Endurance WM

WM-Punkte unter schwierigen Bedingungen am Slovakiaring für Friedrich & Vincon

In der FIM Endurance Weltmeisterschaft – EWC standen für Arnaud Friedrich und seine Teamkollegen Bartlomiej Lewandowski (POL – Teamchef) und Dominik Vincon (GER) im Team LRP Poland vom 9. bis 11. Mai die 8 Stunden vom Slovakiaring auf dem Programm.

Hatten die Teams und Fahrer im letzten Jahr an gleicher Stelle noch mit großer Hitze und Streckentemperaturen jenseits der 50° Celsius zu kämpfen, erwarteten den EWC-Tross in diesem Jahr ganz andere Bedingungen, als sie am Donnerstag zum ersten Training auf dem ca. 35km südöstlich von Bratislava gelegenen und 5,922 Kilometer langen Slovakiaring antraten. 

Kühle Temperaturen und immer wieder mal kleinere Regenschauer brachten vor allem die Reifen an ihre Grenzen. Fast alle Teams hatten bei den wechselhaften Mischbedingungen mit massiven Gripproblemen zu kämpfen, und leider erwischte es auch Arnauds Teamkollegen Dominik Vincon, der im freien Training bereits nach zwei Runden stürzte und sich eine massive Prellung* an der Hand zuzog, die ihn noch das gesamte Wochenende beschäftigen sollte.

„Der Donnerstag war wirklich schwierig für uns alle“, urteilte Arnaud nach den Qualifyings. „Zuerst der Sturz von Dominik im Training am Morgen, dann hatten wir zu den beiden Zeittrainings auch noch wechselhafte und regnerische Bedingungen. Slicks, Intermediates, Regenreifen – alles wurde mal montiert und gefahren, aber nichts passte wirklich perfekt für die jeweiligen Streckenbedingungen. Am Ende haben mit dem 24. Startplatz noch Schadensbegrenzung betrieben und müssen zufrieden sein, dass wir unter diesen Bedingungen und mit der Verletzung von Dominik mit allen drei Fahrern die Qualifikation für das Rennen geschafft haben“, so Arnaud weiter. 

Unter normalen Umständen hätten sicherlich viele Teams auf die Zeitenjagd bei den Bedingungen am Donnerstag verzichtet. Allerdings war das Rennen am Slovakiaring das erste „Double Header“ Event der FIM EWC, bei dem neben den Motorrädern der Langstrecken WM auch noch die Autos der FIA WTCR für ihre Rennen auf der Strecke zu Gast waren. Das hieß für die EWC-Teams, dass sowohl Freies Training wie auch beide Qualifikationstrainings am Donnerstag absolviert werden mussten und die Teams am Freitag zum Zuschauen verdammt waren. Für die Zuschauer vor Ort sicherlich ein attraktives Angebot, für Teams und Fahrer jedoch eine Konstellation, die oft mit Problemen bei Logistik, Ablauf, wie auch Grip auf der Strecke einhergeht. Aber damit hatten eben alle Teams gleichermaßen zu kämpfen.

So war die Vorfreude am Samstag, als Arnaud erneut als Startfahrer für das Team LRP Poland in die Startaufstellung rollte, groß, dass zu dem Zeitpunkt die Strecke trocken und die Sonne zu sehen war. Dominik Vincon hatten den freien Tag zur Kühlung seiner verletzten Hand genutzt und konnte zumindest eine größere Schwellung verhindern. Aber auch wenn der Handschuh noch passte, es war vor Rennstart bereits klar, dass er für das Team nur zwei Stints fahren können würde. Die Schmerzen in der Hand beim Fahren waren auf Dauer einfach zu groß.

„Den Start habe ich wieder gut erwischt und ich konnte mich in den ersten 30 Rennminuten auch sukzessive im Feld vorarbeiten“, resümierte Arnaud nach dem Rennen. „Nach circa 35 Minuten lag ich auf Platz 17 im Feld, als ich beinahe mit einem anderen Fahrer kollidierte und ich durch das Kiesbett ausweichen musste. Einen Sturz konnte ich damit zwar vermeiden, bin aber wieder bis auf Platz 27 im Feld zurückgereicht worden. Bis zum Ende meines ersten Stints hab ich mich dann noch auf Platz 24 vorgekämpft, bevor ich an Bartek übergeben habe“, schilderte er den Rennauftakt.

