IDM

„Wir müssen draußen bleiben“ – IDM 2017, der fünf Marken-Pokal…

Die IDM 2017 - ein fünf Marken-Pokal?
BMW, Honda, Kawasaki, Suzuki & Yamaha - mehr Marken gibt es 2017 in der IDM nicht zu sehen | © Andreas Weinand // www.aow-fotografie.de

Das IDM Rennen in Schleiz ist nicht nur jedes Jahr ein Highlight für die Permanentstarter im Feld der IDM, es ist auch eines der attraktivsten und beliebtesten „Gaststart-Rennen“. Und so tummelten sich in den vergangenen Jahren immer wieder auch mal „Exoten“ unter den Startern bzw. lokale Größen u.a. auch aus der World-SBK, der IRRC oder aus anderen europäischen Rennserien, die Schleiz gerne als Bühne oder einfach Training unter Rennbedingungen für sich genutzt haben.

Auch in diesem Jahr ist die Liste der Gaststarter lang – allerdings eint sie alle eines: Sie fahren ein Motorrad der in der AGM vertretenen Hersteller. Andere interessierte Gaststarter, wie der ehemalige IDM SBK-Pilot Frank Häfner, bekamen bei ihrer Anfrage direkt am Telefon eine Absage vom Serienmanager erteilt, denn sie fahren die falsche Marke – im Falle von Frank eine Ducati Panigale 1199 R.

Wieso das so ist? Eine echte Antwort dafür gibt es nicht – zumindest keine, die im Regelwerk der IDM nachzulesen oder sich sonst irgendwo „öffentlich“ finden lassen würde. Hier kann also nur der sogenannte „Hersteller-Pool“ der Grund sein, der auch schon die Einschreibung von Jakob Furtner auf seiner MV Agusta F3 in der Supersport 600 für 2017 verhindert hat.

Ja, die fünf „Großen“ bezahlen in den Hersteller-Pool ein und tragen damit sicherlich einen nicht unbeträchtlichen Beitrag zur Finanzierung der IDM bei. Wie hoch der tatsächlich ist, ist allerdings nicht in Erfahrung zu bringen.
Dafür haben sie aber auch diverse Markenpokale im Rahmenprogramm verankert (oder – im Falle von BMW – für 2018 geplant), sie haben große Flächen im Fahrerlager für ihre Herstellerstände zur Verfügung, können mit der IDM bzw. dem Serienlogo eigene PR betreiben und Werbung machen, können ihre Fahrzeuge im Rahmen der Testfahrten vor Ort anbieten usw., usw.

All das dürfen und können die anderen ja nicht. Wieso also einen Einzelstarter „abstrafen“ bzw. nicht fahren lassen, wenn sein Motorrad die technischen Bestimmungen des offiziellen IDM Reglements erfüllt? Ein Reglement, welches natürlich auch die Ducati Panigale 1199 R als Motorrad kennt und extra für den Zweizylinder auch den größeren Hubraum zulässt? Oder die Dreizylinder MV Agusta, die mit etwas mehr Hubraum bei der Supersport 600 antreten dürfte? Und was ist mit einer KTM RC 390, die offiziell zu den erlaubten Bikes in der Supersport 300-WM gehört, im IDM Reglement aber ersatzlos gestrichen wurde? Von Aprilia, Triumph (ab 2019 immerhin der Motorlieferant der Moto2-WM) und anderen Exoten ganz zu schweigen…

Alle Fahrer & kleinen Privatteams, die solche Marken einsetzen (meist auch, weil es entsprechende lokale Händler gibt, die sie in ihrem Rennsport unterstützen) bekommen beim Versuch der Anmeldung für einen Gaststart das „wir müssen draußen bleiben“ Schild gezeigt, so wie wir es sonst eher von Hunden vor der Metzgerei kennen.

Wozu?

Auch die FIM EWC wird von diesen fünf großen Motorradkonzernen offiziell gesponsert. Sie sind auch dort die einzigen Hersteller, die es als „Partner“ oder „Sponsoren“ auf alle Werbemittel, die Webseite usw. bringen. Und trotzdem starten regelmäßig Teams mit Ducatis, Aprilias oder noch exotischeren Motorrädern. Es wäre ja auch schlimm, wenn diese Marken dort nicht mehr vertreten wären!
Selbst wenn es in der IDM dann eine anteilig erhöhte Einschreibegebühr gäbe, es wäre wenigstens „fair“. Davon ist aber derzeit nicht die Rede bzw. dies ist auch auf Nachfrage offiziell „nicht möglich“.
Mit welcher Begründung eigentlich, wenn es keine offizielle Regel dafür gibt und dieser Umstand weder in den technischen Regularien von SBK1000 und SSP600, noch in den Einschreibeunterlagen zu finden ist?

