich durch unzählige Foren, Social-Media Seiten, Artikel und auch die Kommentarspalten diverser Online-Medien gelesen, um das „Lage- und Stimmungsbild“ vor und nach der IDM Absage durch die AG Motorsport im IVM e.V. für mich halbwegs „klar“ zu bekommen. Ein großes Problem „der IDM“ ist mir dabei auch vermehrt begegnet bzw. aufgefallen…

Neben all dem – durchaus verständlichen – Frust, der sowohl bei Fahrern, Teams, Fans, Journalistenkollegen und auch ehemaligen IDM-Teilnehmern herrscht, kann man aus den vielfältigen Kommentaren auch viel an „Wünschen“, „Vorstellungen“ und „Kritik“ an der bisherigen IDM bzw. „vermeintlich einfachen Rettungsvorschlägen“ für die künftige IDM ablesen. Witzig – oder eher traurig eigentlich – wer und wie viele sich jetzt, wo die Serie wirklich vor dem Abgrund steht, auf einmal zu Wort melden, die in den letzten 4-5 Jahren so gar nix mit der IDM zu tun haben wollten…

Wenn man sich all das mal nach den jeweiligen „Gruppen“ sortiert, die wichtigsten Punkte vergleicht, dann erkennt man ein Problem – welches übrigens nicht nur für die IDM, den Motorsport allgemein, sondern auch für viele Bereiche unserer modernen Gesellschaft bzw. der Politik gilt:
Viele Wünsche und Wunschvorstellungen, oftmals vermeintlich „einfache“ Problemlösungen und – in Summe – wenig bis kaum Ahnung davon, was die Durchführung, Ausrichtung, Bewerbung und Vermarktung einer solchen Serie wirklich an Arbeit macht und mit welchen Rahmenbedingungen man heutzutage auch umzugehen bzw. zu kämpfen hat.

Aber der Reihe nach…

Was wollen die Fahrer und Teams, die aktuell in der IDM aktiv sind?

Eigentlich muss man sagen, dass Fahrer & Teams die mit Abstand geringsten „Forderungen“ an ihre IDM stellen. Es gab eh bisher, was mich dann wieder erstaunt, wenig „Regung“ in deren online Kanälen nach der Absage für 2018. So, als wäre es „wie jedes Jahr“ (zumindest in den letzten 3 Jahren): eben zum Saisonende wieder „IDM in Gefahr“, irgendwann um Weihnachten wird schon jemand „ok, wir machen es trotzdem“ schreiben und wenn im Februar Termine da wären, dann wäre es ja sogar früher als in diesem Jahr…
Offen gestanden: Die „Hoffnung“ bzw. den „Optimismus“ kann ich nicht wirklich teilen. Wenn mit den Herstellern die Firmen aussteigen, die auch vor 2017 schon einen Großteil der Show bezahlt haben, dann wird es mehr als eng!

Aber zurück zu den „Wünschen“ der Teams. Sie wünschen sich gute Organisation, vernünftige Zeitpläne mit ausreichend Trainingszeiten, einen guten Terminkalender, der mit ihren anderen Einsätzen z.B. in der FIM EWC oder möglichen Wildcard-Einsätzen in EM und WM nicht kollidiert und der auch gern mehr als nur 6 Termine umfassen darf (ca. 8-9 wäre wohl ein gutes Maß).

Natürlich wünschen sie sich auch eine gute Vermarktung der Serie, aber hier scheint entweder der Qualitätsanspruch oder – was nicht schlimm wäre – auch die schiere „Kenntnis“ um moderne und umfassende Marketingmöglichkeiten nicht all zu hoch. Planungssicherheit wäre für Teams und Fahrer ganz sicher auch noch ganz oben auf der Wunschliste aufzuführen – aber das Thema hatte sich in den letzten 3 Jahren ja schon erledigt, wenn man ehrlich ist.
Dass man den eigenen Sponsoren und Fans etwas bieten möchte, ist auch normal. Hier zählen dann aber eben deren individuellen Wünsche.

Was wollen die Sponsoren?