Danach lief es für das Team eigentlich nach Wunsch. Trotz seiner Verletzung legte auch Dominik Vincon gute Rundenzeiten hin, die Technik lief halbwegs fehlerfrei und die Boxencrew arbeitete gewohnt perfekt bei den Tankstopps und Reifen- sowie Fahrerwechseln.

„In meinem zweiten Stint hatte ich kurz mit kleinen Elektronikproblemen zu kämpfen, als die Traktionskontrolle für ein paar Runden ausgefallen ist. Aber das hat sich von selber wieder erledigt und ich konnte mir auch einen schönen Fight mit Lucy Glöckner liefern. Mein dritter Stint verlief komplett ohne Probleme“, so Arnaud. Nach der Hälfte der Renndistanz fand sich das Team auf Platz 15 wieder, belegte in der EWC Klasse sogar den 8. Platz. 

„Als Dominik dann zum zweiten Mal draußen war, fing es an zu regnen. Bartek ist dann mit Regenreifen in seinen Stint gegangen, aber das stellte sich als falsche Reifenwahl heraus und wir haben viel Zeit verloren. Auch bei meinem vorletzten Stint bin ich bei Regen auf Regenreifen raus, dann hat es wieder aufgehört und die Strecke trocknete erneut ab. Es war zum Ende hin eine reine Reifen- und Wetterlotterie“, beschrieb Arnaud die Schwierigkeiten, mit denen alle Teams zu kämpfen hatten.

Zum Rennende waren es dann wieder trockene Bedingungen und das Team überquerte bei den 8h vom Slovakiaring auf dem 16. Gesamtrang (Platz 9 in der EWC Klasse) die Ziellinie. Damit holten sie auch die ersten fünf WM-Punkte in dieser Saison.

Vom 6. bis 9. Juni geht es dann zur German Speedweek und zu den 8h von Oschersleben, wo das Team bereits im letzten Jahr WM-Punkte einfahren konnte. Für Arnaud liegen vorher noch Tests sowie vom 31.5. bis 2.6. die Rennen 3 & 4 im FIM Europe Superstock 1000 Cup auf dem TT Circuit Assen an, bei denen er seine aktuelle Führung im Gesamtklassement natürlich verteidigen und möglichst auch ausbauen möchte.

*Ergänzende Information: Die vermeintliche „Prellung“ von Dominik Vincon stellte sich im Nachhinein als veritabler Bruch an seiner Hand heraus. Vincon wurde im heimatlichen Krankenhaus operiert, trägt nun ein paar Metallteile mehr in der Hand mit sich herum, und wird hoffentlich zum krönenden Saisonabschluss in der FIM EWC Saison 2018/2019 in der Motorsport Arena Oschersleben, vom 6. bis 9. Juni 2019, wieder fit und einsatzfähig sein.

Die Ergebnisse der 8h vom Slovakiaring 2019

Qualifying / Startaufstellung

1. 2:14.279 YART – YAMAHA
2. 2:15.107 F.C.C. TSR Honda France
3. 2:16.301 Suzuki Endurance Racing Team
24. 2:24.742 Team LRP Poland – Arnaud Friedrich, Dominik Vincon, Bartlomiej Lewandowski

Rennen

1. YART – YAMAHA
2. Suzuki Endurance Racing Team
3. F.C.C. TSR Honda France
16. Team LRP Poland (206 absolvierte Runden, 9. EWC-Klasse) 

Fakten
  • 28 von 32 gestarteten Teams in der Endwertung
  • Gesamtdistanz des Siegers: 218 Runden à 5,922 km (ca. 1.291 km)
  • Schnellste Rennrunde: 2:03.886 (172,0 km/h) von Mike di Meglio (F.C.C. TSR Honda France)

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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