Yamaha R6-Dunlop-Cup

Entscheidung vertagt – Regen beim 2. Rennen in Oschersleben hält den Titelkampf im R6-Cup offen

Oschersleben die 3. & 4. – so hätte der Regisseur, der den Titelkampf im Yamaha R6-Dunlop-Cup 2017 dramaturgisch zu verantworten hat, wohl die „Klappe“ vor den Rennen beschriftet. Das er sich dabei auf eine Spannungskurve bis zum Schluss durch die Akteure des R6-Cup verlassen kann, hat auch etwas mit dem Wetter zu tun. War es Freitag und Samstag – entgegen der Wetterprognosen im Vorfeld – durchgängig trocken in der Magdeburger Börde, hatte sich der Wettergott ausgerechnet für den „Show-Run“ des vermeintlichen Seriensiegers anderes überlegt und bescherte Marc Zellhöfer eine regennasse Fahrbahn, die ihm in dieser Saison so gar nicht schmecken will.

Rennen 1

Die erste Rennhälfte gehörte Marco Fetz (Merkendorf, Däschlein DRC). Der 17-jährige Cup-Rookie legte vom Start weg ein Höllen-Tempo vor, Marc Zellhöfer (Fürth, Motorrad Pedack-Team Zellhöfer) dabei stets am Hinterrad. Der übernahm in der achten Runde die Führung, während Christoph Beinlich (Pößneck, Beinlich Racing Team Geyer), Come Geenen (Grimber, CG Schüller Racing-Team) und Jan Mohr (AUT Hohenems, JM55 – Motorradhaus Gruber) abreissen lassen mussten, sich aber einen spannenden Kampf um den dritten Podestplatz lieferten mit dem glücklichen Ende für Beinlich. Davor brachte Zellhöfer den Sieg knapp vor seinem fränkischen Landsmann Fetz ins Ziel. Der Fürther baute damit seinen Vorsprung in der Meisterschaft aus und hätte sich somit mit einem weiteren Sieg im zweiten Lauf vorzeitig den Titel sichern können.

„Diesmal bin ich ganz gut vom Start weggekommen und war gleich hinter Marco Zweiter. Der hat allerdings ein irres Tempo vorgelegt, wir sind von Beginn an 31er-Zeiten gefahren, also so schnell wie im Qualifying. Irgendwann hat Marco einen kleinen Fehler gemacht und ich konnte durchschlüpfen. Er blieb allerdings immer dran. In der letzten Runde wurde es durch Überrundungen noch einmal haarig, am Ende bin ich Kampflinie gefahren“, beschreibt Zellhöfer den Rennverlauf.

„Viermal Dritter, jetzt Zweiter, mal sehen was morgen geht“, lautete der erste Kommentar von Marco Fetz. „Ich wusste von der Boxentafel, dass vier Fahrer direkt hinter mir waren, dann ist mir ein Schaltfehler unterlaufen, was Marc sofort ausgenutzt hat. In der letzten Runde habe ich bei einem der Überrundungsmanöver ein paar Meter verloren. Ich habe dann zwar noch einmal attackiert, aber Marc hat immer geschickt die Tür zugemacht.“

Christoph Beinlich konnte dem Duo am Ende nicht mehr ganz folgen, gewann aber den nicht weniger spannenden Kampf um Platz drei: „In der ersten Runde war ich sogar kurzzeitig an Marc vorbei, er hat aber umgehend gekontert. Lange Zeit konnte ich an der Spitze dranbleiben, dabei habe ich auch die schnellste Runde gefahren. In der zweiten Rennhälfte verlor ich dann stetig ein, zwei Zehntel.“

Den Podestplatz hatte auch Come Geenen im Visier. „Heute war ich in den ersten Runden etwas zu vorsichtig. Zwischen Christoph, Jan und mir war es sehr eng. Leider habe ich mich in der letzten Runde einmal verschaltet, damit war ich am Ende nicht nah genug dran für einen Angriff.

Nach den zahlreichen Ausfällen in diesem Jahr und einem weiteren heftigen Abflug im Training durfte Jan Mohr mit dem fünften Platz zufrieden sein. „In einigen Passagen hätte ich sogar einen Ticken schneller gekonnt wie die Beiden, aber für einen ernsthaften Angriff hat es nicht gereicht“, räumte der junge Österreicher ein.