Egal ob kleiner Sponsor eines Privatfahrers, großer Sponsor eines der Top-Teams oder Marken- bzw. Hersteller-Sponsor der „Serie“ und damit des Ausrichters: Sponsoren brauchen und wollen „Aufmerksamkeit“ und „Reichweite“, damit ihr Sponsoring sich halbwegs wieder auszahlen kann – sei es durch Mehrabsatz oder durch Imagegewinn.
Wenn jemand Geld gibt, und ihm von vornherein klar ist, das dieses finanzielle Engagement keinen positiven Einfluss auf sein Geschäft hat, dann nennt man das „Gönner“, „Förderer“ oder „Mäzen“ – nur davon gibt es in Deutschland, insbesondere im Motorrad-Rennsport, leider nur noch sehr, sehr, sehr wenige…

Aufmerksamkeit und Reichweite sind aber zwei Dinge, die die IDM – trotz massivem finanziellen Einsatz der Hersteller in diesem Jahr – auch in 2017 nicht generieren konnte. Aus meiner Sicht gibt es hierfür diverse Gründe, ein paar durchaus „selbstverschuldet“ durch – imho – schlechtes Marketing, andere hingegen lassen sich auch mit allem Geld der Welt und weder durch Ausrichter, Promoter noch durch die Sportler selber beeinflussen.
Zwei davon sind „massive gesellschaftliche Veränderungen“ (abnehmendes Interesse am Motorsport generell, ökologische und ökonomische Veränderungen, starke staatliche Einschränkungen – die aber meist auf „Anwohnerklagen“ o.ä. basieren) und ein „massiv verändertes Medien- und Freizeitverhalten“. Letzteres spiegelt sich dann auch u.a. in den geäußerten Wünschen der Fans & Zuschauer wieder.

Was wollen die Motorrad-Hersteller?

Eigentlich sind die Hersteller ein „organischer“ Bestandteil der normalen Sponsoren. Insofern sind alle dort genannten Wünsche auch Bestandteil der Hersteller-Wunschliste. Allerdings haben die Motorrad-Hersteller – als unmittelbare und auch direkt „erkennbare“ Konkurrenten auf der Strecke – auch noch einen Wunsch an die „Präsentation“ ihrer Modelle: Sie sollen erfolgreich und möglichst siegreich sein. Denn wenn es um den sportlichen Teil der Serie geht, ist es wie überall im Sport: der Zweite ist der erste Verlierer!
Dies überträgt sich natürlich auch 1:1 auf die Quantität der Berichterstattung in den letzten verbliebenen Medien, sofern sie eben über den Sport in der IDM berichten und weniger mit Hintergrundartikeln und -features aufwarten. Hier muss man auch keine Medienschelte betreiben, unsere Gesellschaft – und damit das Interesse – ist so! Nach den Top10 spätestens (eher noch deutlich früher) hört man auch von Fans eher abfällige Bemerkungen zu Motorrad und/oder Fahrer (siehe all die Diskussionen um einen Stefan Bradl), obwohl selbst Platz 30 in der IDM SBK auf der Rennstrecke um jeden „Fan“ Kreise fahren könnte und immer noch das Ziel als Erster sehen würde.

Wenn man über „Rahmenprogramm“ spricht, dann haben die Hersteller natürlich auch ein gewichtiges Interesse daran, hier ggf. eigene Markencups zu platzieren, die vom vermeintlichen „Interesse“ an Deutschlands höchster Rennserie profitieren und in denen sie eben keine „Fremdmarken-Konkurrenz“ zu fürchten brauchen. Man munkelt auch, dass das ein oder andere „Elektronikproblem“ letztlich doch ein kaputtes Motorteil war – aber fehlerhafte Elektronik kennt jeder vom heimischen PC, da ist das Verständnis deutlich höher als wenn man offen sagt: die Kiste ist uns verreckt weil Teil XYZ den hohen Anforderungen im Rennbetrieb nicht standgehalten hat. 😉
Eine prominente Plattform zur Präsentation der eigenen Produkte ist natürlich auch gern genommen – aber die nützt dummerweise auch nix, wenn niemand zu den Rennen kommt. Aber „Aufmerksamkeit“ und „Reichweite“ hatten wir ja schon…

Was will ein potenzieller Ausrichter & Promoter?

