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IDM Saisonauftakt 2018 in Oschersleben – die ersten Trainings sind absolviert

IDM-Saisonauftakt-2018-Oschersleben
© IDM // Dino Eisele

Nachdem das IDM Saisonauftakttraining am Mittwoch und Donnerstag von heftigem Wind und starken Regenfällen überschattet war und damit für einige Teilnehmer sprichwörtlich „ins Wasser fiel“, herrschte pünktlich zum offiziellen Saisonstart in der Börde heute Kaiser-Rennwetter mit Sonne und muckeligen 17° Celsius.

Zeit und Gelegenheit also, dass die neuen jungen Wilden und die erfahrenen alten IDM Hasen eine erste Duftmarke setzen und die ersten veritablen Zeiten in den Asphalt der Motorsport Arena Oschersleben brennen konnten. Freies Training ist zwar wie Vorspiel, aber am Ende des Tages möchte doch irgendwie jeder zeigen, dass er der größte Hecht im Karpfenteich ist – und von daher kann man den ersten Zeiten nach der langen Winterpause doch eine gewisse Aussagefähigkeit zugestehen und auch erste Tendenzen daraus herleiten.
Betrachten wir also die Ergebnisse in den einzelnen IDM Klassen und schauen, wer sich heute als Favorit geoutet hat und wohin die Reise gehen könnte…

IDM Supersport 300

Die Kleinsten sind die Größten – zumindest wenn wir in der Zeitentabelle auf die Unterschiede zu 2017 blicken. Nachdem es im letzten Jahr die 300er noch als „Cup Klasse“ und mit recht eingeschränkten Möglichkeiten bei Umbau und Tuning (per ECU) gab, ist die IDM SSP300 in diesem Jahr als echte und vollwertige Supersport Klasse unterwegs. Das ein oder andere PS dürfte mehr am Hinterrad anliegen und vor allem die Möglichkeiten bei der Fahrwerksoptimierung erlauben den jüngsten im IDM Tross (Mindestalter der IDM SSP300 in 2018: 13 Jahre) ihre Zeiten aus 2017 sprichwörtlich zu pulverisieren.

Reichte 2017 noch eine 1:39.840 im Qualifying für die Pole-Position, wurde diese Zeit vom letztjährigen Pole-Setter bereits heute locker unterboten. Mit einer 1:38.793 war Jan-Ole Jähnig (GER) im Freien Training über eine Sekunde schneller als noch 2017. Dicht gefolgt von seinen KTM Team- bzw. Markenkollegen Maximilian Kappler (GER), Victor Steeman (NED) und Toni Erhard (GER).
Dass es die im letzten Jahr überlegen dominierenden Yamaha Fahrer dieses Jahr deutlich schwerer haben werden, zeigt die bestplatzierte R3 mit Finn de Bruin (NED) auf Platz 5 – bereits mit über 1,4 Sekunden Rückstand auf den Führenden. Dion Otten (NED) stellte seine Honda auf Platz 7, die beste Kawasaki findet sich mit Vladislav Garbaruk (UKR) leider erst auf Platz 20 der heutigen Trainingsliste wieder.

Die Zeitabstände zwischen erstem und letztem Fahrer sind gewaltig (über 16 Sekunden) – aber dank der 115% Regel, die in diesem Jahr durch die Mittelung der Zeiten der drei Zeitschnellsten nochmals etwas aufgeweicht wurde, besteht eigentlich für keinen Teilnehmer die Gefahr, aus der Karenzzeit heraus zu fallen.
Man darf gespannt sein, ob sich das Bild in den morgigen Qualifyings nochmals verschiebt. Aber ich wäre geneigt, auf eine reine KTM erste Startreihe zu setzen…

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IDM Supersport 600 / DMSB Superstock 600 Cup

Die mittleren Soloklassen IDM SSP600 / STK600 bereiten zu allererst einfach nur Freude beim Blick auf die Teilnehmerlisten. Waren hier in 2017 an gleicher Stelle nur noch 13 Fahrer auf einer halben Seite gelistet, darf man in 2018 auf eineinhalb Seiten durch 31 Fahrer scrollen. Und auch wenn man im Vorfeld etwas Angst bezüglich der eventuell zu erwartenden Zeitunterschiede zwischen Top SSP600 Fahrer und letztem STK600 Fahrer haben konnte (wenn man die zugehörigen Zeiten des R6 Cup einbezogen hat), so wurden diese Bedenken heute ad acta gelegt. Den Ersten und den Letzten trennten über die zwei Trainingssitzungen lediglich gut 8 Sekunden – also im Vergleich zur SSP300 ein „Wimpernschlag“… 😉 

An der Spitze geht es eng zu und wir finden die Namen wieder, die auch im Vorfeld der Saison bereits als Favoriten gehandelt wurden – nach dem Aufstieg vom letztjährigen Meister Thomas Gradinger in die WM. Im Yamaha Cup mit Kawasaki Beteiligung bildeten heute Max Enderlein (GER), Marc Buchner (GER), Kevin Wahr (GER), Koen Zeelen (NED) und Christian Stange (GER) die Top 5. Insgesamt liegt hier knapp eine Sekunde an Zeitunterschied und die nächsten acht Yamaha Piloten folgen ebenfalls wieder innerhalb einer Sekunde. Spannung dürfte in dieser Klasse also garantiert sein!

