IDM Superbike

„The Young Gun“ und der Meistermacher – Arnaud Friedrich im Team von Werner Daemen

Young Gun – per Definition „eine junge Person, die gut genug ist um sich mit älteren, erfahreneren Menschen zu messen“. Wirklich selten empfand ich eine Bezeichnung und Definition passender, wie in diesem Fall! Im Fall von Arnaud Friedrich, dem mittlerweile 17-jährigen Nachwuchstalent, der 2017 für das Van Zon-Remeha-BMW Superbike Team in der IDM Superbike 1000 an den Start geht.

Wenn man ein paar Jahre an Rennstrecken zugebracht hat, dann gewöhnt man sich an vieles. Ich habe 13, 14 und auch 15-jährige Fahrer gesehen, die um die meisten von uns bei einem Renntraining o.ä. Kreise fahren könnten – selbst auf ihren meist schwächeren Motorrädern z.B. im ADAC Junior Cup, in der ehemaligen Moto 3 IDM oder später dann, ab 15, auf den schon deutlich potenteren 600er Supersport oder R6-Cup Motorrädern.
Ich erinnere mich mit Freude und innerem „Fotografen-Genuss“ an junge Fahrer aus der famosen R6-Cup (Fahr-) Schule, die einen wunderschönen und modernen Hang-Off Stil fahren – gern auch mit schleifenden Ellenbogen und von außen kaum von ihren eigenen Idolen aus der MotoGP zu unterscheiden.

In 2016 war wieder so ein „Moment“, als ich während des IDM Auftakttrainings am Lausitzring zum ersten Mal Arnaud Friedrich im Feld der IDM Superstock 1000 bewusst durch Kamera & Teleobjektiv wahrgenommen habe. Nicht nur eine wirklich wunderschön gestaltete BMW S1000RR – die ja an sich schon ein Blickfang gewesen wäre – sondern eben auch noch der optisch perfekt dazu passende Fahrer, der mir als Fotograf einfach die Bilder ermöglichte, die die Dynamik und Faszination des Sports für mich so ausmachen und die ich (wie ein Eichhörnchen zur Herbstzeit seine Haselnüsse) immer wieder suche und für mich „sammle“.

Arnaud wurde dann – eher unbewusst – zu einem „Lieblingsmodel“ während der Saison 2016. Kaum ein Training, ein Qualifying oder ein Rennen, bei dem ich ihn nicht mindestens 5-6x aufgenommen und – das ist dann noch viel wichtiger – auch als „Favorit“ bzw. Auswahlmotiv in meinen Galerien übernommen hätte. Dabei spielte er jetzt, wie in einer Rookie-Saison in solch einer Klasse nicht anders zu erwarten, nicht ganz vorne bei den Plätzen ums Podium mit – aber er war vom ersten Rennen an in der Lage, in die Punkte zu fahren.
Was für ein Start für einen damals 16-jährigen Rookie auf einem über 200 PS starken Superbike!?!

So gelang es ihm, an der Rennstrecke von seinem Vater André Friedrich betreut und vom Team Penz13 unterstützt, in der Saison 2016 bei 11 von 14 Rennen wertvolle Meisterschaftspunkte einzufahren. Dabei war von 1x Platz 15 bis hin zu Platz 8 (!!) vor seinem Heimpublikum am Schleizer Dreieck alles dabei, was die IDM Punkteränge so hergeben – meist aber näher an P10 als an P15. Am Ende landete er mit einem 14. Gesamtrang auf einem sehr beachtlichen Platz im Mittelfeld der insgesamt 26 in der STK1000 angetretenen Fahrer.

Das es nicht noch Platz 13 geworden ist, lag an einem recht heftigen Abflug im Training beim Saisonfinale in Hockenheim. Auch den habe ich – als quasi schon „Arnauds Leibfotograf“ – natürlich auf den elektronischen Film gebannt. Aber das war letztes Jahr, alles ist gut & glimpflich abgegangen (Knochenbrüche sind für den Rennfahrer ja das, was für mich die Schnittwunde beim Kartoffelschälen ist) und es wird Zeit, auf 2017 zu blicken.

In 2017 wird er – wieder mit einer Sondergenehmigung – im Feld der IDM Superbike 1000 auf einer BMW S1000RR antreten. Nun aber im großen und professionellen Van Zon-Remeha-BMW Superbike Team von Werner Daemen. Dort trifft das junge Talent dann auf den 3-fachen Meister Markus Reiterberger (R6-Cup und 2x IDM Superbike Champion), auf den amtierenden STK1000*IDM Champion Danny de Boer und den 2015er Supersport*IDM Champion Jan Bühn. Man könnte meinen, dass Werner Daemen nicht nur gerne Meister „macht“ sondern sie auch sammelt. Natürlich hat auch Arnaud schon einen Titel geholt: er konnte 2013 den ADAC Junior Cup gewinnen.

Voller Vorfreude blickt Arnaud auf den Start der 2017er IDM-Saison am kommenden Wochenende am Nürburgring.

„Ich kann es kaum noch erwarten, wieder Rennen zu fahren und bin auf das IDM-Feeling gespannt“, sagt Arnaud. „Wie professionell es im Van Zon-Remeha-BMW Superbike Team abläuft, hat mir ja bereits der Test in Portimao gezeigt.“
„Ich trainiere natürlich intensiv“, erklärt er weiter, „auch wenn wir vorab relativ wenig getestet haben. Der letzte Test am Nürburgring fiel buchstäblich ins Wasser. Trotzdem bin ich sehr zuversichtlich, gute Ergebnisse abzuliefern.“
Zu seinen Zielen führt der junge Limbach-Oberfrohnaer aus: „Ich bin hochmotiviert und will für mich und das Team natürlich das Maximale herausholen. Die Top Ten sind mein erklärtes Ziel.“

Für seine Sponsoren und Partner ist Arnaud voll des Lobes und der Dankbarkeit: „Ohne deren grandiose Unterstützung und ihren Glauben an mich wäre es kaum möglich gewesen, diesen Traum zu leben. Ich danke all meine Sponsoren noch einmal ganz herzlich für ihre Unterstützung.“

Auch der neue Chef von Arnaud ist gespannt.

„Arnaud hat mich positiv überrascht“, erklärte Werner Daemen bereits bei den Vorsaison-Tests in Portimao. Er hat den Youngster erst kurz vor dem Start in die neue IDM Superbike 1000 Saison verpflichtet. „Ich wollte auch unbedingt einen jungen deutschen Nachwuchsfahrer im Team haben“, so Werner Daemen.

Ich – als Fotograf – freue mich auf jeden Fall darauf, Arnaud auch in 2017 wieder vor meine Kamera zu bekommen. Und vielleicht gelingen mir in den nächsten Tagen, beim IDM Saisonauftakt 2017 am Nürburgring, ja schon ein paar neue Action-Bilder von Arnaud, ähnlich wie die hier gezeigten aus 2016.

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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