Zunächst einmal ein „Vorwort“: Meiner Meinung nach sollten – sofern irgend möglich – Ausrichter & Promoter ein und dieselbe „Person“ bzw. Firma sein! Teilt man dies auch noch auf, dann werden Synergieeffekte nicht genutzt, man braucht mehr Personal und erzeugt allein dadurch schon mehr Kosten. Der Ausrichter & Promoter muss dabei ein echtes und umfassendes Gesamtkonzept verfolgen, mit dem er seine Wünsche und Interessen (meist finanzieller Natur) bestmöglich erfüllt bekommt.

Wenn ich hier von „finanziellen Interessen“ spreche, dann hat dies – warum auch immer – in unserer Gesellschaft und besonders in unserem Sport direkt etwas leicht Anrüchiges oder gar Negatives an sich haften. Dies ist aber fundamental falsch!

Als Ausrichter MUSS ich das Interesse und Bestreben haben, die IDM als Serie jederzeit verlustfrei und möglichst gar mit ordentlichem Gewinn betreiben zu können. Je mehr Gewinn ich mache, desto mehr Geld ist für „sinnvolle“ Dinge da (Werbung, Preisgelder, kostenpflichtige Show-Acts usw.)! Lediglich wenn Ausrichter & Promoter sich die Kohle mit der Schubkarre über Maß in die eigenen Geldspeicher fahren, und damit aus der Serie rausziehen, dann wird es schädlich für die Serie.
Gute Arbeit hingegen muss auch gut vergütet werden, denn sonst findet man keine qualifizierten und motivierten Menschen, die diese Arbeit professionell erledigen.

Der Promoter braucht – neben dem Geld für das Honorar für seine Mitarbeiter – auch noch ein Budget für die Vermarktung der Serie. Und wir sprechen hier nicht von 10 x 150 EUR für einen gesponserten Post auf Facebook, wir reden über ein vernünftiges Werbebudget für Print, Online und ggf. „Bewegtbild“ – und somit auch bei der IDM locker von 350 – 500.000 EUR pro Jahr. Je mehr da ist, desto mehr kann man machen und bewegen!
So einfach ist das…

Dieses Geld muss aber als verlässliches Budget vorhanden sein. Und da ergibt sich ein Problem der IDM der letzten Jahre: Die ewige „Ungewissheit“, wie es denn weitergehen kann, nimmt jedem Ausrichter und Promoter im Vorfeld die Sicherheit, mit welchem Budget er überhaupt rechnen kann. Teilnehmerzahlen, Anzahl der Sponsoren sowie die Höhe deren Sponsoring-Zahlungen, Zuschauerzahlen uvm. waren in den letzten Jahren nie wirklich kalkulier- oder gar planbar.

Was wollen Fans & Zuschauer?

Hier wird es wirklich kompliziert und eher „hypothetisch“, denn bei all meiner Recherche und den gelesenen Kommentaren & Posts, konnte ich keinen eindeutigen „Wunsch“ erkennen – außer vielleicht das „eierlegende Wollmilchsau Motorsport-Event mit Messe und Festival Charakter“…

Ich muss offen gestehen, dass ich die sogenannten (oder oftmals eher „selbsternannten“) Fans unseres Sports spätestens seit dem „Sepang-Clash“ eh kaum mehr verstehe. Derart viel Hass, Polemik und Wut, gepaart mit absoluter Ignoranz und Unwissen um den Sport und auch die physikalischen Gesetze, die mit ihm einhergehen, hatte ich bisher nur Fußball-Hooligans zugeschrieben. Aber sei’s drum – letztlich sind auch Fans nur das statistische Abbild unserer Gesellschaft. Und wie bei allen Dingen schreien und grölen die am lautesten, die meist die wenigste Ahnung haben. Ein Problem unserer modernen „Mediengesellschaft“ und speziell der Sozialen Netzwerke…

