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FIM CEV Repsol Moto2-EM – „Bienvenidos a Valencia“ hieß es für Lukas Tulovic

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Lukas Tulovic auf seiner Tech3 Mistral 610 Moto2 in Valencia | © FIM CEV Respol

Auf dem vier Kilometer langen Circuit de la Comunitat Valenciana Ricardo Tormo in Cheste, rund 20km von Valencia entfernt, fand vom 27.-29. April der zweite Saisontermin der Moto2 Europameisterschaft statt. Für Lukas Tulovic stand somit Rennen Nummer 3 in der Moto2-EM auf dem Programm. Der 17-jährige Eberbacher kam hochmotiviert und mit dem Selbstvertrauen von drei Podestplätzen aus den letzten vier Rennen in der EM sowie der spanischen Supersport 600 Meisterschaft angereist.

„Valencia ist eine meiner Liebilingsstrecken im Kalender der Moto2-EM“, gab Tulo #3 wie sein Spitzname auf der Maßlederkombi lautet, im Vorfeld zu Protokoll. „Die Strecke ist aufgebaut wie eine kleine Arena, was es für die Zuschauer sehr interessant macht, da sie die komplette Strecke gut überblicken können. Aber auch für uns Fahrer ist Valencia eine mega tolle Strecke, denn man hat viele harte Anbremsmanöver und auch schnelle Kurven, bei denen man das Motorrad viel sliden lassen kann und es über leichte Drifts steuert. Das macht irre viel Spaß und liegt mir bzw. kommt meinem Fahrstil entgegen.“

Viel Spaß und große Freude hatte Lukas Tulovic dann auch direkt am Donnerstag, denn sein spanisches Team WIMU CNS hatte für ihn eine kleine Überraschung parat: In der Box wurde ihm eine nagelneue Tech3 Mistral 610 Moto2-Maschine präsentiert, die das Team extra mit neuem Chassis und neuem Rahmen für das Rennen in Valencia aufgebaut hatte.
Bisher war Tulovic in der EM mit einer 2014er Mistral unterwegs, nun fährt er das neuere 2017er Modell. Das zeigt, wie sehr das Team seinen jungen Fahrer schätzen gelernt hat, denn die gemeinsamen Erfolge in diesem Jahr können sich wirklich sehen lassen.

Nach den nötigen Abstimmungsarbeiten in den freien Trainings am Freitag hieß es für ihn und das Team am Samstag dann, sich für das sonntägliche Rennen eine perfekte Ausgangs- bzw. Startposition zu erfahren.
Von Beginn an konnte er das Tempo der Spitze mitgehen und sicherte sich bereits im ersten Qualifying mit Platz 3 einen Startplatz in der ersten Startreihe. Geschlagen nur von den WM-erfahrenen Piloten Jesko Raffin (SUI) und Edgar Pons (ESP). Auch im zweiten Qualifying lag er kurz nach Beginn auf Platz 3, als dann etwas Regen einsetzte und das Fahrerfeld keine Aussichten mehr auf Zeitenverbesserung hatte. Somit war die erste Startreihe für das Rennen am Sonntag gesichert.

„Wir sind alle sehr glücklich mit dem tollen Qualifikationsergebnis. Erste Reihe hier in Valencia, nur ganz knapp geschlagen von Raffin und Pons – besser geht es eigentlich kaum noch.“, lachte ein sichtlich zufriedener Lukas Tulovic in die Kameras. „Ich bin super motiviert für das Rennen und kann es kaum noch abwarten, an den Start zu rollen.“, fügte er hinzu.

Im morgendlichen WarmUp tauchten zwar leichte Probleme mit der Kupplung an seiner Maschine auf, aber das höchst professionelle Team behob auch diese noch rechtzeitig vor dem Rennstart. So konnte Tulovic bei heftigem Wind auf der Strecke und vor 20.000 Zuschauern unter spanischer Sonne pünktlich um 12.45 Uhr in die Startaufstellung rollen.

Der Start ins Rennen verlief gut. Tulovic konnte sich in den ersten Kurven gegen die Konkurrenz hinter ihm behaupten und verteidigte seinen Platz 3 auch aus der ersten Runde heraus. Nach Runde 3 trennten ihn nur neun Hundertstel von dem vor ihm auf Platz 2 fahrenden Edgar Pons. Jesko Raffin hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits mit über einer Sekunde Vorsprung von den beiden Verfolgern abgesetzt, dahinter klaffte ebenfalls eine kleine Lücke von 0,8 Sekunden auf Platz 4 und folgende.

Nach Rennrunde vier kam Tulovic mit knapp 0,5 Sekunden Rückstand auf Pons über die Linie. Es galt also, die minimale Lücke schnell wieder zu schließen, um sich die Chance auf Platz 2 noch zu erhalten und den Spanier nicht davon ziehen zu lassen.

Doch das Glück auf dem Circuit Ricardo Tormo war ihm nicht hold. In der fünften Runde knickte ihm bei seiner Aufholjagd in Kurve 11 das Vorderrad ein. Er blieb unverletzt, sein Motorrad unbeschädigt und er konnte sich schnell wieder aufrappeln – aber bei der Jagd dem Feld hinterher, auf Platz 22 liegend, stürzte er eine Runde später in Kurve 5 erneut. So kam Tulovic nach 6 von 19 zu fahrenden Runden sichtlich deprimiert in die Box zurück und stellte sein Motorrad ab.

„That’s racing“ wollte man ihm tröstend zurufen. Wer immer am Limit und bei 100% unterwegs ist, der muss eben leider auch mit solchen Ausrutschern rechnen. Die EM-Saison ist noch lang und es liegen noch fünf Veranstaltungen mit acht Rennen vor ihm. Das Rennen um eine Top-Platzierung in der Moto2 Europameisterschaft ist also noch nicht verloren! 

Die nächsten zwei Rennen der Moto2-EM finden am 10. Juni auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya statt. Bis dahin wird sich Tulovic auch in der spanischen Superstock 600 Meisterschaft wieder das Vertrauen in sich und sein Können zurückholen.

„Unverhofft kommt oft“ – oder „wo Schatten ist, da ist auch Licht“…

Zwischenzeitlich ist Lukas Tulovic als Ersatzfahrer für den beim Motocross-Training verletzten Dominique Aegerter vom Team Kiefer Racing für das nächste Moto2™-WM Rennen im spanischen Jerez verpflichtet worden. Somit hat er bereits vom 4.-6. Mai die große Chance, sich und sein Talent auf der MotoGP™-WM Bühne zu zeigen.
Wir werden die Daumen gedrückt halten!

Das Ergebnis der Moto2-EM in Valencia im Überblick

Qualifying / Startaufstellung
1. 1:36,109 Jesko Raffin (SUI)
2. 1:36,540 Edgar Pons (ESP)
3. 1.36,569 Lukas Tulovic (GER)

15. 1::38,629 Matthias Meggle (GER)

Ergebnis Rennen
1. Jesko Raffin (SUI)
2. Edgar Pons (ESP)
3. Augusto Fernandez (ESP)

13. Matthias Meggle (GER)
DNF Lukas Tulovic (GER)

EM-Stand nach 3 von 11 Rennen
1. 66 Punkte Jesko Raffin (SUI)
2. 56 Punkte Augusto Fernandez (ESP)
3. 36 Punkte Dimas Ekky (IDN)

12. 16 Punkte Lukas Tulovic (GER)
15. 7 Punkte Matthias Meggle (GER)

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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