Endurance WM

Arnaud Friedrich: Einen Tag zu jung für die 24h von Le Mans!?!

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Für den jungen Sachsen sollte am Samstag, mit dem Start beim 24h Rennen in Le Mans - ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Nun droht das Aus schon vor Rennstart, wegen 24h, die er sich bei der Geburt zu sehr Zeit gelassen hat... | © LRP Poland

Trotz strahlendem Sonnenschein gab es für die Nr. 1 vom Sachsenring, Arnaud Friedrich vom Team LRP Poland, heute am Rande des Motorsport-Klassikers „24 Stunden von Le Mans“ nichts zu lachen. 
+++ Update vom 20.04.2018: Die finale Entscheidung gegen eine Teilnahme von Arnaud an den Qualifyings ist gefallen. Damit kann er morgen auch nicht an den Start der 24h von Le Man gehen. Ein Statement von ihm findet ihr hier ergänzt. +++

Statement von Arnaud Friedrich, 20.04.2018

Da nun die Medien ausgiebig von meiner Lage in Le Mans berichten, möchte ich auch ein paar persönliche Worte dazu abgeben. Am Mittwoch den 18.04.2018, einen Tag nach dem freien Testtag und 30 Minuten nach meinem Interview bei Euro24, bekam ich einen Anruf mit der Bitte, mich mit meinem Personalausweis bei der Rennleitung einzufinden.
Man hatte festgestellt, mir versehentlich eine Startgenehmigung erteilt zu haben und entzog mir diese wieder. Dies versetzte nicht nur mich sondern auch mein gesamtes Umfeld in einen Schockzusand. Seit Wochen habe ich für dieses Event trainiert und mich vorbereitet.
Nun, es ist wie es ist und macht sicherlich wenig Sinn eine Schuldfrage in den Raum zu stellen – vielleicht hätte meine Mutter bei meiner Geburt etwas mehr Gas geben können.
Für das Engagement aller, die sich dafür eingesetzt haben, dass ich meine Startgenehmigung zurück bekomme, bedanke ich mich – es war einfach nur toll wie alle dafür gekämpft haben, dass ich starten darf.
Die französischen Medien haben mich herzlich empfangen und darum gekämpft, dass ich am Start sein darf. Leider hat das aber alles nichts genützt, doch zumindest dazu beigetragen, dass ich mittlerweile auch Gefallen daran finde, mein Team bei anderen Arbeiten zu unterstützen. Erstaunlich was zu so einem Event dazu gehört – die Stimmung im Team ist top und wir versuchen morgen alles zu geben und mit einer vernünftigen Platzierung ins Ziel zu kommen.

Was war passiert?

Trotz Startgenehmigung verweigerte die FIM Arnaud Friedrich die Teilnahme am Rennen. Grund für diese überharte Entscheidung ist, dass laut Regelwerk eine Teilnahme erst ab 18 Jahren möglich ist. Arnaud feiert aber erst am Samstag, also pünktlich zum Rennstart seinen 18. Geburtstag, was nun zu Problemen führte.

Aus dem Lager des BMW-Piloten ist zu hören:

„Arnaud darf an den Pflichttrainings heute und morgen nicht teilnehmen, weil er aktuell noch 17 Jahre alt ist. Somit hat er aber auch keine Qualizeit und ist damit nicht startberechtigt. Hauptsächlich liegt der Fehler bei der FIM, die ihm ja im Voraus die Starterlaubnis bestätigt und die Lizenz erteilt haben.
Mit viel Mühe wollten wir die FIM Jury seitens des Promoter (Eurosport Event) und mehreren Fürsprechern noch umstimmen. Leider ohne Erfolg. Es läuft derzeit noch ein schriftlicher Antrag auf eine Sondergenehmigung.“

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so hoffen alle Beteiligten auf ein gutes Ende, und dass Arnaud für sein Team LRP Poland am Wochenende doch noch mit der BMW S1000RR über den berühmten Circuit Bugatti von Le Mans jagen wird. Wenn es aber bei der Entscheidung bleibt, dann ist dies auch ein herber Rückschlag für sein Team, denn Arnaud war als Fahrer Nummer 1 gesetzt und einen vierten Ersatzfahrer gibt es nicht. So heißt es aktuell also, dass nur seine beiden Teamkollegen Bartlomiej Lewandowski und Jaroslav Černy als Fahrer zur Verfügung stehen.

Drücken wir Arnaud, seinem Team LRP Poland, seiner Familie und seinen Fans vor Ort also die Daumen, dass die Offiziellen noch ein Einsehen haben und die Tatsache anerkennen, dass Arnaud zum Zeitpunkt des Rennens das vorgeschrieben Mindestalter hat. Es wäre eine Schande und eine überharte Auslegung des Reglements, wenn Arnaud sich zu seinem 18. Geburtstag nicht seinen persönlichen „Lebenstraum“ von einem Start beim berühmtesten 24h Rennen der Welt erfüllen könnte.
Dass es dem jungen Piloten vom Sachsenring nicht an Erfahrung und Können mangelt, hat er – ebenfalls mit Sondergenehmigung – bereits mit 16 Jahren in der Superbike*IDM eindrucksvoll unter Beweis gestellt!

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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