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Lukas Tulovic fährt an die Spitze der Spanischen Meisterschaft

Nach seinen zwei Moto2 WM-Einsätzen galt es für Lukas Tulovic vom 24. – 27. Mai, sich wieder in der Spanischen Superstock 600 Meisterschaft durchzusetzen. Beim Heimrennen seines spanischen Teams WIMU CNS auf dem Circuit Barcelona-Catalunya waren die Erwartungen hoch. Galt es doch, vor den Sponsoren und Freunden des Teams ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Tulovic und sein Team blieben professionell cool und arbeiteten von Donnerstag an hoch konzentriert. Schließlich galt es nach der Moto2 EM auf Mistral und der Moto2 WM auf KTM erst einmal, sich wieder an die seriennahe Yamaha YZF-R6 zu gewöhnen und ein passendes Setup für das Wochenende zu finden.

„In der ersten Trainingssession war es noch etwas schwierig, sich wieder an die Standard-Maschine zu gewöhnen“, resümierte Tulovic nach den Trainingstagen. „Das Fahren damit ist viel softer und ruhiger als mit den reinrassigen Rennmotorrädern. Aber wir haben am zweiten Tag riesen Fortschritte beim Setup gemacht und noch 1,2 Sekunden bei der Rundenzeit gefunden. Im dritten freien Training konnten wir an der Gabel und auch bei der Elektronik der Motorbremse einen deutlichen Schritt nach vorne machen und ich konnte eine neue Reifenmischung von Michelin testen, die unfassbar viel Grip bot.“ 

Optimistisch ging Tulovic in die beiden Qualifyings. „Im ersten ging es hin und her“, schildert der Teenager. „Mal lag ich vorne, dann wieder auf Position 3. Wir haben zur Hälfte der Session einen Qualifyerreifen aufgezogen, der circa vier Runden hält. Ich habe damit eine richtig gute Zeit in den Asphalt gebrannt, die mich auf Platz 2 gebracht hat. Aber ich wollte halt nach ganz vorne und hab es dann ein bisschen übertrieben. Am Kurveneingang ist mir das Motorrad hinten rumgekommen und ich bin mit einem Highsider abgestiegen. Viel Materialschaden, aber mir ging es Gott sei Dank gut. Mein Team hat dann in der kurzen Zeit das Bestmögliche getan, um mir für die zweite Session ein fahrbereites Bike hinzustellen. Aber ich habe dann schon beim Rausfahren gemerkt, dass es nicht so richtig passte.“

So blieb es bei Startplatz 3 – bei einer Meute von 33 heißblütigen spanischen Nachwuchspiloten ist ein Platz in der ersten Startreihe allerdings viel wert. Auch den Fehler am Motorrad konnte das Team am Samstagabend noch finden, so dass die Vorzeichen für das Rennen am Sonntag sehr gut standen.

Bei idealen äußeren Bedingungen gelang Tulovic ein perfekter Start ins Rennen. Aus der ersten Runde kehrte er an der Spitze des Feldes zurück. Danach folgte über 15 Rennrunden ein Kampf, wie er enger nicht hätte sein können. In den Runden 2 und 3 wechselte die Führung zwischen ihm und seinem spanischen Konkurrenten Marc Alcoba Espi quasi im Sekundentakt. Dann konnte sich Tulovic durchsetzen und führte vier Runden lang das Feld an. Nur absetzen konnte er sich nicht, denn hinter ihm folgten in Hundertstel- und Zehntelabständen sein Teamkollege Javier Orellana Malloy, Espi und Miquel Pons Payeras.

Diese Vierergruppe bot den Zuschauern Racing-Action vom Allerfeinsten. Die Runden 9-16 sahen Führungswechsel en masse und der eine oder andere Ausrutscher im hinteren Feld sorgte für noch mehr Würze in einem Rennen, welches auf der Speisekarte einer spanischen Tapas-Bar wohl schon als würzig-scharf deklariert werden müsste. In der Führungsgruppe erwischte es vier Runden vor Schluss Tulovics Teamkollegen. Aber auch Tulo #3 und seine Mitstreiter bauten die eine oder andere Schrecksekunde ein, was bei einem Kampf „Verkleidung an Verkleidung“ und auf der letzten Rille nicht ausbleibt.

„Ich wusste, dass ich um den Sieg würde mitfahren können, nachdem mein Team WIMU CMS die Probleme vom Vortag beseitigt hatte und wir im Warm-Up wieder ganz vorne dabei waren“, teilte Tulovic seinen Fans auf Facebook per Videobotschaft mit. „Es war ein echt spannendes Rennen. Am Schluss ist dann Espi vorne gefahren und ich hatte schon auch ein Auge auf die Meisterschaftswertung. Eine Runde vor Schluss habe ich noch einen kleinen Fehler gemacht und so ist die Lücke zu ihm aufgegangen. Ich habe den zweiten Platz aber gern mitgenommen und bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Klar wäre es schön gewesen, hier beim Heimrennen des Teams den ersten Sieg einzufahren. Aber wir sind jetzt mit 11 Punkten vorne in der Meisterschaft und beim nächsten Rennen greifen wir wieder an und versuchen zu gewinnen.“ 

Tulovic hat jetzt noch ein paar Tage Ferien, die er zur Entspannung aber auch zum weiteren Lernen für sein Abitur nutzen will. In zwei Wochen, vom 8. – 10.  Juni, geht es für ihn in der Moto2-EM wieder und erneut in Barcelona weiter. Das nächste Rennen der spanischen STK600-Meisterschaft findet vom 22. – 24. Juni auf dem Circuito de Navarra statt.

Die Ergebnisse vom Wochenende im Überblick

Qualifying/Startaufstellung

1. 01:46.941  Javier Orellana Malloy (ESP)
2. 01:47.118  Marc Alcoba Espi (ESP)
3. 01:47.169  Lukas Tulovic (GER) – Team WIMU Yamaha CNS

Ergebnis Rennen

1. Marc Alcoba Espi (ESP)
2. Lukas Tulovic (GER) – Team WIMU Yamaha CNS
3. Miquel Pons Payeras (ESP)

Meisterschaftsstand nach 2 von 6

1. 40 Punkte: Lukas Tulovic (GER) – Team WIMU Yamaha CNS
2. 29 Punkte: David Sanchis Martinez (ESP)
3. 27 Punkte: Miquel Pons Payeras (ESP)

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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