Aber nehme ich die sinnvollen und wohl bedachten Aussagen, dann gibt es die unterschiedlichsten Vorschläge von „nur 3-4 IDM Klassen und mehr Alternativprogramm auch Abseits der Piste“ über „dieses Jahr war alles ok so auf und neben der Piste“ bis „mehr Vielfalt im Rahmenprogramm (Classic SBK, 2-Takter, Moto-E im Hinblick auf die Zukunft – wobei sich die leisen e-Motorräder die Hardcore-Fans dann wiederum absolut NICHT wünschen…) und mehr Animation nach dem Renntag mit Live-Konzerten, Bierzelt usw.“…
Hier müsste man mal „aufklären“ bzw. hier zeigt sich einfach wieder ein Problem. Die IDM ist die höchste Deutsche Motorrad-Rennserie, sprich Sport. Wer kein Interesse an dem Sport hat, sich also nicht mit „Rennaction“ für kleines Eintrittsgeld begnügen kann oder will, der wird als Zuschauer langfristig im halbwegs professionellen Rennsport auch keine Freude haben. IDM (und jede andere Motorsportserie auch!) ist kein Wochenendurlaub mit „all-inclusvie Bändchen“ und 24h Animation!

Die Macher der IDM haben gar keinen Einfluss darauf, was man – auf den teuer angemieteten Rennstrecken – außerhalb der offiziell zulässigen Lärm- bzw. Fahrzeiten noch machen kann. In Zolder (nur ein Beispiel…) ist es offiziell sogar vor & nach den genehmigten Lärmzeiten (und die werden eben für die Rennstrecken-Action genutzt) verboten, mit einem Motor-Scooter durch das Fahrerlager zu fahren (bei drakonischen Strafandrohungen!). Ein „Open-Air“ Konzert zur abendlichen Unterhaltung scheidet also völlig aus – wie auch „lärmende“ und feiernde Fans im direkten Umfeld der Strecke.

Auch der hier wohl als „Muster“ dienende Deutschland GP auf dem Sachsenring wird als reine Sportveranstaltung und OHNE Feiern / Konzerte usw. seitens der Dorna, des ADAC und der örtlichen Motorsport-Clubs ausgetragen.
Dass dort der clevere Ankerberg-Betreiber parallel zum GP ein „Ankerberg Musik-Festival“ erdacht hat, welches er auch selbständig organisieren, finanzieren und – vor allem – genehmigen lassen muss, hat mit der MotoGP bzw. der „Serie“ der Dorna nix zu tun. Es bringt auch – und das ist dann wieder ein Problem – den Betreibern des SaRi bzw. der SRM keinerlei Geld ein. Ca. 25-30% der dortigen Gäste haben nicht einmal eine Eintrittskarte für den GP – er interessiert sie schlicht nicht…
Was dem SaRi „blühen“ könnte, wenn dieser Betreiber irgendwann genug verdient oder keine Lust mehr hat, zeigt das Beispiel Schleizer Dreieck. Der „aktivste“ Gegner und Kläger hat zu früheren Zeiten mit dem Verkauf von Rostern (für uns Wessis: Thüringer Rostbratwürste) ein kleines Vermögen verdient. Jetzt reicht die Kohle und die Rente ist durch, da kommt das Bedürfnis nach „mehr Ruhe“ – und somit auch das fast Aus für das Schleizer Dreieck als Naturrennstrecke.

