IDM Superbike

Bastien Mackels – der mit dem Regen tanzt – Team Yamaha MGM

Mit 31 Jahren zählt Bastien Mackels nicht wirklich zu den jungen Fahrern in der IDM. Aber der smarte und sympathische Belgier blickt dennoch erst auf eine neunjährige Rennkarriere zurück, die ihm diverse Erfolge insbesondere in der Endurance Szene eingebracht hat. Hier hat er wohl auch seine Vorliebe und Fähigkeiten für Regenrennen entwickelt – aber dazu später mehr…

2008 startete Bastien seine Rennkarriere in der Belgischen Endurance Meisterschaft, die er in seinem Premierenjahr direkt mit dem Meistertitel abschließen konnte. Er gewann 3x in Folge die 6h von Spa Francorchamps, konnte Siege bei den 4h und 5.000km von Zolder einfahren sowie die 8h von Oschersleben in der Endurance Weltmeisterschaft gewinnen. Ein Highlight in 2017 war sicherlich auch der 3. Platz in der Stock-Kategorie bei den 24h von Le Mans mit den Team Viltais und seinem Teamkollegen Florian Alt, mit dem er 2017 auch im Team Yamaha MGM in der IDM an den Start geht.

Seine IDM-Karriere startete 2010 in der Supersport*IDM. 2013 konnte er dann im Team Van Zon den Titel in der Superstock1000*IDM einfahren bevor er 2014 im gleichen Team in die höchste Klasse, die Superbike*IDM aufstieg und die Saison mit dem 4. Gesamtplatz abschloss – hinter so illustren Namen wie Xavi Forés, Max Neukirchner und Markus Reiterberger, der damals auch sein Teamkollege war.

Die Saison 2015 war sicherlich seine schwerste bisher in der IDM. Er verletzte sich bei Testfahrten im Vorfeld der IDM in Zolder schwer (Bruch von linkem Ellbogen und Handgelenk) und musste die ersten drei Events bzw. die ersten 6 Rennen auslassen. Bei den Events am Nürburgring und am Hungaroring schied er jeweils im ersten Rennen aus, konnte aber mit Platz 4 und Platz 3 in den zweiten Rennen zeigen, dass er nichts von seinem Tempo verloren hatte. Als es dann nach Schleiz ging folgte in der Superpole der nächste Rückschlag durch einen massiven Highsider, bei dem er sich erneut verletzte und die beiden Rennen in Schleiz dann auch wieder auslassen musste. Bei den letzten vier Rennen (Assen und Hockenheim) gelangen ihm mit 2x P4 und einmal P5 zwar auch wieder tolle Ergebnisse, aber die Saison war natürlich ganz anders gelaufen als sich das der schnelle Belgier im Vorfeld vorgestellt hatte.

2016 war seine Zukunft in der IDM lange Zeit ungewiss. Am Ende konnte Bastien aber beim Team von Benny Wilbers einen Platz ergattern und ging somit im zweiten großen BMW Team innerhalb der IDM in die neue Saison. Musste er sich während der ersten 6 Rennen noch etwas an das neue Team und die „andere“ Wilbers BMW gewöhnen (nur 1x unter den Top 5), so platzte bei seinem Heimrennen in Zolder endlich der Knoten und er fuhr 2x mit Platz 3 auf das Podium. Auf dem Schleizer Dreieck gelang ihm dann – nach Platz 5 im ersten Rennen – sein bestes Saisonergebnis in 2016 mit dem 2. Platz im 2. Rennen. Beim anschließenden Event in Assen fuhr er mit P3 und P4 ebenfalls ein tolles Ergebnis ein.

Und dann kam, was ihm den Titel „Regengott“ bei mir eingebracht hat… Beim gemeinsamen Event der IDM mit der World-SBK am Lausitzring fuhr Bastien Mackels im nassen Qualifying der IDM eine sensationelle Runde – stieg danach aber unsanft von seiner Wilbers BMW ab und brachte die Maschine mit heftig verformter linker Verkleidungsseite und leicht angeschliffenen Fußrasten in den Parc-Fermé. Anschließend waren dann die Jungs aus der Superbike-Weltmeisterschaft mit ihrem Qualifying dran – auf schon leicht abtrocknender Piste und ohne weiteren Regen – und Bastiens gefahrene IDM-Zeit war so gut, dass er dort als 3. (Dritter !!!) im Grid gestanden hätte.

Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten – und das sind bei ihm oftmals diese extremen Ritte auf der Rasierklinge, bei denen zwischen Genie & Wahnsinn bzw. Sieg & Sturz eben nur Millimeter – sei es an Schräglage, Bremspunkt oder einfach Linienwahl – liegen können. Einmal mehr, als die bei ihm üblichen 100% gegeben, und man liegt auf dem Hosenboden. So auch – leider – beim diesjährigen Saisonauftakt am Nürburgring geschehen.