Patrick Hobelsberger (Landau, Motopoint Racing) stufte Platz sechs als sichere Punkte ein. „Mein Start war wie immer OK, ich konnte aber heute das Tempo der Spitzengruppe nicht ganz mitgehen. Deshalb habe ich ab Rennmitte beschlossen, mein Rennen nach hinten zu kontrollieren und das Ergebnis sicher nach Hause zu bringen.“

Für Dennis Lippert (Brunnthal, MPB Racing / King Bikes) war „P-7 zwar nicht schlecht, aber nach dem starken Training hatte ich gehofft, im Rennen noch etwas zulegen zu können. Leider war das Gegenteil der Fall. Schade. Den Platz musste ich zudem noch hart gegen Dennis erkämpfen.“ Dies konnte Dennis Stelzer (Pirna, Team Bergau – Fuhrmann) bestätigen: „Wir haben uns das ganze Rennen über gebattled. Ich habe auf einen Fehler gewartet, aber den Gefallen hat er mir nicht getan.“

Genauso eng ging es dahinter zwischen Jan Schmidt (Büchingen, Motorrad B&S) und seinem Langstrecken-Teamkollgen Michael Götz (Hadamar, Romero-L.H.R.-Racing) zu. „Ich hatte Götzi fast das ganze Rennen vor der Nase, drei Runden vor Schluss konnte ich ihn noch überholen“, freute sich Schmidt. Götz war nach dem Training total happy gewesen. „Die schnellste Zeit, die ich jemals in Oschersleben gefahren habe, dabei bin ich vor einer Woche hier noch richtig heftig gestürzt. Fürs Rennen hatte ich einen gebrauchten Reifen gewählt, das war wohl ein Fehler, denn zum Schluss baute er ziemlich ab“, gestand der erfahrendste Cup-Pilot.

Weitere Punkte gab’s für Manuel Schoewer (Remscheid, King Bikes – MPB Racing), Reto Wiederkehr (SUI Thun, Moto-Star Schüller Racing-Team), Yvan Laetzig (FRA Issenheim, Motorrad Rubin Racing Team), Moritz Jenkner (Hohenstein-Ernstthal, PZmotorsport Yamaha Mildner) und Mattias Ödlund (SWE Anderslöv, Ödlund Racing Motorrad Ruser).

Rennen 2

Pünktlich zum zweiten Lauf fielen die ersten Regentropfen. Bis dahin war es in Oschersleben während der ganzen Tage trocken geblieben. Das Rennen wurde nach wenigen Runden abgebrochen und schließlich als Wet Race neu gestartet. Bis zur letzten Runde lag eine kleine Sensation in der Luft, denn ‚Altmeister‘ Michael Götz (Hadamar, Romero-L.H.R.-Racing) führte, ging dann allerdings Ende Start-Ziel geradeaus und musste sich mit Platz fünf begnügen. Come Geenen (Grimber, CG Schüller Racing-Team) ließ sich nicht lange bitten und bejubelte seinen zweiten Saisonsieg. Dahinter kamen Patrick Hobelsberger (Landau, Motopoint Racing) und Marco Fetz (Merkendorf, Däschlein DRC) ins Ziel, der in der letzten Kurve Jan Schmidt (Büchingen, Motorrad B&S) noch vom Podest schubste. Meisterschaftsleader Marc Zellhöfer (Fürth, Motorrad Pedack-Team Zellhöfer), am Vortag noch Sieger, verpasste im Nassen die Punkteränge, damit präsentiert der Yamaha R6-Dunlop-Cup in Hockenheim ein echtes Finale: vier Fahrer kämpfen dort um den Titel.

„Das war ein Rennen nach meinem Geschmack, ich fahre gerne im Regen. In der erste Kurve haben einige Fahrer extrem spät gebremst, sie mussten dan weit gehen und ich konnte gleich auf Platz zwei vorfahren“, schilderte Geenen die schwierige Startphase. Zunächst hatte Kamil Krzemien (Dabie, Krzemien Schüller Racing-Team) die Führung übernommen, doch nach drei Runden stürzte der junge Pole. Jetzt machte Michael Götz die Pace. „Kamil war bei den schwierigen Verhältnissen viel zu aggressiv unterwegs“, erklärte Geenen. „Ich wollte nicht zuviel riskieren, war mit dem Podestplatz völlig zufrieden und hätte nicht mehr attackiert. Dann leistete sich Götzi doch noch einen Fehler und ich sagte Danke“, lachte Geenen, der bei der Siegerehrung prominente belgische Unterstützung bekam. Yamaha-Superbiker Bastien Mackels und Markus Reiterbergers Teamchef Werner Daemen sangen lauthals die Nationalhymne mit.

