World Superbike WM IDM

Willkommen zu den Reiterberger-Festspielen am Lausitzring

Markus-Reiterberger_Festspiele-am-Lausitzring
Schnell, schneller, Markus Reiterberger | © FW-Fotografie & Design // Felix Wiessmann

Als geneigter Beobachter und – so dachte ich – „Rennsport-erfahrener“ Knipser & Schreiber muss ich mich kneifen, um die Zahlen, die ich sehe, nicht als „Tagtraum“ einzuordnen. War der erste Tag der freien Trainings am Lausitzring eh schon spannend und actiongeladen genug, toppte Markus Reiterberger heute alles, was man ihm im Vorfeld zugetraut, gewünscht und für ihn erhofft hatte.

Der Tag begann mit etwas Verspätung, denn bereits das erste freie Training in der STK1000 wurde um 30 Minuten nach hinten verlegt, was eine entsprechende Verschiebung im Zeitplan zur Folge hatte. Aber das FP1 der World-SBK mit Markus Reiterberger als Wildcard Fahrer für das Van Zon-Remeha-BMW Superbike Team startete dann doch um 10:10 Uhr und bereits um 10:20 Uhr fand man Markus an Position 6 im Feld der Weltelite wieder.

Insgesamt 19 gezeitete Runden spulte er in dem 60-minütigen Training ab, steigerte sich sukzessiv, arbeitete mit seinem „Familien-Team“ am Setup und als es ca. 10 Minuten vor Ende danach aussah, als sollte er irgendwo bei Platz 9-10 am Ende rauskommen (was jetzt auch nicht so wirklich schlecht gewesen wäre), haute er in seinem letzten Turn nochmals eine persönliche Bestzeit nach der anderen raus.
Am Ende von FP1 stand sein Name an 6. Stelle im Tableau, nur geschlagen von Sykes, Rea, Davies, Savadori und Laverty – aber vor den zwei BMW seines ehemaligen WSBK-Teams, vor Camier, Lowes, van der Mark, Bradl & Co.

Eine 1:37.962 bedeutete am Ende 0,6 Sekunden Rückstand auf den Führenden – mit dem neu aufgebauten BMW-Superbike, beim 2. Roll-Out nach dem Vortest. Was für eine Show, was für ein Statement an all die Kritiker & Neider aus 2016! Dabei dürfte da sogar noch etwas mehr gehen, denn eine 1:37.9 ist Markus auch 2015 auf seinem IDM Superbike bereits als schnellste Rennrunde gefahren – aber es war ja auch nur FP1.

FP2 der World-SBK wurde dann etwas hektisch. Nach knapp 25 Minuten hatten sich nur wenige Fahrer im Vergleich zum FP1 verbessern können. Tom Sykes an P1 feilte an seiner Zeit nochmal knapp 2 Zehntel ab und Marco Melandri gelang es, sich vor Markus und Laverty an Position 5 zu schieben.
Dann platzte Lowes in der ultra-schnellen Passage Kurve 12-13-14 der Motor und Stefan Bradl kam kurz darauf in Kurve 13 auf dem Öl zu Sturz. Er zerstörte seine Fireblade mehr als spektakulär – die Folge waren rote Flaggen und Abbruch des Trainings, bei noch 35 Minuten auf der Uhr.

Als man hoffte, dass nach ca. 20 Minuten Reinigungs- und Aufräumarbeiten das Training endlich weitergehen könnte, zog ein Gewitter über den Lausitzring hinweg, sorgte für kurzfristige Streckenüberschwemmungen und weitere 40 Minuten Verzögerung.
Als das Training dann wieder aufgenommen wurde, hing man ca. 1,5 Stunden im angedachten Zeitplan der 17:45 – 18:15 Uhr eigentlich das erste Qualifying der IDM Superbike 1000 vorgesehen hatte. An Zeitenverbesserungen war auf der nassen, abtrocknenden Piste nicht mehr zu denken und so steht Markus Reiterberger nach FP1 und FP2 auf Platz 7 – was die direkte Qualifikation für das Q2 der besten 12 Piloten am morgigen Tag bedeutet.

Ergebnis FP1 als PDF-Datei
Ergebnis FP2 als PDF-Datei
Kombinierte Trainingszeiten als PDF-Datei

So mussten wir alle etwas länger ausharren, bevor „Uhrwerk-Lightning McReiti“ 😉 meine Kinnlade neuerlich Richtung Erdmittelpunkt fallen lassen konnte. Um 18:55 Uhr gestartet, ließ sich der Bayer wohl erst einmal nicht von der abendlichen Brotzeit weg locken. Auf jeden Fall dauerte es ca. 5 Minuten, bis das auf dem Livetiming ein „Pit-Out“ erschien und Reiti seine Aufwärmrunde antrat. Ca. 3,5 Minuten später musste ich der lieben Kollegin Esther eine Nachricht schreiben und fragen, ob Reiti denn noch alle Latten am Zaun hat.
In der ersten fliegenden Runde brannte er eine 1:39.6 in den Lausitzer Asphalt und hätte eigentlich Feierabend machen können. Auf jeden Fall hätte die Runde schon gereicht, um das Q1 der IDM auf Platz 1 zu beenden und die Konkurrenz evtl. nicht ganz so zu schocken. Im ersten und einzigen freien Training der IDM war er zwar schon eine 1:39.3 gefahren (und damit gerade einmal 1,4 Sekunden langsamer als seine schnellste Zeit auf dem Superbike), aber es hätte eben gereicht.

Und so dachte ich dann ein paar Runden später, als bei Markus „P“ für Pit eingeblendet wurde, dass es gut sei für heute. Doch weit gefehlt… Reiti bekommt den Endorphinspiegel nicht voll vor lauter Fahrspaß, was sich in permanenten Zeitverbesserungen auch mir erschloss. Nach dem 2. Turn war er bei seiner Zeit vom Vormittag angekommen und hatte wieder über eine Sekunde zwischen sich und den nächsten Verfolger gelegt.

Am Ende vom Qualifying der IDM Superbike 1000 – einer nationalen Klasse, oft belächelt und mit Motorrädern gefahren, die näher am Stock- als am Superbike-Reglement angesiedelt sind – stand auf P1 nicht nur der erwartete Name „Markus Reiterberger“: hinter dem Namen stand eine Zeit, die so in der IDM-STK noch nicht gefahren wurde.
Eine 1:38.529 – mit der Reiti sich selbst in der World-SBK unter die Top 10 geschoben hätte und somit auch mit dieser Zeit direkt für das morgige Q2 in der höchsten Seriensport-Weltmeisterschaftsklasse qualifiziert wäre. Das Ganze auf dem weichen Rennreifen.
Aber es gibt ja auch noch die Qualifyer-Reifen, dieses Asphalt-anziehende Magnet-Gummi, welches noch ein paar Zehntel von der Rundenzeit abfeilen kann. Insofern dürfen wir sehr gespannt sein, wohin die Reise morgen noch geht…

Qualifying-1_IDM-Superbike-1000_Lausitzring-2017

Was für ein unglaubliches Ausrufezeichen – was für ein Erfolg für ihn, das Van Zon-Remeha-BMW Team und was für ein Fingerzeig in Richtung BMW-Führungsetage hinsichtlich einem „Werksengagement“ mit dieser Erfolgskonstellation in der Saison 2018…

Lieber Reiti, ich kann nur sagen: Sauber, Bua! 🙂

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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