IDM Superbike

Die IDM im Qualitäts-Check – direkter Vergleich von Zahlen und Fakten statt Bauchgefühl

Lausitzring-Zeitenvergleich_WSBK-STK1000-IDM
Fakten statt Bauchgefühl - die IDM im direkten Vergleich | © Moto-Maniac.News // Foto Felix Wiessmann

Das vergangene Rennwochenende der IDM Superbike 1000 gemeinsam mit der FIM STK 1000 EM und der World-SBK bietet die wundervolle Gelegenheit, mal etwas tiefer in die gefahrenen Zeiten einzutauchen und auch „quantitativ“ aufzuzeigen, wo die IDM qualitativ so steht im internationalen Vergleich. Neben den Rundenzeiten der drei Serien waren auch noch Gaststarter aus den „kleinen“ IDM Klassen in den zugehörigen WM-Klassen am Start und zeigten dort eindrucksvoll, was wir in Europas bester nationaler Serie so an „Fahrermaterial“ am Start haben.

Ja, jeder weiß es und ich scheue mich auch nicht, es immer wieder offen zu bekennen: Ich bin ein flammender Botschafter, wenn es um die sportliche Qualität der IDM geht, und ich bin auch fest davon überzeugt, dass sie eine der besten nationalen Motorrad-Rennserien ist, die es aktuell auf seriennahen Motorrädern zu sehen gibt!
Dennoch wird die IDM (zu) wenig beachtet, gilt bei vielen Rennsport-Fans als „langweilig“ oder wird – wie so oft im Internet bzw. in den Sozialen-Medien – gern schlecht geredet. Allerdings beruhen solche Aussagen selten auf echten Fakten – und das ist sehr schade!

Das es bei der IDM auch an einigen Dingen mangelt bzw. insbesondere in der Vermarktung, der Außendarstellung und Bewerbung einiges im Argen liegt, daraus mache ich seit langer Zeit keinen Hehl. Ein paar Faktoren – wie geändertes Freizeitverhalten, generelles Interesse am Motorsport usw. – wird man auch mit toller Öffentlichkeitsarbeit nicht komplett kompensieren können. Andere Dinge hingegen, die gemeinhin unter die Aufgabenstellung des sogenannten „Promoters“ fallen, könnte man (auch in 2017) deutlich verbessern – aber das wird in den kommenden Wochen und Monaten hier von mir thematisiert werden…

Blicken wir also zurück auf ein tolles Rennwochenende auf dem Lausitzring – auch wenn es wohl erst einmal eines der letzten dieser Art dort war.

In den kleinen WM-Klassen waren vier Fahrer mit einer Wildcard am Start, die wir aus der aktuellen IDM kennen bzw. (im Falle von Tim Georgi) die aus der IDM kommen. Max Kappler und Tim Georgi vertraten die IDM Farben in der World-SSP300 WM. Am Ende standen die Plätze 9 und 8 zu Buche – in dieser neuen Nachwuchsklasse, die auf WM-Niveau immerhin mit 37 Startern am Lausitzring vertreten war.
In der World-SSP WM waren mit Marc Buchner und dem derzeit in der IDM SSP600 führenden Thomas Gradinger auch zwei IDM Piloten mit einer Wildcard am Start. Marc hatte im Rennen leider kein Glück und fiel – beim Kampf um den Einzug in die Top20 – in der 9. Runde aus. Thomas Gradinger hingegen fuhr souverän im Feld der WM-Piloten auf Platz 9 ins Ziel und ließ damit 20 WM-Piloten hinter sich.
Das „unser Reiti“ bei seinem Wildcard-Start in der World-SBK mit den Rängen 13 und 9 seine WM-Qualitäten nochmals eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dürfte sich mittlerweile rumgesprochen haben. Welch Qualität Markus Reiterberger als Fahrer auszeichnet, konnte er an diesem „Meisterberger-Wochenende“ aber auch auf seinem IDM-Bike zeigen. Und zwar nicht nur durch den Gewinn der beiden IDM Superbike 1000 Rennen und seinem vorzeitigen 3. Titel in Deutschlands höchster Motorrad-Rennserie.