Patrick Hobelsberger brachte sich mit dem zweiten Platz ins Titelgeschäft. „Vor dem Abbruch war es extrem schwierig, weil die Bedingungen auf der Strecke sehr unterschiedlich waren. Beim Neustart war ich in der ersten Kurve sogar vorne, musste dann aber weit gehen und fiel bis auf den zehnten Platz zurück. Mein erster Gedanke war, jetzt geht nichts mehr, aber dann war sogar das Podium in Sicht und in der letzten Runde habe ich noch Jan geschnappt“, freute sich der Niederbayer einen Tag vor seinem 21. Geburtstag über das vorzeitige Geschenk.

Marco Fetz verpasste zwar den langsam fälligen ersten Sieg, doch mit einem Angriff in der letzten Kurve holte sich der 17-jährige Franke zum fünften Mal Platz drei und reist nun als Tabellenzweiter in vier Wochen zum Finale nach Hockenheim. „Ich kam als Dritter aus der ersten Runde, war zwischenzeitlich aber wieder auf fünf. Als Götzi in der letzten Runde geradeaus ging, sah ich meine Chance und habe Jan in der letzten Kurve noch überrumpelt. In Hockenheim ist jetzt alles möglich, aber ich versuche, nicht zu sehr an die Gesamtwertung zu denken, sondern will das Finale locker angehen.“

„Dieser vierte Platz regt mich mehr auf, als der neunte gestern“, schimpfte Jan Schmidt. „Mein Start war top, aber ich habe mich an mein letztes Regenrennen erinnert und sagte mir immer: Nicht wieder absteigen. Nach Kamils Sturz war ich kurz Zweiter, doch exakt in dem Moment als ich mich umdrehte, überholte mich Götzi. Als schließlich auch Pax vorfuhr, dachte ich, Dritter auch OK, dann kam in der letzten Kurve Marco. Warum habe ich nicht einfach die Tür zugemacht?“

Am meisten ärgerte sich zweifellos Michael Götz. „Nach dem ersten Start war mir bald klar, es wird abgebrochen, also kein Risiko. Auf den beiden warmup Runden habe ich probiert, was im Nassen geht, im Rennen dann auf Anhieb viele Plätze gutgemacht und schließlich sogar die Führung übernommen. In der letzten Runde habe ich mit einem Angriff von Come gerechnet und deshalb Ende Start-Ziel noch später gebremst. Leider zu spät und wie ich inzwischen weiß auch völlig unnötig. Mein erster Gedanke war: Du Idiot. Auf der anderen Seite war es das beste Rennen seit meinem Comeback. Ein ganz ganz großes Dankeschön an die Jungs von Jan und Marc Ruber, die mir hier geholfen habe, weil mein Mechaniker Stefan diese Woche leider nicht mitkommen konnte.“

Platz sechs ging nach Frankreich. Yvan Laetzig (Issenheim, Motorrad Rubin Racing Team) war nach dem Neustart von Anfang an gut dabei: „Ich hatte eigentlich keine kritische Situation im Rennen. Für mich waren die Verhältnisse OK, ich mag die wechselnden Bedingungen. Mein bislang bestets Resultat, ich bin total happy. Jetzt geht’s nach Hockenheim, geografisch meine Heimstrecke, ich kenne sie aber nur von der Playstation“, schmunzelte der Elsässer.

Für Christoph Beinlich (Pößneck, Beinlich Racing Team Geyer) ist Platz sieben eher ungewohnt, doch der 21-jährige Thüringer wollte mit Blick auf die Gesamtwertung nicht zuviel riskieren. „Beim Saisonauftakt bin ich hier in Oschersleben im Regen gestürzt, das wollte ich unbedingt vermeiden. Jetzt haben wir vor Hockenheim eine Konstellation, die das Finale noch einmal richtig spannend macht.“

Im Duell der Youngster erkämpfte sich der 16-jährige Moritz Jenkner (Hohenstein-Ernstthal, PZmotorsport Yamaha Mildner) einen starken achten Platz vor dem ein Jahr älteren Per Behmer (Fockbek, Motorrad Rubin Racing Team): „Ich habe ein gutes Vertrauen zu den Dunlop-Regenreifen. Als ich sah, dass nach vorne und hinten viel Luft ist, bin auf Konstanz gefahren“, erklärte Behmer.

