IDM Supersport 600

Neu in der IDM 2017: Vasco van der Valk, der (tief-) fliegende Holländer

Nein, keine Sorge: auf den Rennstrecken der IDM ist nicht mit Geisterschiffen zu rechnen und der junge Vasco van der Valk wurde auch nicht mit einem Fluch belegt – außer das er verflucht schnell ist und gern tief fliegt mit seiner Yamaha YZF-R6 vom Team SPWN.

Neue Fahrer hat man eigentlich immer nur dann „auf dem Schirm“, wenn man von ihnen im Vorfeld z.B. durch WM-Einsätze o.ä. etwas gehört hat. Niemand von uns kann alle nationalen Serien Europas überwachen oder gar die Talente dort – ohne sie live an der Strecke gesehen zu haben – erkennen. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass ich Vasco van der Valk nicht kannte bzw. mit seinem Namen auch nichts im Vorfeld der neuen IDM Supersport 600 Saison anfangen konnte.

Aber wenn das in der IDM sehr etablierte und anerkannte Team SWPN einen neuen Fahrer an die Strecke bringt, kann man eigentlich von vornherein davon ausgehen, dass es sich nicht um einen langsamen Piloten handelt. Schließlich hat das Team in 2016 den Superstock1000*IDM Champion hervorgebracht und in den letzten beiden Jahren einen echten Top-Job mit Danny de Boer in der IDM abgeliefert.
In diesem Jahr greift das Team mit Pepijn Bijsterbosch in der IDM Superbike 1000 und eben mit Vasco van der Valk in der IDM Supersport 600 erneut an.

Vasco begann seine Rennfahrerkarriere im zarten Alter von 4 Jahren, auf einer Yamaha PW50 und später auf einer KTM SX50 im Motocross-Bereich. Mit 8 sollte dann eigentlich der Umstieg auf eine KTM SX65 erfolgen aber er fand den Weg zu den Mini-Bikes. Hier fuhr er – wie später auch im niederländischen NSF100 Cup für Kids – u.a. gegen Fahrer wie Bo Bendsneyder und Livio Loi. 2009 in die NSF100 Meisterschaft eingestiegen, konnte er 2011 hinter Bo Bendsneyder Vizemeister in der Serie werden und wurde im gleichen Jahr auch Zweiter beim NSF100 World Race in Südafrika.

Von 2012-2014 folgten Einsätze im Moriwaki 250 Junior Cup, den er 2013 als Gesamtdritter beenden konnte. Von 2015-2016 machte er – wie passend als Flying Dutchman – „rüber“ auf die Insel und fuhr in der British MotoStar, die im Rahmenprogamm der BSB ausgetragen wird, für das Team von Ian Lougher Racing.

Jetzt ist er bei uns in der IDM Supersport 600 angekommen und fährt eine Yamaha YZF-R6 im wunderschönen SWPN-Design mit der Startnummer 62. Kleiner Fun-Fakt am Rande: Die Startnummer begleitet ihn seit seinen ersten Rennen. Wer aber jetzt tiefgründige Zahlenspiele, Geburtsjahr der Oma, Glücksbringer, Idole oder einfach Aberglauben erwartet, den muss ich enttäuschen: Die 62 war damals die Hausnummer seiner Wohnadresse – und die einzige Nummer, die er sich in dem jungen Alter merken konnte. Sind wir froh, dass er sich nicht die Postleitzahl oder Telefonnummer gemerkt hat… 😉

Das Vasco fahren kann und man ihn in diesem Jahr auch durchaus auf die Beobachtungsliste setzen sollte, hat er beim Saisonauftakt am Nürburgring in der wirklich hart umkämpften Klasse direkt unter Beweis gestellt: Mit den Plätzen 5 und 6 in den beiden Rennen sowie einem 2. Platz im Regentraining am Freitag, hat der gerade einmal 17 Jahre alte Racer aus Amersfoort eindrucksvoll gezeigt was in ihm steckt. Die Leistung wird noch um so eindrucksvoller wenn man weiß (und bedenkt), dass Vasco auf der 600er kaum Erfahrung hat und auch zum ersten Mal überhaupt auf dem Nürburgring gefahren ist.
Im Qualifying hatte er dazu noch technische Probleme mit der Schaltung an seiner R6, so dass er beide Rennen von Startplatz 10 aus angehen musste. Ein Blick in die Zeitentabellen verrät aber, dass er mit seinen tiefen bis mittleren 1:30er Zeiten durchaus das Potenzial für Podiumplätze in der Klasse hat.

Und was sagt Vasco über seine ersten IDM-Rennen?

Das war schon ziemlich gut für den Anfang! Im ersten Rennen musste ich mich noch etwas an das Tempo gewöhnen, aber im zweiten Rennen war ich gleich von Anfang an dabei. Leider hatte ich ein kleines Problem mit dem „Quick Shifter“ und ich verlor den Kontakt zu den Führenden als ich beim Runterschalten den Gang nicht reinbekam und etwas weit gehen musste. Aber ich weiß jetzt, dass ich mithalten kann! Es war auch cool zu sehen, wie gut mein neues Team arbeitet. Alle bei SWPN haben mir fantastische Unterstützung geboten. Ein extra großes „Dankeschön“ geht an meine Sponsoren: Einige Unternehmen aus Amersfoort, die mir helfen, aber auch an www.ichwillmeinmotorradloswerden.de, eine niederländische Firma die mit mir bzw. meinem Namen in den deutschen Markt einsteigen will.

Ich für meinen Teil habe den jungen Niederländer nun auf dem Schirm und werde seine Entwicklung aufmerksam beobachten!

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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