World Superbike WM

WSBK-Assen – Jonathan Rea gewinnt erstes Rennen nach Ausfall von Chaz Davies

Jonathan Rea heißt der Dominator beim 4. Lauf der World-Superbike auf dem TT-Circuit im niederländischen Assen. Vom FP1 bis zur Superpole 2, Rea war in keiner Session von seinen Konkurrenten zu schlagen. So verwundert es wenig, dass er auch im ersten Rennen den Sieg einfuhr, vor Tom Sykes und Marco Melandri auf den Plätzen 2 und 3. Chaz Davies schied nach tollem Kampf mit Rea eine Runde vor Schluss wegen Defekt an seiner Ducati aus.

Der geneigte Betrachter fragt sich, was Jonny Rea seiner Kawasaki vor Rennbeginn zuflüstert oder ob er derzeit den sprichwörtlichen Tiger im Tank hat!?!
Die Dominanz, die er in dieser Saison bisher an den Tag legt, ist auf jeden Fall mehr als beeindruckend und für seine Gegner sicherlich schon fast deprimierend. Lediglich beim 2. Rennen in Aragón konnte mit Chaz Davies einer seiner Konkurrenten ihm die „perfekte Saison“ etwas vermiesen. Aber ein zweiter Platz dort ließ das Punktepolster des Briten in der WM-Gesamtwertung dennoch auf stolze 50 Punkte nach nur 3 der insgesamt 13 Stationen im diesjährigen WSBK WM-Kalender anwachsen.

In Assen war Rea – bei bitter kalten Außentemperaturen – seiner Konkurrenz in allen Sessions meist haushoch überlegen. Lediglich in der Superpole 2 konnte sein Teamkollege Tom Sykes bis auf gut 2 Zehntelsekunden an ihn heran fahren. Die Konkurrenz hatte da aber schon wieder fast eine Sekunde Rückstand auf die 1:33.5 die Rea in den kalten niederländischen Asphalt brannte. Da dürfte es den ein oder anderen nicht nur ob der kühlen Witterung etwas gefröstelt haben. Das Rea dennoch nicht von der Pole-Position ins Rennen ging, war einem kleinen Zwischenfall in der Superpole 2 zu verdanken. Rea behinderte Chaz Davies auf seiner schnellen Runde, es gab Diskussionsbedarf und einen entsprechenden Einspruch. Die Rennleitung sah das ähnlich und bestrafte Rea mit Startplatz 4 für das erste Rennen.

Tom Sykes startete von der Pole-Position, Chaz Davies von P2 und er ging auch als 1. in die erste Kurve.  Rea kam, von P4 gestartet, bereits als 2. aus der ersten Runde zurück – im engen Clinch mit seinem Teamkollegen Tom Sykes. Der Lokalmatador Michael van der Mark stürzte in Runde 3 per Highsider – wie auch schon 2016 im ersten Rennen scheint er vom Glück auf seiner Heimstrecke nicht wirklich verfolgt. Seinen Teamkollegen Alex Lowes erwischte es in Runde 13 – für Pata Yamaha also eine doppelte Nullnummer.

Von Runde 4 an hing Rea seinem Kontrahenten Chaz Davies im Heck der Ducati – meist nur von knapp einer Zehntelsekunde getrennt. Tom Sykes komplettierte mit ca. 0,2-0,5 Sekunden Abstand das Führungstrio, welches sich auch beständig vom Rest des Feldes absetzen konnte. Bereits nach Runde 7 hatte das Trio gut 3 Sekunden Vorsprung und fuhr konstant 0,5-0,8 Sekunden schneller pro Runde als die Konkurrenz dahinter. Daran sollte sich auch bis zur 17. Runde nichts ändern. Dann aber kam der erste Angriff von Rea auf Davies, den Davies aber noch kontern konnte. Gleiches Spiel und exakt gleiche Manöver eine Runde später – wieder mit Konter von Davies. In Runde 19 dann aber übernahm Rea die Führung etwas früher und Davies erlitt kurz vor der Start-/Zielschikane einen technischen Defekt und musste ausrollen lassen. Rea gab die gewonnene Führung bis zur Zielflagge nicht mehr her, Tom Sykes rückte vor auf Platz 2. Am Ende kam Rea mit 4,5 Sekunden Vorsprung auf seinen zweitplatzierten Teamkollegen über die Ziellinie. Marco Melandri war der glückliche Nutznießer des Pechs von Davies und komplettierte das Podium als Drittplatzierter – allerdings schon mit über 17 Sekunden Rückstand auf Rea.