Platz zehn ging an den in der Schweiz lebenden Südbadener Michael Berger (Winterthur, Motorrad Rubin Racing Team) vor Nicolas Abadie (SUI Vevey Motorrad Rubin Racing Team), Reto Wiederkehr (SUI Thun, Moto-Star Schüller Racing-Team), Angelo Labita (ITA München, Schüller Racing-Team), Jan Mohr (AUT Hohenems, JM55 – Motorradhaus Gruber) und Manuel Schoewer (Remscheid, King Bikes – MPB Racing).

Meisterschaftsleader Marc Zellhöfer ging diesmal leer aus und war froh, nichts kaputt gemacht zu haben. Regen ist nicht sein Ding. Damit schrumpfte sein Vorsprung auf sieben Punkte – bei noch 25 zu vergebenden Punkten in der Saison 2017. Erster Verfolger ist nunmehr Marco Fetz, doch auch Christoph Beinlich und Patrick Hobelsberger dürfen sich noch Hoffnung auf den Titel machen. Ein spannendes Finale ist in Hockenheim garantiert.

Aktueller Meisterschaftsstand im Yamaha R6-Dunlop-Cup 2017
#FahrerTeamNat.Ges. Pkt.
71ZELLHÖFER MarcMotorrad Pedack - Team ZellhöferGER135
9FETZ MarcoDäschlein DRCGER128
45BEINLICH ChristophBeinlich Racing Team-GeyerGER122,5
52HOBELSBERGER PatrickMotopoint RacingGER121
27GEENEN ComeCG Schüller Racing-TeamBEL103
25SCHMIDT JanMotorrad B&SGER56,5
17GÖTZ MichaelRomero-L.H.R.-RacingGER51
7KRZEMIEN KamilKrzemien Schüler Racing-TeamPOL49
26LIPPERT DennisMPB Racing/King BikesGER49
91LAETZIG YvanMotorrad Rubin Racing TeamFRA38
18STELZER Dennis NorickTeam Bergau - FuhrmannGER37
55MOHR JanJM55 - Motorradhaus GruberAUT35,5
77FREYER MarcoSchüller Racing-TeamGER35,5
34KLAMBAUER AndreasZweirad Meggle Team KRAUT31,5
46WIEDERKEHR RetoMoto-Star Schüller Racing-TeamSUI31
96JENKNER MoritzPZmotorsport Yamaha MildnerGER30,5
48MOLNAR GergöVEPP Schüller Racing-TeamHUN22
12SCHOEWER ManuelKing Bikes - MPB RacingGER19
42REITMAIR ValentinSchüller Racing-TeamAUT18
74BERGER MichaelMotorrad Rubin Racing TeamSUI17
5RUBER MarcRuber Racing-Team powered by ZZFGER16
99BEHMER PerMotorrad Rubin Racing TeamGER13
13ÖDLUND MattiasÖdlund Racing Motorrad RuserSWE9,5
23ABADIE NicolasMotorrad Rubin Racing TeamSUI5
69LANGSTÄDTLER JessicaTeam Langstädtler by MCDGER4
84LABITA AngeloSchüller Racing-TeamGER3
3STICH PhilippPS13 Racing by MotorradtkeGER2
89MÜLLER BenjaminTecius & Reimers Racing TeamGER2
11SUROWIEC PiotrSchüller Racing-TeamPOL1,5
21RUSSO AlessandroMotorrad Rubin Racing TeamSUI1
31THAM DustinTeam MotorradtkeGER1
39WAGNER SandroWörner & HirschGER1
88LEHMANN StefanMotorrad Rubin Racing TeamSUI1
6RIEKE LaurenzLR6-Racing by ZZFGER
15MAIER NicoMotorrad Rubin Racing TeamGER
16PAZERA PatrykPazera Schüller Racing-TeamPOL
20ÖDLUND AndersÖdlund Racing Motorrad RuserSWE
24THIEME JulianPedack MotorräderGER
29DUBLIN IanSKM-Romero MotorsportMYS
35WAGNER RainerWörner & HirschGER
63MORANSKI BartzomiejSchüller Racing-TeamPOL
87LAURIEN KevinTecius & Reimers Racing TeamGER

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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