IDM

Paukenschlag für die IDM 2018: Pirelli wird alleiniger Reifenlieferant in den IDM Soloklassen

Pirelli wird exklusiver Reifenlieferant in der IDM für 2018 und 2019
IDM unter Pirelli-Branding gab es in den letzten Jahren nur bei gemeinsamen Events mit der World-SBK | © 2016 Andreas Weinand // Superbike*IDM

Per Pressemitteilung hat heute der Reifenhersteller Pirelli darüber informiert, dass zwischen der Pirelli Deutschland GmbH und der Motor Presse Stuttgart GmbH & Co KG für die IDM Saison 2018 sowie 2019 ein Exklusivvertrag als Reifenlieferant abgeschlossen wurde. Damit bekommen insbesondere die Teams und Fahrer ein Problem, die bereits langjährige Beziehungen und auch aktuelle Verträge mit Dunlop für die Saison 2018 abgeschlossen hatten. Allen voran wären das die Teams Yamaha MGM sowie Wilbers BMW und – als bisherige Dunlop-Fahrer – auch Lucy Glöckner sowie Kevin Wahr.

Hier die offizielle Pressemitteilung vom 01.03.2018:

Mit dem Start der IDM-Saison 2018 wird PIRELLI zum exklusiven Reifenlieferanten aller Teilnehmer in den Rennklassen Superbike 1000, Supersport 600 und 300 sowie Superstock 600. Diese Klassen – mit Ausnahme der Superstock 600 – werden alle auch bei der Superbike-Weltmeisterschaft gefahren. Eine entsprechende Vereinbarung für die Jahre 2018 und 2019 wurde heute zwischen dem Veranstalter der Rennserie, der Motor Presse, und der PIRELLI Deutschland GmbH getroffen. Damit folgt die höchste deutsche Motorradrennsportserie dem Beispiel von renommierten Veranstaltungen wie der Superbike-WM (WorldSBK) oder der British Superbike Championship (BSB), die bereits seit einigen Jahren auf PIRELLI als Serienausstatter setzen. Wie bereits bei diesen Rennserien werden die Piloten in der IDM mit den Reifentypen Diablo Superbike (in der Klasse Superbike 1000) und Diablo Supercorsa (in allen anderen Klassen) an den Start gehen.

Die Erfahrung aus diesen Rennserien hat gezeigt, dass mit Einführung einer Einheitsreifenregelung die Leistungsdichte über das gesamte Feld hinweg steigt und die Attraktivität des Sports insgesamt zunimmt. „Das ist ein großer Vorteil vor allem für die Fans, aber dadurch mittelbar auch für die Fahrer und die Teams, da mehr Zuspruch zu der Serie sich natürlich in einem steigenden Interesse der Sponsoren bemerkbar macht“, erklärt Matthias Schröter, Leiter des Action Teams der Motor Presse, das als Promotor der IDM fungiert. „Für die zielgerichtete Weiterentwicklung unserer Rennserie ist die neue Vereinbarung ein zentraler Baustein. Ein wichtiger Punkt ist dabei, dass das Konzept von PIRELLI auch der Talentförderung einen hohen Stellenwert einräumt.“

„Da unsere Marke einen großen Anteil Rennsport in ihrer DNA hat, liegt uns die Entwicklung der IDM und des deutschen Motorradrennsports insgesamt sehr am Herzen“, erklärt Michael Müller, verantwortlich für das Zweiradreifengeschäft in der Region DACH und BeNeLux bei PIRELLI. „Wir sind uns sicher, dass mit den richtigen Weichenstellungen die IDM zu einem Sprungbrett für eine internationale Karriere werden kann. Dies gilt sowohl für deutsche Fahrer als auch für Piloten aus anderen europäischen Ländern. Hierfür müssen zwei Faktoren passen: die Größe und Qualität der Starterfelder sowie eine enge Verzahnung mit den Rennen der Superbike-WM. Bei beiden Aufgaben wollen wir die Organisatoren der Serie nach Kräften unterstützen.“

Als neuer Partner der Serie hat Pirelli in enger Abstimmung mit den IDM-Verantwortlichen ein breit angelegtes Förderkonzept für die IDM entwickelt, das explizit auch die 600er und 300er Nachwuchsklassen einschließt. Grundlage des Konzepts ist es, dass PIRELLI die Top-Fahrer in allen Rennklassen beim Aufstieg in die nächsthöhere Kategorie der IDM aktiv unterstützt. Hinzu kommt eine Option in Richtung Weltmeisterschaft: „Durch unsere langjährige Tätigkeit als Reifenausstatter der Superbike-WM haben wir sehr gute Kontakte zu den Veranstaltern und Teams dieser Rennserie“, ergänzt Michael Müller. „Diese Verbindungen wollen wir nutzen, damit sich geeignete IDM-Fahrer frühzeitig auf internationaler Bühne präsentieren und dabei wichtige Erfahrungen sammeln können. Da wir vom Potenzial unserer nationalen Piloten überzeugt sind, haben wir für das Nachwuchsprogramm von PIRELLI eine mittlere fünfstellige Summe budgetiert.“ Neben der Förderung über Gaststarts in der Superbike-WM plant PIRELLI zudem, qualifizierte Fahrer auch beim Aufstieg ins Feld der WM-Piloten zu unterstützen. Auch dieser Support gilt wie alle anderen Module des Förderkonzepts prinzipiell für jede Hubraumklasse in der IDM.

Es bleibt nun abzuwarten, wie die bisherigen Dunlop Teams und Fahrer auf diese Nachricht reagieren werden. Bereits im Vorfeld hatten allerdings sowohl Benny Wilbers  – Wilbers BMW – wie auch Michael Galinski – MGM Yamaha – angekündigt, dass sie ihre Verträge mit Dunlop abgeschlossen haben und auf die IDM verzichten werden, sofern es eine Reifenbindung an Pirelli geben sollte.
Ebenso ergeben sich aber auch für die bisherigen Pirelli Teams & Fahrer sicherlich ein paar generelle Fragen, in wieweit Sponsoringverträge und Sponsoringgelder des Reifenherstellers, die eben bis 2017 direkt an die Teams geflossen sind, nun noch in die Jahresbudgets der Teams eingeplant werden können. Es wäre nicht verwunderlich, wenn hier bei den Teams selber kaum bzw. kein Geld mehr ankommt und diese somit nicht nur höhere Gebühren sondern auch noch verringerte Sponsoringbudgets zu verkraften hätten…

Von den technischen Reglements für 2018 gibt es bisher – acht Wochen vor dem ersten Rennen – auch noch nichts zu sehen, so dass auch hier noch Kosten und Arbeit auf die Teams zukommen können, wenn z.B. Kit-ECUs, nachträgliche Schaltassistenten (Blipper) oder auch Fahrwerkskomponenten in 2018 nicht mehr erlaubt sind bzw. genutzt werden dürfen, die in den letzten Jahren noch durch das Reglement erlaubt und daher auch extra angeschafft wurden.

Eines ist sicher: Langeweile kommt auch in der Vor-Saison der IDM 2018 nicht auf – auch wenn man von Seiten des neuen Promoters keinerlei Informationen zu wirklich wichtigen Fragen und zum „neuen Konzept“ erhält. Bleibt nur zu hoffen, dass uns hier nicht ein ähnliches Schicksal ereilt wie beim ADAC Northern Europe Cup! Nur stand der zum Zeitpunkt seiner Absage eigentlich finanziell und konzeptionell besser da – er wurde eben nur von den Fahrern nicht mehr angenommen…

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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