Während der freien Trainings zeigten Bastien Mackels und Florian Alt, dass die Yamaha YZF-R1M auch in 2017 mit den BMWs und dem favorisierten Markus Reiterberger sowie dem „Geheimfavoriten“ Danny de Boer durchaus mithalten können. Zwar mit etwas Abstand, aber – auf eine Renndistanz gesehen – immer noch in Schlagweite, waren die Vorzeichen für die Rennen wirklich nicht schlecht, auch wenn beide in der zweiten Startreihe standen, da sich die Van Zon-Remeha-BMW Piloten im Qualifying auf den speziellen Pirelli-Qualyfiern nochmals massiv in der Rundenzeit steigern konnten. Aber eine schnelle Runde auf superklebrigen Reifen ist die eine Sache, eine Renndistanz mit konstant schnellen Rundenzeiten eine ganz andere.

Als es dann nach 2 Runden auch noch zum Abbruch des ersten Rennens aufgrund eines heftigen Schauers kam und der Restart des Rennens auf nasser Piste erfolgte, war klar, dass ab nun Bastien-Wetter bzw. -Verhältnisse herrschen und man ihn ganz oben auf dem Zettel haben sollte – und so kam es dann auch.

Ampel aus, Sprint zur ersten Kurve, Feld in der Mercedes-Arena, raus zur Kurzanbindung und dann in Richtung Coca-Cola Kurve, Bilstein-Kurve und Hatzenbach-Bogen verschwunden… warten… Motorengeräusche zu hören… Bastien kommt als Führender und mit fast 3 (drei!!!) Sekunden Vorsprung aus der ersten Runde zurück. Man hätte ihm zuschreien wollen „Nimm raus Junge, bei Dir reichen auch 95%“ – aber das hätte er wohl nicht gehört. Und so kam, was leider kommen musste: er legte sich zum ersten Mal ab und fiel von P1 auf P12 zurück. Er konnte aber ohne größere Probleme weiterfahren und lag nur wenige Runden später wieder auf P4 im Feld, durch das er durch ging wie das berühmte warme Messer durch die Butter. Als er dann aber Platz 3 vor Augen hatte und wieder eine Schippe nachlegen wollte, war es wieder das Quentchen zu viel an Einsatz und somit der zweite Sturz im Rennen. Dieses Mal allerdings mit etwas mehr Schaden an seiner Yamaha, nämlich einer abgebrochenen Fußraste und auch einem „verkürzten“ Bremshebel. Aber Bastien wäre nicht Bastien, wenn ihn auch das nicht weiter gestört hätte. Die Jungs aus der Endurance-Szene fahren notfalls ja auch auf dem Rahmen sitzend und mit der Hand schaltend ins Ziel. Am Ende reichte es für ihn – man mag es kaum glauben – für Platz 7 im ersten Rennen der Saison 2017.
Was für eine Leistung, was für ein unfassbarer Kampf mit zwei Stürzen bei einem Sprintrennen!

Das zweite Rennen des Sonntags, unter perfekten sonnigen Bedingungen, hätte für ihn auch sehr gut laufen können, denn er lag nach wenigen Runden auf Platz 3 hinter seinem Teamkollegen Florian Alt und die zwei waren auf gutem Podiumskurs hinter einem enteilten Markus Reiterberger. Allerdings kam es anders, denn Flo schmierte in der 9. Runde Ausgangs der Bilstein-Kurve das Hinterrad weg und Bastien konnte zwar seinem Teamkollegen, nicht aber dessen rutschendem Motorrad ausweichen und stürzte hinunter in Richtung Hatzenbach-Bogen. Während Flo seine lädierte Yamaha nochmals aufheben und das Rennen für ein paar Runden fortsetzen konnte, war Bastiens schöne Yamaha leider so stark beschädigt, dass er das Rennen aufgeben musste.

Pech gehabt, Mund abputzen. Das sowohl Flo wie auch Bastien in diesem Jahr in absoluter Schlagdistanz zur Spitze sind, haben die zwei am Nürburgring aufgezeigt. Mit Zolder folgt nun in 7 Wochen das Heimrennen von Bastien. Ein Kurs, den er auch dank seiner vielen, vielen Endurance-Einsätze dort sprichwörtlich aus dem Eff-Eff kennt. Wir hoffen also auf ein Duell auf Augenhöhe – auch wenn Zolder in den letzten Jahren kein gutes Pflaster für die MGM-Truppe war – und ich persönlich drücke Bastien die Daumen, dass sein Sturzkonto nun auch für diese Saison „gefüllt“ ist bzw. er von weiteren Stürzen und Ausrutschern verschont bleibt. Wenn dem so ist, dann kann er am Ende der Saison ganz weit oben in der Meisterschaft stehen. Da, wo er definitiv hingehört!

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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