IDM Superbike Endurance WM

Interview mit Florian Alt: FIM EWC mit Viltaïs Experiences, IDM Zukunft noch ungewiss

Mit Florian Alt kehrte 2016 ein Fahrer aus der Moto2 WM in die IDM zurück. Bereits von 2009 – 2012 hatte er hier, in der IDM 125 und parallel zu seinen Rennen im Red Bull Rookies Cup, u.a. für das Team Freudenberg Racing seine Karriere begonnen. Gekrönt wurde dieser Doppeleinsatz in 2012, als er sowohl die IDM 125 wie auch den Red Bull Rookies Cup für sich entscheiden konnte. Was folgte, war der logische Aufstieg in die Moto3 WM mit dem Kiefer Racing Team.

Doch das Jahr 2013 in der Moto3 sollte von Problemen geprägt sein. Florian erlebte damals einen Wachstumsschub der besonderen Art und war eigentlich schon zu Beginn der Saison zu groß für die kleine Moto3 Maschine. Zudem wurde der enorme Schub an Größe von körperlichen Problemen begleitet, die eben mit solch schnellem Wachstum einhergehen. So folgte, nach einer punktlosen Saison, was folgen musste: Flo musste aussetzen und hatte 2014 erst einmal keinen Vertrag in der Tasche.

Aber das Team Freudenberg Racing wäre nicht über alle Grenzen hinweg als „Nachwuchsteam mit Herz & Verstand (für schnelle Talente)“ bekannt, wenn sie ihren – auch ehemaligen – Fahrern in solch schwierigen Situationen nicht beistehen würden. Gegen Ende der Saison kam Flo, wie er meist genannt wird, so zu zwei Gaststarts in der IDM Supersport 600.
Und die neue Klasse sowie das größere Motorrad schienen ihm zu liegen. Sowohl in Assen wie auch in Oschersleben brannte er – als Gaststarter! – im Qualifying jeweils die Bestzeit in den Asphalt und sicherte sich so die Pole-Position im IDM SSP Grid.

Zwar folgte im ersten Rennen in Assen damals noch ein Ausfall, Rennen 2 konnte er aber gegen die erfahrenere Konkurrenz von u.a. Marvin Fritz, Roman Stamm, Pepijn Bijsterbosch, Stefan Kerschbaumer, Rob Hartog u.a. gewinnen. In Oschersleben reichte es beim einzigen Rennen auch zu Platz 3 – und damit wieder fürs Podium.

So verwundert es auch nicht, dass der Weg für ihn 2015 wieder zurück in die Weltmeisterschaft führte. Dieses Mal mit dem Ioda Racing Team in die Moto2 auf Suter. Zwar blieb auch diese Saison ohne Belohnung durch WM Punkte, aber ihm gelang trotzdem beim British Grand Prix in Silverstone die schnellste Rennrunde im Feld!
Damit hatte er dann solchen „Blümchenpflückern“ 😉 wie Johann Zarco, Alex Rins, Tito Rabat, Alex Marquez, Jonas Folger, Sam Lowes, Anthony West, Sandro Cortese, Thomas Luthi, Marcel Schrötter, Dominique Aegerter, Luis Salom, Mika Kallio und Jesko Raffin – die sich damals in der Moto2 WM balgten – gezeigt, wie ein Bergischer Junge von knapp 190cm Länge am Kabel ziehen kann.

Aber schnellste Rennrunden werden auch in der Moto2 nicht mit Verträgen belohnt. Und so kam Flo 2016 mit dem Team Yamaha MGM von Michael Galinski in die IDM zurück und startete seine Debütsaison direkt in der Superbike*IDM, die damals noch eine echte Superbike Klasse war.

Mit vier dritten, fünf zweiten und zwei ersten Plätzen beendete er seine „Rookie-Saison“ in der höchsten deutschen Rennserie als Vizemeister. Lediglich geschlagen von Marvin Fritz, der am Ende der Saison 46 Meisterschaftspunkte mehr auf dem Konto hatte. Aber es war ein Einstand nach Maß und die potente und große Tausender entpuppte sich als „wie auf den Leib geschneidert“ für Flo, der offiziell mit 189cm und 72kg Körpergewicht in den Statistiken geführt wird.

Für 2017 galt er daher zu Saisonbeginn auch als einer der Mitfavoriten auf den Titel. Und wäre nicht der alles überragende und dominierende Markus Reiterberger aus der World-SBK in sein Wohlfühl-Team zurückgekehrt, es hätte auch funktionieren können. So aber kam es – wie wir alle wissen – anders: Reiti fuhr eine Saison, wie sie die IDM in ihren 70 Jahren Geschichte noch nicht gesehen hat. Am Ende blieb für Flo wieder „nur“ der Vizetitel – dieses Mal aber mit gehörigem Abstand zum Ersten.

Etwas Trost dürfte er aber in seinem FIM EWC Team, Yamaha Viltaïs Experiences gefunden haben, bei dem er 2017 gemeinsam mit seinem MGM Teamkollegen Bastien Mackels als Fahrer in der Stocksport-Klasse verpflichtet wurde. Am Ende der über den Jahreswechsel angesetzten Saison 2016/2017 konnte er sich „Team World-Cup Gewinner“ in der FIM EWC Stocksport-Klasse nennen.
Und zumindest bei Yamaha Viltaïs Experiences geht es für Flo (mit der Saison 2017/2018) auch in diesem Jahr sportlich weiter. Nur ein IDM Team, mit dem er dann in 2018 auch reelle Chancen auf den Titel hat, hat er bisher noch nicht gefunden.