Damit zur versprochenen Datenanalyse, die ich mit einer kleinen Erklärung beginnen muss:

Die hier gezeigte Tabelle musste ich etwas abspecken, sonst wäre sie online nicht mehr darstellbar gewesen und sicherlich auch deutlich zu unübersichtlich. Um quantitativ die „Qualität“ der drei Superbike bzw. eben der einen „echten“ Superbike (WSBK) und der zwei Superstock1000 Klassen (STK1000EM und IDM) darstellen zu können, habe ich mich der gefahrenen Bestzeiten bedient.
So konnte ich bei WSBK und IDM (dank zweier Rennen am Wochenende) auf 3 Bestzeiten zurückgreifen, während es bei der STK1000 EM leider nur 2 Zeiten pro Fahrer waren. Aber immer noch besser, als nur eine einzige Zeit zu nehmen – denn Unterschiede ergeben sich eben auch durch Wetterbedingungen, Streckenbeschaffenheit, Tagesform usw.

Diese Werte habe ich in eine Tabelle* gebracht, die sich dann eben beliebig sortieren lässt. Aus den 2-3 Bestzeiten wurde auch ein Durchschnitt ermittelt. In der hier gezeigten Tabelle seht ihr also die jeweilige schnellste Rundenzeit des Fahrers vom gesamten Wochenende, sowie die ø-Zeit, errechnet aus den 2-3 schnellsten Runden in Qualifying und dem / den Rennen.
*Wer sich für alle Daten interessiert oder selber damit „spielen“ möchte, der findet am Ende dieses Artikels die Downloads.