Auch Themen wie „Gastronomie“ und „Camping“ an bzw. im Umfeld der Rennstrecken sind von den Machern der IDM nicht beeinflussbar! Die drei letzten, verbliebenen pemanenten Rennstrecken in Deutschland (Nürburgring, Hockenheimring und Oschersleben) haben feste Verträge mit Gastronomiebetrieben auf ihren Grundstücken. Man kann – auch gegen Geld – hier nicht einfach eine eigene Getränke- oder Würstchenbude aufbauen! „Campingplätze“ gibt es meist nur zu wirklichen Großevents (eben abhängig von der Zahl der zu erwartenden Zuschauer) oder, wie am Nürburgring, als privat betriebenen Platz im direkten Umfeld. Weder auf Öffnungszeiten, Preise noch auf „Qualität“ oder gar „Abendprogramm“ dort hat bzw. kann ein IDM Macher Einfluss nehmen. Am NbR kostet die Übernachtung im Zelt pro Person ja mittlerweile mehr als die Tageskarte der IDM…
Natürlich hat „die IDM“ auch keinen Einfluss darauf, welche „Vorschriften“ der jeweilige Platzbetreiber hinsichtlich Getränken, Lagerfeuer, Lärm usw. macht – auch das ist etwas, was gern mal als Kritik gegenüber „der IDM“ geäußert wird, obwohl eben gar nicht von den Machern zu beeinflussen!

Und sonst so? Was gibt es noch an „Wünschen“ an die IDM?

Von „Nachwuchsförderung“ über „gesicherte Aufstiegsperspektiven in EM / WM“ bis zum ewigen Thema „TV- oder Internetübertragungen“ könnte man hier noch einen bunten Strauß aus der unendlich erscheinenden Wunschliste an die IDM basteln.

Was das Thema Nachwuchsförderung (in D) angeht, haben die IDM Macher auch kein „Mitspracherecht“. Die Hoheit hier liegt beim DMSB, die „Filetstücke“ (mit Fördergeldern von FIM und/oder Dorna) hat sich der ADAC aus der „alten“ und „früher war alles besser™“ IDM herausgeschnitten.
Der hat auch KEINERLEI Interesse daran, diese wieder unter dem Dach der IDM auszurichten und damit sowohl Nachwuchsklassen wie -fördergelder in die IDM zurück zu bringen.
Und solange es von Seiten des DMSB und der Aktiven da keinen Aufstand gibt, ist das Thema für die IDM durch. <- Punkt!

Man muss aber auch anerkennen, dass der „echte“ Nachwuchs (und das sind die Piloten von 5/6 – 14/15) mit Pocket-, Mini-Bike, Junior Cup und NEC Moto 3 unter dem Dach des ADAC ihre Nachwuchsjahre halbwegs durchgehend planen könn(t)en. Dass dabei auch viele Fahrer – mangels finanziellen Möglichkeiten oder auch mangels Talent – irgendwann durch den Rost fallen, ist nun einmal Bestandteil des Sports.
Es ist hart, aber so ist es nun einmal! Die oftmals kolportierten Fördergelder der FIM (angeblich 125.000 Dollar / Jahr) sind ein Tröpfchen auf den heißen Stein und z.B. über subventionierte Nenn- und Startgebühren in all den Klassen sehr, sehr schnell ausgegeben.

Dass eine nationale Serie „Aufstiegsperspektiven“ in EM oder WM bieten soll – am liebsten noch mit Fördergeldern für den Einstieg dort – ist auch illusorisch. Es gibt in diesem Sport keine Garantien – und zwar unabhängig vom Talent oder den finanziellen Möglichkeiten. Als absolute Niete kann ich mich auch mit ganz viel Geld nicht „einkaufen“ – zumindest nicht in die WM-Serien, bei denen die Dorna als Ausrichter und Vermarkter halbwegs auch auf die Qualität der teilnehmenden Teams & Fahrer achtet.
Umgekehrt bringt mir auch das größte Talent nichts, wenn ich nicht in der Lage bin die finanziellen Mittel aus eigener Tasche oder über Sponsoren aufzubringen. Die „Mär“ der gut bezahlten Rennfahrer ist eben nichts anderes als eine Illusion!

Natürlich gibt es die paar Top-Verdiener, die in echten Werksteams mit Millionenbeträgen honoriert werden. Aber bis in die MotoGP gibt es eben – weil auch gute Teams aus der WM weltweit mit den Problemen zu kämpfen haben, die wir immer gern „nur bei uns in Deutschland“ sehen wollen – die sogenannten „paid rides“ für „pay riders“ – sprich die Startplätze / Motorräder in all den Satelliten- und Privatteams, bei denen der Fahrer Geld mitbringen muss, um fahren zu dürfen.

