IDM Superbike

„6 Kilo Gixxer, bitte“ – darf auch ruhig noch etwas mehr sein…

War die IDM Superbike im letzten Jahr – bis auf einen kleinen Gastauftritt von Carl Berthelsen – quasi Suzuki-freie Zone, so sind nach der Rückkehr von HPC-Power Suzuki, Suzuki Mayer und dem Team Suzuki Alber-Bischoff sowie auch dem Aufstieg von Sarah Heide und ihrem Team Suzuki Laux in die höchste Klasse der IDM in diesem Jahr wieder 6 der brandneuen Kilo-Gixxer im Grid zu finden.

Alle Teams hatten – wie auch das HRP-Racing Team mit ihrer Honda Fireblade – das Problem, dass die nagelneuen 2017er Modelle der neuen Superbikes aus den japanischen Werken von Suzuki und Honda erst sehr spät in der Saison (teilweise erst 4 Wochen vor Start der IDM) verfügbar waren. Auch die zugehörigen Kit-Teile, die aus einem Straßenmotorrad am Ende erst ein veritables und – vor allem – auch schlagkräftiges Superbike gemäß dem neuen IDM-Reglement machen, waren oder sind zum Teil noch nicht verfügbar. So dürfte das Ergebnis vom Nürburgring noch kein wirklicher Hinweis auf die Leistungsfähigkeit bzw. das Potenzial der neu entwickelten Superbikes sein, die natürlich klar auf die Dominatoren in der Klasse abzielen, auf die BMW S1000RR und die Yamaha YZF-R1.

Wie ernst es den großen Suzuki-Teams im IDM Feld mit der Attacke ist, erkennt man auch an den verpflichteten Fahrern. HPC-Power Suzuki geht mit Dominic Schmitter (SUI), Vittorio Iannuzzo (ITA) und Carl Berthelsen (NOR) an den Start und stellt damit die größte Flotte an Suzis im Starterfeld. Das Team Suzuki Mayer geht mit dem Vizemeister der Superstock1000*IDM aus 2016 und erfahrenen WM-Pilot Luca Grünwald (GER) ins Rennen. Das Team Suzuki Alber-Bischoff wurde in Ungarn fündig und rekrutierte den jungen Richard „Ricsi“ Bodis (HUN) als Fahrer. Dem Team Suzuki Laux mit Sarah Heide (GER) dient die Saison 2017 eher als „Lehrjahr“ nachdem Sarah in den letzten Jahren ausschließlich die 600er GSX-R in der Supersport Klasse bewegt hat.

Für alle war der IDM Saisonauftakt am Nürburgring nun der erste echte Roll-Out unter scharfen Rennbedingungen und wenn man die eingefahrenen Plätze in den beiden Rennen betrachtet, dann können wir in dieser Saison sicherlich noch einiges von den Suzuki Top-Teams erwarten. Das Team HPC-Power scheint dabei übrigens auf die etwas exklusivere „R“ Version zu setzten, während die anderen Teams die „Standardversion“ der Suzuki GSX-R 1000 einsetzen, die ja auch bereits die ersten Vergleichstest (im Straßentrimm) der Kollegen der Print-Magazine gewinnen konnte.

Die nassen Bedingungen in Rennen 1 waren nicht unbedingt nach dem Geschmack von Luca Grünwald. Auch wenn er in 2016 im Team Freudenberg und auf der dort eingesetzten Yamaha YZF-R1M zumindest das ein oder andere Training mal unter feuchten Bedingungen bestritten hat, so wurde doch kein echtes Wet-Race im letzten Jahr von ihm gefahren. Somit war Rennen 1 am Nürburgring für ihn nicht nur die Premiere in einem komplett neuen Team und auf einem komplett neuen, noch nicht „final“ entwickeltem bzw. abgestimmtem Motorrad, sondern eben auch eine Rennpremiere auf einem 1.000er Superbike im Regen. Am Ende verpasste er mit Platz 17 die Punkteränge, konnte aber wertvolle Erkenntnisse sammeln und brachte sein neues Arbeitsgerät heil wieder in die Box zurück – was nicht jedem gelang. In Rennen 2 konnte er dann aber wieder auf seine Erfahrungswerte aus der Saison 2016 zurück greifen und belegte am Ende – vom 16. Startplatz aus – einen hoffnungsvollen 9. Platz. Besser lief es für die Fahrer vom HPC-Power Team, wo Vittorio Iannuzzo in Rennen 1 einen beachtlichen 6. Platz einfuhr (Platz 12 im 2. Rennen) und Dominic Schmitter in Rennen 2 ebenfalls auf Platz 6 landete (Platz 16 im Regenrennen).

Sarah Heide landete zwar nicht in den Top-20 (was aber auch nicht zu erwarten war), kam in beiden Rennen aber sicher ins Ziel und lieferte sich in dem 35 Starter starken Feld schöne Positionskämpfe mit ihren Konkurrenten um Platz 23-26 – da war das Wochenende für andere, favorisierte Fahrer doch deutlich schlechter. Auch Carl Berthelsen, als dritter Fahrer von HPC, kam um Platz 22-23 ins Ziel. Nicht ganz so gut – oder eher: „schwarzes Wochenende“ – lief es für Richard Bodis, der in beiden Rennen nach frühen Kollisionen in der 1. und 2. Runde leider keine Zielflagge sah und auch keine Rennrunden abspulen konnte. Mit seinem, im Qualifying herausgefahrenen Startplatz 20 in dem großen Starterfeld, hat aber auch er gezeigt, dass man ihm in 2017 durchaus ein Ergebnis in den Punkterängen zutrauen darf. Im „Bauch“ des IDM-Feldes liegen die Zeiten und Leistungen ähnlich nah beieinander wie in der Moto2-WM: 17 Fahrer tummelten sich innerhalb von 2 Sekunden.

Die Teams haben nun knapp 7 Wochen Zeit, ihre gewonnenen Erkenntnisse sowie neue Teile, Elektronik, Fahrwerk usw. zu analysieren bzw. zu optimieren. Bei den meisten stehen vor dem nächsten Lauf der IDM Superbike 1000 vom 7.-9. Juli auf dem Circuit Zolder in Belgien auch noch entsprechende Test- und Rennstreckentermine auf dem Programm.

Freuen wir uns also darauf, die nagelneue Suzuki GSX-R 1000 (R) nicht nur als Cup-Motorrad im spannenden Rahmenprogramm der IDM auf der Strecke zu sehen, sondern – ganz sicher – auch deutlich mehr Markenvielfalt unter den Top-10 und eventuell sogar unter den Top-5 der IDM Superbike 1000 in 2017 zu haben.

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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