Schnellste Runde sowie Durchschnitt der besten Rundenzeiten aller 75 Fahrer
NameMarkeSchnellsteGapø BestzeitenGap øSerie
T. SykesKawasaki01:36.12101:36.8100.038WSBK
J. ReaKawasaki01:36.3340.21301:36.738WSBK
L. SavadoriAprilia01:36.4630.12901:37.2550.049WSBK
C. DaviesDucati01:36.6340.17101:36.7710.033WSBK
M. MelandriDucati01:36.7000.06601:36.9200.110WSBK
J. TorresBMW01:36.7390.03901:37.3750.057WSBK
A. LowesYamaha01:36.7740.03501:37.2060.286WSBK
E. LavertyAprilia01:36.7960.02201:37.2610.006WSBK
L. CamierMV Agusta01:36.9310.13501:37.3180.057WSBK
M. ReiterbergerBMW01:37.2430.31201:37.6890.314WSBK
M. van der MarkYamaha01:37.5320.28901:37.9080.219WSBK
X. ForésDucati01:37.6610.12901:37.9200.013WSBK
R. de RosaBMW01:37.8440.18301:38.1280.207WSBK
R. RamosKawasaki01:37.9580.11401:38.7590.013WSBK
L. MercadoAprilia01:38.2250.26701:38.5770.186WSBK
S. BradlHonda01:38.2380.01301:38.3680.240WSBK
F. SandiBMW01:38.2680.03001:38.3910.023STK1000
R. KrummenacherKawasaki01:38.3470.07901:38.8550.066WSBK
M. ReiterbergerBMW01:38.5290.18201:39.1230.098IDM-SBK
A. BadoviniKawasaki01:38.6030.07401:39.2070.084WSBK
T. RazgatliogluKawasaki01:38.6210.01801:38.7890.030STK1000
M. JonesDucati01:38.6320.01101:38.7460.050STK1000
M. RinaldiDucati01:38.6550.02301:38.6970.120STK1000
F. MarinoYamaha01:38.6840.02901:38.9980.005STK1000
R. TamburiniYamaha01:38.7870.10301:39.0250.027STK1000
D. GiuglianoHonda01:38.8140.02701:38.9930.138WSBK
O. JezekKawasaki01:39.1670.35301:39.4830.043WSBK
M. FaccaniBMW01:39.3300.16301:39.3650.159STK1000
L. VitaliAprilia01:39.3520.02201:39.4410.075STK1000
R. RussoKawasaki01:39.5630.21101:39.8670.147WSBK
M. FritzYamaha01:39.5830.02001:39.7080.057STK1000
J. GuarnoniKawasaki01:39.5870.00401:39.7200.012STK1000
P. SzkopekYamaha01:39.6320.04501:40.0140.147WSBK
I. MykhalchykKawasaki01:39.6460.01401:39.6510.168STK1000
S. KerschbaumerYamaha01:39.8810.23501:40.0160.002IDM-SBK
J. HalbichHonda01:39.9600.07901:40.3020.054IDM-SBK
J. BühnBMW01:40.1430.18301:40.3980.039IDM-SBK
D. VinconBMW01:40.1450.00201:40.3120.009IDM-SBK
S. SuchetBMW01:40.1770.03201:40.2480.232STK1000
F. AltYamaha01:40.2030.02601:40.3580.047IDM-SBK
L. GrünwaldSuzuki01:40.3870.18401:40.6370.239IDM-SBK
M. RoccoliYamaha01:40.5090.12201:40.8800.073WSBK
J. PuffeBMW01:40.5560.04701:40.6480.011STK1000
P. BijsterboschYamaha01:40.5970.04101:40.9660.086IDM-SBK
B. MackelsYamaha01:40.6310.03401:40.8070.017IDM-SBK
A. SchachtDucati01:40.6400.00901:40.7840.136STK1000
E. VionnetBMW01:40.6410.00101:41.2690.126STK1000
E. PuscedduBMW01:40.7520.11101:40.7900.007STK1000
L. GlöcknerKawasaki01:40.7820.03001:41.0120.046IDM-SBK
T. FinsterbuschKawasaki01:40.8170.03501:41.0810.069STK1000
R. CecchiniBMW01:41.0030.18601:41.6590.023STK1000
F. d’AnnunzioBMW01:41.0150.01201:41.1440.063STK1000
V. LonboisBMW01:41.0250.01001:41.2830.013IDM-SBK
G. ScottKawasaki01:41.0740.04901:41.3440.061STK1000
M. NeumannBMW01:41.3500.27601:41.4960.152IDM-SBK
W. TesselsKawasaki01:41.4420.09201:41.5210.025STK1000
D. KartheiningerYamaha01:41.4590.01701:41.7130.054IDM-SBK
M. MoserKawasaki01:41.5820.12301:41.6350.115STK1000
M. NekvasilBMW01:41.6280.04601:41.8220.036IDM-SBK
X. PinsachKawasaki01:41.6400.01201:41.7870.073STK1000
A. FriedrichBMW01:41.6550.01501:42.0840.209IDM-SBK
V. ValtonenYamaha01:41.6580.00301:41.8740.052IDM-SBK
A. BernardiYamaha01:41.9570.29901:42.5740.490STK1000
F. SanchioniBMW01:42.1760.21901:42.7400.054STK1000
W. SulisYamaha01:42.4560.28001:43.3250.276STK1000
D. SchmitterSuzuki01:42.5080.05201:42.7810.041IDM-SBK
K. ZeelenYamaha01:42.5560.04801:42.6860.112IDM-SBK
M. CudevilleKawasaki01:42.6290.07301:43.0490.167STK1000
V. IannuzzoSuzuki01:42.7880.15901:42.8780.097IDM-SBK
J. ProkopSuzuki01:42.8760.08801:43.5720.247IDM-SBK
P. GengelbachBMW01:42.8820.00601:42.8820.004IDM-SBK
B. StuppiBMW01:43.2890.40701:43.6330.061IDM-SBK
B. BosYamaha01:43.3730.08401:43.8410.209IDM-SBK
C. BerthelsenSuzuki01:44.3010.92801:44.7830.941IDM-SBK
M. CleutjensYamaha01:46.4962.19501:46.8672.084IDM-SBK

Was zeigt uns das?