Wie also könnte „die IDM“ hier Garantien bieten? Noch dazu, wo wir in Spanien und Italien eben mit einer ganz anderen Konkurrenz zu kämpfen haben, wo durch „viel mehr Masse an Fahrern“ eben in der Spitze nicht 1-2 wirklich gute Piloten aus einem Jahrgang kommen, sondern 10-15. Und gegen die alle muss sich der eine deutsche Fahrer erst einmal durchsetzen können, wenn es um 2-3 frei werdende Plätze in der nächst höheren Aufstiegsklasse geht.

Ein ähnliches bzw. vergleichbares „Missverständnis“ kommt auch beim Thema TV- bzw. Internetübertragungen zum Vorschein. Schließlich kann man doch „Fernsehrechte“ verkaufen – kennt & hört man ja aus Fußball und MotoGP!
Nein, kann man nicht!
Wenn am Produkt IDM kein Zuschauerinteresse besteht, dann geben auch die Medien (allen voran die TV-Sender, aber durchaus auch Print-Medien) kein Geld für die Berichterstattung aus. Nicht umsonst war die IDM, über die letzten Jahre, selbst in großen Print- und Online-Titeln unserer nationalen Motorrad-Medien kaum als Thema (objektiv, umfassend und professionell) vorhanden. Man hat damit kein Geld verdient – und daher auch keine Redakteure oder Fotografen zu den Rennen geschickt…

TV / Streaming kostet aber massiv Geld, denn man braucht an Rennstrecken richtig viel Technik & Personal wenn man denn auch etwas Qualität bieten möchte. Und „Einnahmen“ generiert man damit nicht, denn die „Fans“ wollen ja selbst die MotoGP am liebsten nur für „lau“. Bei der IDM wird es da noch schlimmer. Insofern ist das Thema mit Kosten, sehr hohen Kosten auf Seiten der IDM verbunden – und das am Ende für ein paar Zuschauer…
Ein absolutes No-Go derzeit!

Und jetzt? Ein „Fazit“?

Es gibt noch vieles mehr, was der IDM derzeit und auch künftig Probleme bereitet. Insofern kann und möchte ich hier auch weder ein Fazit noch eine der vielen, vermeintlich einfachen Lösungen präsentieren. Es gibt sie nicht!
Was die Wünsche aber angeht, die zum Teil eben gegensätzliche Handlungsweisen bzw. Konzepte benötigen würden, muss ich eines feststellen: Wenn es an dem Sport – pur und ohne Schnick-Schnack – kein Interesse mehr gibt, wird es die IDM (und jede andere Serie auch) langfristig nicht mehr geben können.

Die zwei „wichtigsten“ Gruppen – Sponsoren & Ausrichter/Promoter – benötigen dieses Interesse, um die Finanzierung des Sports (und auch der Fahrer / Teams) aufrecht erhalten zu können. Selbst eine nur über die Fahrer & Teams refinanzierte IDM hat keine Chance auf Erfolg! Wenn der Sport nur noch für die Sportler stattfindet, ist er mittel- oder sogar kurzfristig zum Tode verurteilt.
Leistungssport – und nicht anderes ist die IDM in den hohen Klassen – braucht Professionalität. Und Professionalität kostet Geld, im Motorsport sogar richtig viel Geld…

Und ihr so?

Neben Kommentaren oder Anregungen zu meinem Artikel würde ich mich natürlich sehr freuen, wenn ihr hier in den Kommentaren mal eure individuellen Wünsche und Forderungen an eine „IDM 2018“ schreiben würdet. Gern bitte auch mit einer persönlichen „Zuordnung“ zu den hier genannten Gruppen, sprich ob ihr Fahrer, potenzieller Teilnehmer, Team-Chef, Zuschauer, Sponsor o.ä. seid.

Vielleicht gelingt es uns ja, auch für einen potenziellen Ausrichter & Promoter ein paar gute Hinweise für das Konzept 2018 aufzuzeigen…

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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