Man darf gespannt sein, ob es beim morgigen 2. Rennen in Assen irgendeinem Konkurrenten gelingt, an der derzeitigen Vormachtstellung von Jonny Rea zu kratzen. Chaz Davies scheint der einzige Kandidat dafür zu sein, muss aber auch auf die Zuverlässigkeit seiner Ducati hoffen.

Stefan Bradl und Nicky Hayden kämpfen weiterhin mehr mit den Problemen an ihren Red Bull Hondas als mit der Spitze. Beim Heimrennen ihres Honda Ten Kate-Teams gelang Bradl mit P6 aber zumindest etwas Schadenbegrenzung, nach fast desaströsem Start in das Rennwochenende in Assen. Nicky Hayden wurde jedoch nur 14. und als ehemalige Weltmeister in der MotoGP und Moto2, liegt bei beiden die Messlatte und auch die eigenen Ansprüche wohl noch deutlich höher.

Das Ergebnis von Rennen 1 in Assen im Überblick
Pos.#FahrerNat.TeamZeit/Abst.
11Jonathan ReaGBRKawasaki Racing Team
266Tom SykesGBRKawasaki Racing Team4.501
333Marco MelandriITAAruba.it Racing Ducati17.673
412Xavi ForésESPBarni Racing Team Ducati22.569
532Lorenzo SavadoriITAMilwaukee Aprilia30.797
66Stefan BradlGERRed Bull Honda WSBK33.530
740Roman RamosESPTeam Kawasaki Go Eleven39.176
850Eugene LavertyIRLMilwaukee Aprilia39.254
936Leandro MercadoARGIODA Racing Aprilia39.266
102Leon CamierGBRMV Agusta Reparto Corse41.493
1188Randy KrummenacherSUIKawasaki Puccetti Racing43.623
1215Alex de AngelisRSMPedercini Racing Kawasaki48.218
1335Raffaele de RosaITAAlthea BMW Racing Team49.487
1469Nicky HaydenUSARed Bull Honda WSBK50.016
1521Ayrton BadoviniITAGrillini Racing Kawasaki> 1min.
1637Ondrej JezekCZEGrillini Racing Kawasaki> 1min.
OUT7Chaz DaviesGBRAruba.it Racing Ducati
OUT60Michael van der MarkNEDPata Yamaha
OUT81Jordi TorresESPAlthea BMW Racing Team
OUT22Alex LowesGBRPata Yamaha
OUT84Riccardo RussoITAGuandalini Racing Yamaha
Der aktuelle WM-Stand nach nun 7 von 26 Rennen
Pos.FahrerMarkeWM-Pkt.
1Jonathan ReaKawasaki170
2Tom SykesKawasaki111
3Marco MelandriDucati97
4Chaz DaviesDucati95
5Alex LowesYamaha65
6Xavi ForésDucati57
7Michael Van Der MarkYamaha49
8Jordi TorresBMW48
9Leon CamierMV Agusta44
10Eugene LavertyAprilia38
11Nicky HaydenHonda29
12Stefan BradlHonda29
13Román RamosKawasaki27
14Leandro MercadoAprilia24
15Lorenzo SavadoriAprilia21
16Markus ReiterbergerBMW19
17Randy KrummenacherKawasaki19
18Alex De AngelisKawasaki17
19Riccardo RussoYamaha4
20Joshua BrookesYamaha4
21Julian SimonAprilia4
22Ondrej JezekKawasaki3
23Raffaele de RosaBMW3
24Ayrton BadoviniKawasaki3

Quelle Fotos: © Ducati, Kawasaki Racing, Red Bull Honda, Yamaha Racing

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

Kommentar hinterlassen