  1. Markus Reiterberger fährt auch auf dem IDM Bike in die Spitzenliga! Auf dem neu aufgebauten Superbike kommt er bei beiden Werten konstant auf Platz 10 – das spiegelt also auch relativ gut sein Rennergebnis wieder. Mit seiner Bestzeit auf der IDM Maschine landet er aber auch auf Platz 19 im Feld der WSBK, in der STK1000 EM hätte er mit seinem IDM Bike um den Sieg mitfahren können.
  2. Von den insgesamt 75 hier aufgeführten Fahrern, hat nur Mike Cleutjens die WSBK-Karenzzeit für einen Start dort nicht erreicht!
    Auch in der World-SBK gibt es diese „Mindestzeit“, die ein Fahrer im Qualifying oder zumindest einmal im Training gefahren sein muss, um am Rennen teilnehmen zu dürfen. Mit 107% der besten Zeit aus der Superpole 1, liegt die Hürde hier sogar höher als z.B. in der IDM. Diese Bestzeit in SP1 fuhr Michael van der Mark mit einer 1:37.518 – was eine Qualifyingzeit von 1:44.344 ergibt. Somit hätte selbst Carl Berthelsen – als Vorletzter in der Zeitentabelle – noch mit seinem IDM Stock-Bike die Qualifikationshürde für das WM Rennen der Superbikes geschafft.
  3. IDM und EM „durchmischen“ sich – gerade wenn man die Durchschnittszeit zu Grunde legt – so, wie es nicht anders zu erwarten war. Die Zeitabstände sind gering. Meist liegen zwischen den Fahrern nur 1-2 Zehntel, oft auch nur Hundertstel- oder Tausendstelsekunden. Das Fahrerfeld ist sehr homogen – sprich die IDM, in diesem Jahr mit Motorrädern nach Stock-Reglement unterwegs, ist der EM durchaus ebenbürtig.
    Vielleicht nicht ganz vorne an der Spitze, wo die Top-Fahrer auch in der STK-EM auf Werksmotorrädern unterwegs sind. Da fährt nur Reiti wirklich mit. Aber um die Top10 könnten unsere Piloten, die derzeit hinter Reiti einen sehr engen und spannenden Fight um die Plätze in der Meisterschaft liefern, problemlos mitfahren. Sie lassen einige bekannte Namen aus der EM und auch den Letzten aus der WSBK hinter sich.
  4. Bei anderen Serien – die Daten habe ich natürlich auch verglichen – fällt die Bilanz für die IDM übrigens noch deutlich besser aus. Die IRRC war letztes Wochenende in Schleiz zu Gast – und langsamer als die IDM unterwegs. Die Zeiten dort lassen sich sehr gut vergleichen und sind eindeutig.
    Auch die oftmals als „Referenz“ genannte BSB ist der IDM nicht überlegen – maximal ist sie „gleichwertig“ aus sportlicher Sicht, wobei die IDM in Assen ca. 1 Sekunden schneller unterwegs war als die BSB! Natürlich zu Zeiten, als die IDM dort auch noch die schnelle Streckenvariante fahren durfte und die Bikes wirklich Superbikes waren. Will man hier vergleichen, muss man bei der IDM also die Zeiten aus 2015 zugrunde legen!
    Aber die BSB zeigt – in England und mit den dortigen Voraussetzungen! – auch, was im Bereich „Promotion“ und Außendarstellung bei der IDM so alles fehlt. Man kann nicht alles 1:1 übertragen bzw. ähnlich machen, dafür fehlen allein schon zwei sehr wichtige Grundpfeiler: wirklich „fanatische“ Rennfans und tolle Rennstrecken, die den Zuschauer teilweise extrem nah an die Action heran lassen. Aber in anderen Punkten dürfte man die BSB durchaus als gutes Vorbild nutzen…

Die Zahlen zeigen, dass die IDM nicht „weit weg“ ist von Serien wie der WorldSBK oder gar der STK1000 EM. War sie in 2015/2016 auch schon nicht, als wir noch echte Superbikes (mit ca. 15-20 PS mehr) am Start hatten. 2016 hat Bastien Mackels im nassen Qualifying eine Zeit in der Lausitz hingelegt, die ihm Startplatz 3 (und damit erste Startreihe!) in der World-SBK eingebracht hätte…
Vergleicht man dann noch die reinen IDM-Rundenzeiten der vergangenen Rennen aus 2017 (STK) mit denen aus 2016 (SBK), liegen – je nach Strecke natürlich – ca. 0,8 – 1,2 Sekunden pro Runde zwischen den beiden Reglements SBK*IDM 2016 und IDM-SBK 2017. Wenn man dies berücksichtigen würde, die Tabelle wäre für manch Überraschung gut!

Was sagt Ihr dazu? Ich freue mich auf Eure Kommentare!
Für die Fans der Zahlen, hier die Downloads:

 Kompletter Zeitvergleich nach bester Runde als PDF-Datei
 Kompletter Zeitvergleich nach ø besten Runden als PDF-Datei
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Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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