IDM Superbike

„Das Imperium schlägt zurück“ – BMW Armada dominiert IDM Saisonauftakt 2017

Auch wenn das Fahrer-Quartett des Van Zon-Remeha-BMW Superbike Team in der IDM optisch – mit ihrem hohen Weißanteil an Kombi & Helmen – etwas an die Stormtrooper aus Star Wars erinnert, so möchte man doch Werner Daemen eher mit dem Meister Yoda der IDM und Markus Reiterberger mit seinem jungen „Padawan“ Skywalker vergleichen.

Nein, nicht wegen der „Länge“ vom sympathischen belgischen Team-Chef, aber wegen seiner Größe als Mentor und seinem schier unermesslich wirkenden Know-how und seiner Erfahrung im Rennsport. Er ist es, der seinem jungen Schüler aufzeigt wie er die in ihm befindliche „Macht“ optimal nutzen kann, der ihm den Glauben an sich, seine Fähigkeiten und Kräfte zurück gibt.

Aber genug der Star Wars Analogien – schließlich liegt der offizielle Star Wars-Tag nun auch schon wieder etwas zurück. Genauso wie das erste IDM Wochenende 2017, der offizielle Saisonauftakt am Nürburgring, den es in den nächsten Tagen & Wochen zu verarbeiten und zu analysieren gilt.

Die IDM 2016 endete mit einem beeindruckenden Dreifach-Triumpf von Yamaha-Fahrern in allen Soloklassen – auch wenn viele, eher wohl „unbedarfte“ Beobachter, der Serie seit Jahren einen BMW-Stempel aufdrücken wollen und sie gern abwertend als BMW Markenpokal bezeichnen. Dass es in den letzten 4 Jahren aber mit BMW, Ducati, BMW und Yamaha immerhin 3 unterschiedliche Hersteller gab, die den jeweiligen IDM-Champion stellten, scheint dabei kaum zu interessieren.

Um so gespannter konnte man auf den ersten Schlagabtausch des Jahres 2017 sein. Würde BMW wieder zu Yamaha aufschließen oder gar besser da stehen? Könnten Honda & Suzuki mit ihren neuen Modellen von Kilo-Gixxer und Fireblade an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen? Würde Kawasaki die Dominanz aus der SBK-WM und auch SSP-WM in die IDM transferieren können?

Eines wurde klar: Das Van Zon-Remeha-BMW Superbike Team ist in 2017 so stark und auch homogen besetzt wie wohl noch nie in der Geschichte der IDM. Die BMWs sind mindestens auf Augenhöhe zu den Yamahas (rein was das Motorrad betrifft), die vier Fahrer im Team sind aber derart stark, dass sich die Konkurrenz mächtig strecken und die Motorräder teilweise schon fast „überfahren“ muss, um deren aktuelle Performance erreichen zu können.

Unter trockenen Bedingungen war es stets Markus Reiterberger, der die Bestzeiten setzte. Ihm aber immer dicht im Nacken saß sein Teamkollege Danny de Boer. Konnten in den freien Trainings mit Florian Alt und Bastien Mackels die beiden Yamaha MGM Piloten die Phalanx der BMWs noch etwas mit P3 und P4 durchbrechen, zeigte Jan Bühn dann in den Qualifyings auch wo Bartel den Most holt und schob sich mit seiner BMW auf P3 ins Startgrid.

Die komplette erste Reihe im Grid von Van Zon-Remeha-BMW besetzt – ich kann mich nicht daran erinnern, wann dies zuletzt der Fall war…

Der vierte im Bunde, die „Young Gun“ Arnaud Friedrich, zeigte seine Stärke auch in den freien Trainings auf, bei denen er auf einen fast schon sensationellen 7. Rang im starken und 35 Fahrer umfassenden Feld fuhr. In den beiden Qualifyings hatte er dann etwas mit der nochmals deutlich gesteigerten Pace auf den Pirelli-Qualifyern zu kämpfen. Während sich seine Kollegen teilweise um über 1 Sekunde in der Rundenzeit verbessern konnten, gelang ihm „nur“ eine Steigerung um knapp 0,5 Sekunden, die ihm schließlich Starplatz 13 für die beiden Rennen am Sonntag einbrachte – kein wirklich böses Omen, aber die 13 wird er künftig wohl doch eher vermeiden wollen.

Rennen 1

Rennen 1 startete unter wolkig-sonnigen Bedingungen – und dann kam nur Minuten später das berühmt-berüchtigte Eifelwetter als Akteur und Dramaturg ins Spiel, so dass in Runde 2 aufgrund eines beginnenden heftigen Schauers das Rennen abgebrochen werden musste und alle Fahrer sich in die Boxen flüchteten. Glücklicherweise kamen alle heil und noch halbwegs trocken in die Boxen bevor die Schleusen so richtig geöffnet wurden.

Nach der Sintflut-Pause, Umrüstung der Motorräder auf Regenreifen und der erneuten Einführungsrunde ins Grid wollte dann die BMW von Arnaud nicht mehr wirklich aufzünden. Er wurde vor Start in die Warm-Up Lap in die Box zurück geschoben und musste dann nach dem erfolgten Re-Start dem Feld aus der Boxengasse und als Letzter hinterher hechten.
Am Ende einer phantastischen Aufholjagd unter widrigen Bedingungen hatte er zwar 15 Konkurrenten hinter sich gelassen, wurde auf P20 aber nicht mit Punkten belohnt.

