Endurance WM

Arnaud Friedrich: Motorschaden 3 Stunden vor Rennende vereitelt Top-Ergebnis beim Bol d’Or

Vom 15. bis 16. September ging für den Teenager vom Sachsenring ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Sein erstes 24h-Rennen, gemeinsam mit der Weltelite des Motorrad-Langstreckensports, beim Bol d’Or im französischen Le Castellet. Arnaud Friedrich stand als jüngster Fahrer beim ältesten Motorrad-Langstreckenrennen der Welt für das Team LRP Poland am Start.

Das Rennen auf dem Circuit Paul Ricard war das erste Rennen der neuen FIM Endurance WM-Saison 2018/2019. 59 internationale Teams mit Fahrern aus aller Welt hatten ihre Teilnahme an dem seit 1922 ausgetragenen Rennen angekündigt. Mit je 3 Fahrern gingen die Teams am Samstag, pünktlich um 15 Uhr, an den Start. 

Arnaud Friedrich (18) und seine Teamkollegen Bartlomiej Lewandowski (42) sowie Daniel Bukowski (35) hatten sich in den Qualifikationstrainings den 34. Platz für den klassischen ‚Le Mans Start‘ erfahren, wobei Friedrich mit einer Zeit von 1:58,476 im ersten Qualifying (Platz 18 in der Top-Gruppe) die absolute Bestzeit des Trios erzielen konnte. So kam ihm auch die Ehre des Startfahrers zu Teil. 

Vor der beeindruckenden Kulisse von 69.000 begeisterten Fans sprintete er zu seiner Maschine und eröffnete für sein Team die Hatz über 24 Stunden.
„Den Start habe ich etwas verhauen“, gab er selbstkritisch zu Protokoll. „Aber ich konnte mich in der ersten Stunde wieder gut vorarbeiten und habe das Motorrad an Position 26 liegend an Daniel übergeben. Danach haben wir uns sukzessive nach vorn gearbeitet und nach 5 Stunden lagen wir bereits auf Platz 19 im Gesamtklassement und auf Platz 14 in der EWC Klasse.
Leider erwischte mich dann in meinem 3. Stint der Technikteufel. Der Kühlerschlauch hatte sich gelöst und sprang während der Fahrt ab. Einen Sturz auf der austretenden Kühlflüssigkeit konnte ich nur knapp verhindern und schleppte mich dann in die Box. Das Team hat aber einen Top-Job gemacht und nach nur gut 6 Minuten war das Motorrad wieder einsatzbereit. Da hatte ich zwar dann 3 Runden verloren und kam auf Platz 33 wieder zurück ins Feld, aber das Rennen war ja auch noch lang. Nach mir ist Daniel wieder raus und hatte bei der Aufholjagd noch einen kleinen, eher leichten Sturz, was uns abermals ein paar Plätze zurück warf“, schilderte Friedrich das erste Renndrittel.

Nach 8 Stunden lag das Team so auf Platz 34 und es folgte eine beeindrucke Aufholjagd durch die Nacht. „Die Nacht lief super für uns, auch wenn ich offen zugeben muss, dass ich trotz knapp 20 Grad ordentlich auf dem Motorrad gefroren habe. Das wenige Schlafen war wirklich der Horror für mich und hat extrem am Körper gezehrt. Auf dem Motorrad lief es jedoch super, auch wenn mir in der Box wirklich alles weh tat. Aber ich hatte keine Probleme bei meinen Stints und auch Daniel und Bartlomiej haben Top-Zeiten hingelegt. Es sah alles danach aus, als ob wir ein Top-Ergebnis einfahren könnten und nach 20 Stunden hatten wir uns dank der hervorragenden Teamarbeit bis an die Top 20 heran gekämpft. In unserer Klasse lagen wir sogar – auch dank einiger Ausfälle und Probleme bei unserer Konkurrenz – auf Platz 12 und damit gut in den Punkten“, so Friedrich weiter.
„Dann kam mein neunter und vorletzter geplanter Stint. Als ich die Mistral-Gerade mit knapp 345 km/h Top-Speed absolviert hatte, ist dann leider der Motor hochgegangen. Ich habe das Motorrad zwar noch bis in die Box geschoben, aber hier haben wir dann festgestellt, dass ein Ventil abgerissen war. Also ein irreparabler Motorschaden – und das nach knapp 21 Stunden hartem Racing. Ich war natürlich super enttäuscht, denn ich hätte mein erstes 24h Rennen gern mit dem Team ins Ziel gebracht. Aber so ist das in der Langstrecke nun einmal… Und auch wenn es kein Trost ist, so waren wir ja nicht die Einzigen, die durch technischen Defekt ausscheiden mussten“, schilderte Friedrich den Ausfall und seine Emotionen. Die Enttäuschung über den technischen Defekt und das damit verbundene Ausscheiden war jedem im Team anzusehen. 

Nach einer nächtlichen Heimfahrt und ein paar Stunden Schlaf konnte Arnaud Friedrich aber auch wieder die positiven Dinge sehen und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir haben über knapp 21 Stunden als Team eine sehr gute Leistung gezeigt. Wenn uns das Technikproblem nicht ereilt hätte, wäre für uns ein Platz unter den Top 15 in der FIM EWC möglich gewesen. Mit der Gewissheit gehen wir jetzt in die Winterpause und bereiten uns auf die 24h von Le Mans vor, die vom 20. bis 21. April 2019 ausgetragen werden. Wir können Stolz sein auf das, was wir gezeigt haben. Dass bei einem 24h Rennen auch die Technik mal den Geist aufgibt, ist auf dem Niveau leider nicht auszuschließen. Wir fahren mit Top-Speeds von deutlich über 340 km/h kaum langsamer als die MotoGP – dafür aber über eine viel, viel längere Distanz. Da gehören dann auch die Ausfälle dazu, auch wenn sie schmerzen. Von den 59 gestarteten Teams sind in diesem Jahr 37 in die Wertung gekommen – im letzten Jahr waren es sogar nur 29. Jetzt sehen wir zu, dass wir in Le Mans zu den Finishern gehören, damit ich auch mal mein erstes 24h Rennen ins Ziel bringe.“

Die Ergebnisse des Bol d’Or 2018

Qualifying / Startaufstellung

1. 1:54.905 Team SRC Kawasaki France
2. 1:55.235 F.C.C. TSR Honda France
3. 1:55.255 YART – Yamaha Austria Racing Team
34. 1:59.855 Team LRP Poland – Arnaud Friedrich, Bartlomiej Lewandowski, Daniel Bukowski

Rennen

1. F.C.C. TSR Honda France (698 Runden à 5,673 km -> ca. 3.960 km)
2. YART – Yamaha Austria Racing Team
3. WEPOL Racing
DNF Team LRP Poland (578 absolvierte Runden in 20:52:11)

Fakten
  • 37 von 59 gestarteten Teams in der Endwertung
  • Gesamtdistanz des Siegers: 698 Runden à 5,673 km (ca. 3.960 km)
  • Schnellste Rennrunde: 1:55,487 (176,8 km/h) von Broc Parkes (YART Yamaha)
  • Top-Speed Rekord: 349,5 km/h am Ende der Mistral-Gerade

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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