Hier das Interview von Viltaïs Experiences, welches wir mit Dank hier veröffentlichen dürfen
Florian, wie sehen deine Pläne aus?

Ich werde 2018 auf jeden Fall wieder in der Endurance-WM starten. Mit dem gleichen Team, mit dem ich 2017 den World-Cup gewonnen habe.

Also mit Viltaïs Experiences. Es war ja ein offenes Geheimnis, dass Viltaïs in die Open Class aufsteigen will, wird das so sein und werden wir dich dann in Suzuka sehen?

Nach langem Abwägen hat der Teamchef entschieden, noch eine Saison in der Stocksport-Klasse zu fahren. Es war nicht möglich gewesen, in der Kürze der Zeit ein Top-Setup hinzubekommen, mit dem man auch mit der Spitze mithalten kann. Zumal der bisherige Reifenlieferant Michelin sich aus der Endurance-WM zurück gezogen hat und mit Dunlop ein neuer Top-Partner gefunden wurde, aber die Zeit zum Testen doch recht kurz war. Und Viltaïs macht es lieber richtig oder gar nicht. Deswegen noch ein Jahr Stocksport. Für mich ist das vollkommen ok, denn mit dem Stocksport-Reglement bin ich näher an den normalen Superbikes und die Umstellung fällt leichter. Und für Suzuka habe ich mir vorsorglich eine Freigabe in den Vertrag bauen lassen.

Apropos Superbike, wie sehen denn deine Pläne mit der IDM aus?

Nachdem ich direkt in meiner ersten Saison Zweiter geworden bin und auch 2017 die Vizemeisterschaft holte, kann der nächste Schritt nur die Meisterschaft sein. Seit dem Sommer spreche ich mit verschiedenen Teams, aber bisher war keine Möglichkeit so, dass ich den Glauben entwickeln konnte, um die Meisterschaft ernsthaft mitzukämpfen.

Du hättest doch nur mit MGM zu verlängern brauchen.

Na ja , zum einen hat es von MGM zu keinem Zeitpunkt ein wirklich belastbares Angebot gegeben. Zum anderen muss man doch auch konstatieren, dass die Vizemeisterschaften 2016 und erst recht 2017 den Eindruck vermitteln könnten, dass man bei der Musik dabei war. Stimmt so aber leider nicht. 2017 hatte ich nie den Hauch einer Chance um Markus Reiterberger wirklich ernsthaft herausfordern zu können, da fuhren wir in zwei verschiedenen Welten. In 2016 war es ähnlich, zunächst keine Chance gegen Gines, aber auch später gegen Marvin Fritz fehlte was.

Du meinst die Reifen, ihr wart als einziges Team auf Dunlop unterwegs?

Das wäre viel zu einfach. Fakt ist, im Vergleich zu 2016 haben wir 2017 mit unserer Gesamtperformance einen Sprung gemacht. Aber die anderen Teams bleiben ja nicht stehen, so dass wir 2017 wieder diese Lücke von einigen Zehnteln schließen mussten. Das ist nicht gelungen. Fakt ist aber auch, dass die Dunlop Reifen in anderen nationalen Klassen sehr gut funktionieren, z.B. in der starken spanischen Superbike Meisterschaft. Und dort ist es auch noch wärmer (Anmerkung: in der IDM hatten die Dunlop Teams ausgerechnet bei Hitze immer die größten Probleme).
Und in der Endurance-WM sind die auch top. Ich bin ja Dunlop-Testfahrer, aber die Ergebnisse bei den Tests auf der Dunlop-Teststrecke in Mireval – da halte ich den Streckenrekord – haben wir fast nie in die IDM transformieren können.

Und wie geht es jetzt weiter?

Das, was mir vorschwebt, habe ich ja bereits gesagt. Aber wenn wir einen genaueren Blick auf die Situation der IDM werfen, ist Ende Februar noch ein ganzer Haufen Fragen offen. Zuvorderst die nach dem technischem Reglement. Gibt es Einheitsreifen? (Anmerkung: Mittlerweile ist klar, dass die IDM 2018 exklusiv von Pirelli ausgerüstet wird.) Was ist mit der Elektronik? Was ist mit den technischen Freiheiten, wie von vielen Teamchefs gefordert? All das steht immer noch nicht fest.
Dass der Promoter versucht, möglichst viel Geld herauszuholen, ist klar. Auf der anderen Seite würden z.B. Einheitsreifen die Sache für die Teams nicht einfacher oder preiswerter machen, denn der Preis für das Monopol würde vom Reifenlieferanten auf die Reifen und damit auf die Teams umgelegt werden. Das wiederum bedeutet, dass die Teams, die ohnehin schon deutlich weniger an Unterstützung durch die Hersteller erfahren, weitere Mittel benötigen. Und wo holen die sich diese her? Genau, von den Fahrern! Ich halte diese Entwicklung für falsch, denn es sollten doch die schnellsten Fahrer auf dem Bike sitzen und nicht die mit der größten Mitgift.

Aber ein Florian Alt wird das nicht ändern.

Nein, natürlich nicht. So naiv bin ich nicht. Deswegen schaue ich mir alles in Ruhe an und werde erst entscheiden, wenn alle Karten auf dem Tisch liegen und das Reglement feststeht.

Und was ist, wenn nichts dabei ist, mit dem du dich zu 100% identifizieren kannst?

Dann fahre ich eben nicht. Mein Ziel ist klar: wenn ich als Permanent-Starter an den Start gehe, muss ich die Möglichkeit haben um den Sieg zu fahren. Wenn nicht, dann kein Permanent-Start.

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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