Ganz anders gestaltete sich das Rennen an der Spitze. Hier war der Regengott himself, Bastien Mackels, seinen Verfolgern mit fast 3 Sekunden nach Runde 1 enteilt. Das er dabei aber auf der berühmten Rasierklinge unterwegs war, zeigte sich mit einem ersten Ausflug in den Eifeler-Kies, bei dem er von P1 auf P10 in der 2. Runde zurück fiel. Nach einer weiteren sehr beherzten Aufholjagd lag er in Runde 6 aber schon wieder auf P4 um in Runde 14 erneut seinem Tempo Tribut zollen zu müssen. Am Ende sprang P7 für ihn heraus.

Ganz vorne balgten sich Reiti, Danny de Boer und Florian Alt um die Podestplätze. Danny führte 10 Runden lang das Feld an, wurde in Runde 12 aber von Flo attackiert und überholt. Das ließ der erfahrene Holländer aber nicht auf sich sitzen, studierte Flo und schnappte ihn sich in der Schlussrunde erneut. Auch Reiti konnte – zwischenzeitlich auf P3 zurückgefallen – den Yamaha Piloten aus dem Bergischen Land noch abfangen und so kamen die drei nach einem spannenden und tollen Rennen über die Ziellinie.

P1 Danny de Boer, P2 Markus Reiterberger, P3 Florian Alt – der erste BMW-Doppelsieg des Sonntags.

Rennen 2

Rennen 2 fand bei strahlendem Sonnenschein statt und es wurde eine Demonstrationsfahrt von Markus Reiterberger. Bereits beim Start legte er die ersten Meter zwischen sich und die Konkurrenz. Sein ärgster Widersacher, Danny de Boer, kam nur bis zur Kurzanbindung – dann war sein Rennen in Runde 1 dort nach Sturz zu Ende. Und so konnte Reiti mit starken und sehr konstanten Rundenzeiten einem ungefährdeten Start-/Zielsieg entgegen fahren. Dabei legte er von Beginn an (in der WM lernt man, auch die ersten Runden direkt voll zu attackieren) 1 bis 1,5 Sekunden pro Runde zwischen sich und seine direkten Verfolger, die beiden MGM Piloten Florian Alt und Bastien Mackels. Eine wahrlich mehr als beeindruckende Vorstellung – beim ersten IDM Einsatz der Saison 2017 und nach über einem Jahr „Fahrpause“ auf seiner IDM BMW S1000RR. Scheint wie Radfahren – verlernt man nicht. 😉

Flo bekam dann Grip-Probleme am Hinterrad und rutschte in Runde 9 Ausgangs der Bielstein-Kurve hinunter zum Hatzenbach-Bogen über das wegschmierende Hinterrad aus. Sein direkt hinter ihm fahrender Teamkollege konnte ihm zwar noch ausweichen, erwischte aber das Motorrad von Flo und ging damit auch zu Boden. Bastien auf der linken Seite im Gras, sein Motorrad in der rechten Fahrbahnhälfte auf der Zufahrt zum Hatzenbach-Bogen und gut 25 Konkurrenten, die mit deutlich über 230 km/h an dem Punkt an ihm vorbei ballerten – das Rennen war gelaufen.

Flo konnte seine havarierte Yamaha R1 nochmals aufheben und zu ein paar weiteren Runden überreden. Aber in Runde 14 kam dann auch für ihn das endgültige Aus und er fuhr in die Box.

So war der Weg schon nach Runde 9 frei für die anderen Verfolger im Feld. Jan Bühn, Pepijn Bijsterbosch, Dominik Vincon und Stefan Kerschbaumer hießen die Fahrer, die nun die Top 5 komplettierten und sich um die beiden verbliebenen Podestplätze hinter Reiti streiten sollten. In Runde 16 konnte Domi auf seiner BMW S1000RR vom Team BMW Stilgenbauer dann Pepijn auf seiner Yamaha R1 vom Team SWPN überholen und sicherte sich so den letzten Podestplatz beim Saisonauftakt der IDM auf dem Nürburgring.

Wieder ein Doppelpodium für das „weiße Imperium“ – und noch ein Tripple-Podium für die weiß-blaue Macht aus dem Süden der Republik. Arnaud Friedrich konnte im Rennen von P13 auf seinen ersten Top-10 Platz der Saison vorfahren und holte so weitere Punkte für das Van Zon-Remeha-BMW Team. Was für ein Auftakt vor gut gefüllten Zuschauerrängen und bei bestem Eifelwetter – mit all seinen guten & schlechten Kapriolen.

P1 Markus Reiterberger, P2 Jan Bühn, P3 Dominik Vincon – das erste BMW-Tripplepodium der Saison.

Wenn es tatsächlich noch Überredungskunst für einen Besuch bei der IDM in 2017 bedurft hat, dann muss das Thema mit diesen beiden Renn-Krimis eigentlich erledigt sein. Wer jetzt tatsächlich noch lieber Fußball, Formel 1, Hallenhalma oder Bodenturnen am TV schaut, statt sich die IDM live zu geben, der hat Schweröl in den Adern und sollte ggf. seinem Arzt mal einen Besuch abstatten. 😉

Für die Statistiker:

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

Kommentar hinterlassen