Die beste Kawasaki findet sich mit Gabriel Noderer (GER) auf Platz 13 wieder – aber hier ist sicherlich noch etwas Luft nach oben vorhanden für den Neueinsteiger in der IDM. Mit Marco Fetz (GER) und Moritz Jenkner (GER) folgen ihm auf den Plätzen 14 und 15 direkt die beiden besten STK600 Piloten, die noch den ein oder anderen Supersport Fahrer hinter sich lassen konnten. Wer sich morgen in den Qualifyings an die Spitze setzen kann, würde ich aktuell nicht voraussagen wollen – aber für „die ersten zwei Startreihen werden reine Yamaha YZF-R6 Reihen sein“ dürfte es bei keinem Wettanbieter dieser Welt eine halbwegs lukrative Quote geben.

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IDM Superbike 1000

Die Königsklasse sucht nach einem neuen Prinzen und Thronfolger in dieser Saison, nachdem mit Markus Reiterberger, Jan Bühn, Florian Alt, Vincent Lonbois und Dominik Vincon der letztjährige Meister und insgesamt fünf Piloten der Top 10 des Qualifyings 2017 in Oschersleben aus der IDM ausgeschieden bzw. in die EM aufgestiegen sind.

Als möglicher Kronprinz hat sich heute der Neuzugang im Alpha Racing-Van Zon-BMW Team, der Ukrainer Ilya Mikhalchik präsentiert. Eine große Überraschung ist das allerdings nicht, denn Mikhalchik konnte auch 2017 beim STK1000 EM Finale in Jerez bereits als Zweitplatzierter hinter Reiterberger seine Klasse und seinen Speed aufzeigen.

Ganz stark präsentierten sich heute auch Bastien Mackels (BEL) und Jan Halbich (CZE). Nach einem Jahr mit Yamaha kehrte Bastien für 2018 wieder ins Team von Benny Wilbers zurück und zeigte heute, dass ihm die BMW besser taugt und er wieder an die Erfolge aus der Saison 2016 im gleichen Team anknüpfen will und kann.
Jan hingegen war auch im letzten Jahr in Oschersleben schon stark dabei – mit neuer Kit-Elektronik in der immer noch wunderschönen Fireblade wurde er heute bester Nicht-BMW-Fahrer.
Und auch dahinter lassen Toni Finsterbusch (GER) auf Suzuki und Daniel Kartheininger (GER) auf Yamaha darauf hoffen, dass wir in diesem Jahr weniger reine BMW-Podien sehen werden. Als einzige Kawasaki Pilotin im Feld hat es Lucy Glöckner (GER) da schon etwas schwerer. Aber wer Lucy und ihren Fighting-Spirit kennt, der weiß auch, dass es für sie in den nächsten Tagen sicherlich noch ein paar Plätze nach oben und damit in die Top 10 oder ggf. auch in Richtung Top 5-8 gehen kann.
Danny de Boer (NED) hatte heute mit massivem Chattering zu kämpfen. Aber ihm und dem Team MGM fehlen auch noch die Erfahrungswerte mit den neuen Pirelli Einheitsreifen – nachdem sie in den Vorjahren auf Dunlop unterwegs waren. Wenn sie ihre Abstimmungsprobleme in den Griff bekommen gehört Danny für mich auch klar zu den Favoriten auf die Podestplätze – ob es für ganz oben reichen kann, wird auch an der neuen Nr. 1 im Team von Werner Daemen hängen. Für Mikhalchik wird jede Rennstrecke in diesem Jahr eine neue Strecke sein – aber zumindest in Oschersleben scheint ihm das nicht all zu viel auszumachen. Man darf gespannt sein, wie das auf solchen Strecken wie Zolder oder Schleiz aussieht…

Die Zeiten von heute waren übrigens richtig gut und schnell!
El Dominatore 2017 – der Meisterberger himself – fuhr im letzten Jahr in den freien Trainings mit einer 1:25.724 zwar nochmals 0,5 Sekunden schneller, dahinter aber hätten sich auch Flo Alt und Jan Bühn heute den beiden Top-Platzierten geschlagen geben müssen. Und bis zu Platz 17 trennen die Piloten gerade einmal gut 3 Sekunden – das verspricht viel Spannung morgen in den Qualifyings und auch am Sonntag in den beiden Rennen.

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Fun-Fact am Rande
Wie bereits geschrieben, findet sich in den IDM Regularien nun eine etwas „aufgeweichte“ 115% Regel für die Karenzzeit, die ein Fahrer in den morgigen Qualifyings erreichen muss um danach für das Rennen qualifiziert bzw. startberechtigt zu sein. In der SBK WM gilt hier eine 107% Regel, was heißt, dass der letzte startberechtigte Fahrer nicht mehr als 7% langsamer sein darf als der Schnellste im Qualifying. 

In der IDM galt auch 2017 bereits, dass in den Soloklassen maximal 15% Zeitunterschied erlaubt sind. Für dieses Jahr gilt aber nicht mehr die Top-Zeit aus dem Qualifying als Messlatte und Berechnungsgrundlage, nun werden die Zeiten der drei schnellsten Fahrer noch gemittelt.

Wenn man diese Karenzzeit anhand der heutigen Zeiten in der SBK1000 berechnet, dann kommt man auf eine 1:39,426 für den heutigen Tag. Ein Blick in die Zeitenlisten der einzelnen Soloklassen sagt uns dann, dass – rein von der Zeit her – in der SBK1000-Klasse alle Fahrer der SSP600 sowie die Top 3 der SSP300 diese „Hürde“ genommen haben und somit im Grid stehen dürften. Ob man diese „Aufweichung“ wirklich nochmals gebraucht hat?!?
Nach der Regel aus 2017 wäre die Karenzzeit knapp 0,5 Sekunden niedriger (1:38.950) – also auch bereits für alle SBK und SSP600 Fahrer problemlos zu erreichen gewesen. 

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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