Wenn man die „Idee“ dahinter einmal weiter spinnt…

Was ist mit den anderen „Pool-Partnern“ der IDM? Da finden sich – neben den beiden Reifenpartnern Pirelli und Dunlop für die IDM Soloklassen, obwohl man theoretisch auch mit Bridgestone, Michelin, Metzeler oder Continental fahren dürfte – ja auch zwei Helmhersteller, ein Motoröl-Anbieter, ein Kleidungshersteller usw.
Wieso dürfen die Piloten denn dann noch Motul statt Motorex in die Motorgehäuse kippen? Damen-Leathers, Schwabenleder, Dainese oder andere Kombis fahren, obwohl IXS doch als einziger Partner Geld zahlt? Was ist mit all den Shoei, Schuberth und Arai Helmen, die eben auch nicht von x-lite oder LS2 stammen?

Bitte nicht missverstehen: Auch ich bin den fünf großen Herstellern sehr, sehr dankbar für ihr Engagement in der IDM. Aber sie haben auch etwas davon! Sie erhalten mehr Aufmerksamkeit im Rahmen der IDM, kostenfreie PR bzw. Werbung, können vor Ort massiv ihre Produkte darstellen und bewerben und – auch den Aspekt sollte man nicht aus den Augen verlieren – verkaufen (im Falle von Yamaha und Suzuki zumindest) ja auch reichlich neue Bikes an die Teams und Fahrer, die sie sonst so evtl. nicht absetzen könnten.

Wenn es einen Hersteller-Pool gibt, dann wäre „Transparenz“ hier sehr wünschenswert. Sprich was soll / muss ein Hersteller bezahlen, damit ggf. auch nur ein einziger Fahrer ein oder zweimal an einem IDM Rennen teilnehmen darf? Die Summen müssten sich jetzt schon massiv unterscheiden, schaut man einmal auf die Bike-Verteilung der derzeit wirklich permanent eingeschriebenen Fahrer aus den 3 IDM Soloklassen und den 3 fest eingebundenen Marken-Cups.

Hier ist – anders als oft vermutet – eben nicht BMW tonangebend. Was mit großer Sicherheit auch der Grund dafür ist, dass mit dem BoxerCup 2.0 noch ein BMW Marken-Cup im Programm eingebaut werden soll.
Aktuell fahren 68 (!!!) Yamahas, 60 Suzukis, 11 BMWs, 8 Kawasakis und 2 (!!!) Hondas „permanent“ an den IDM Rennwochenenden – und diese Zahlen beziehen sich auf „ein Motorrad pro permanent eingeschriebenem Fahrer“, das dürfte bei stellenweise 2 Motorrädern pro Fahrer real noch etwas anders aussehen.

Yamaha hat mit der R1 in der SBK Klasse eine gute und bekannte Waffe und ist mit der R6 und der R3 in der SSP600 und SSP300 quasi kurz vor zwei weiteren Markenpokalen – der mit dem R6-Dunlop-Cup ja auch offiziell noch im Programm ist.
Bei Suzuki sind es auch nicht die 6 Superbikes, die den Braten fett machen. Es sind die 54 Bikes, die im GSX-R1000 und SV650 Cup (offiziell Twin700 Cup, obwohl es kein entsprechendes DMSB Reglement bisher gibt) bewegt werden, die hier für Platz 2 im Marken-Absatzranking sorgen. Kawasaki könnte in allen drei IDM Klassen zwar deutlich mehr vertreten sein, aber hier setzen derzeit einfach zu wenige Teams / Fahrer auf die grünen Raketen. BMW hat eben „nur“ noch die S1000RR für die SBK Klasse anzubieten und auch bei Honda sieht es eher düster aus, wenn man von der nagelneuen Fireblade einmal absieht…

Gerade in der schwer gebeutelten 600er Klasse könnte man das Feld mit MV Agusta und Triumph um ein paar exotischere Marken noch erweitern und so evtl. vor einem zweiten R6 Cup schützen. Und eine Ducati Panigale, MV F4 oder Aprilia RSV wären für Fans und Zuschauer sicherlich auch optisch / akustisch attraktive Ergänzungen im Feld der SBK1000 – ohne dass den „großen Fünf“ hier ein Prestigeverlust o.ä. drohen würde.

Momentan scheint man sich aber eher zu fragen, welche Markenpokale man für Kawasaki und – allen voran – Honda noch im Rahmenprogramm der IDM einrichten könnte, damit von diesen ehemaligen Top-Marken im deutschen Motorradsektor auch noch ein paar mehr Bikes um die Strecke fahren können.
Ob dies aber am Ende wirklich die Attraktivität der Serie für Zuschauer und deren sportlichen Wert weiter erhöhen kann, bleibt dabei offen…

Liebe Hersteller im IVM bzw. in der AG Motorsport, springt doch bitte über euren Schatten!
Vielleicht wäre es für andere Marken und Hersteller dann auch für 2018 attraktiver, sich an der IDM zu beteiligen. Wenn z.B. nach solch tollen Highlight-Events wie Schleiz einer ihrer Fahrer voller Stolz ein Foto veröffentlicht und schreibt „schaut her, in Schleiz bin ich mit meiner Ducagustriktm vor 25.000 frenetischen Fans gefahren“… 😉

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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