IDM SSP 600 & STK 600

Christian Stange geht 2018 mit MVR Racing auf Titeljagd

Christian Stange (GER) galt zu Beginn der Saison 2017 als einer der heißesten Titelfavoriten in der IDM Supersport 600. Als amtierender Vizemeister aus 2016 hatte der junge Sachse auf der Weber Kawasaki bereits bewiesen, dass er auch Kevin Wahr und Thomas Gradinger auf der Piste schlagen kann.
Bis zum Saisonfinale in Hockenheim duellierte er sich damals mit dem späteren Meister Bryan Schouten (NED) – aus dem Team MVR Racing – um den Titel. Als er in Rennen 1 als Dritter hinter Schouten ins Ziel kam war dann die Luft etwas raus, am Ende fehlten ihm aber lediglich 16 Punkte zum Titel.

Doch die Saison 2017 begann anders als erhofft und von den meisten erwartet. Beim Saisonauftakt am Nürburgring trat Stange mit einer Handverletzung an, die er sich beim Supermoto-Training wenige Tage vor Saisonstart zugezogen hatte. Was zunächst als „Gelenkblutung“ diagnostiziert wurde stellte sich nach dem Nürburgring Wochenende als veritabler Kahnbeinbruch heraus. Und bei genauerer Betrachtung durch die Spezialisten Dr. Kupfer und Dr. Zokov fanden sich auch noch ein paar weitere Knochen, die im Handgelenk zu Bruch gegangen waren.
Lange Rede, kurzer Sinn: Die Saison 2017 war für Chris Stange schon mit dem Auftakt gelaufen.

Es folgte eine lange Rekonvaleszenzphase und erst beim vorletzten Event der IDM Saison 2017 in Oschersleben war er wieder soweit genesen, dass an Racing zu denken war. Das Handgelenk war wieder einsatzbereit, nur die Fitness und Kraft in Hand und Unterarm hatte natürlich deutlich gelitten. Dennoch konnte er im zweiten Rennen, auf leicht feuchter Piste, mit Platz 3 direkt wieder aufs Podium fahren und damit auch seine fahrerischen Qualitäten unter Beweis stellen. Das anschließende Saisonfinale 2017 in Hockenheim war daher eher als Schaulauf und eigene Bewerbung für einen Stammplatz in 2018 gedacht.

Aber auch hier kam es für Chris anders als erhofft. Nach einem guten FP1, welches er auf Platz 5 beendete, folgte im FP2 ein massiver Abflug beim Anbremsen vor der Mercedes Tribüne aufgrund eines Elektronikproblems. Bike und Fahrer überschlugen sich auf der asphaltierten Auslaufzone mehrfach und Chris holte sich – außerhalb der offiziellen Wertung – beim anschließenden Hubschrauberflug in die Klinik zumindest den inoffiziellen Top-Speed Rekord in der IDM SSP600 an diesem Wochenende. Ohne Knochenbrüche oder andere schwere Verletzungen, dafür aber mit heftigen Prellungen am gesamten Körper, wurde er am Sonntag zwar wieder aus der Klinik entlassen, das Finalwochenende war aber für ihn gelaufen und an einen Start nicht mehr zu denken.

Für 2018 stehen die Zeichen nun auf Revanche bzw. Rückkehr an die Spitze.

Mit dem Meisterteam aus 2016, MVR Racing, hat Chris bei einem der Top-Teams in der IDM Supersport 600 angedockt. Unterstützt wird er dabei – wie schon in den Vorjahren – von seinen Sponsoren B2BA ClothingFrey daytonaADAC SachsenKKD Motorcycle WearNolangroup und Powerface Holzknieschleifer.
Nach einem Jahr IDM Pause, welches das Team MVR Racing in der Supersport 600 EM verbracht hat und welches man auch eher als „suboptimal“ bezeichnen kann, erinnerte sich der Teamchef und Fahrwerksspezialist Mart van Roij an den harten Gegner aus 2016 und verpflichtete ihn für dieses Saison. Gemeinsam mit dem letztjährigen Yamaha R6-Cup Piloten Marco Freyer, der ebenfalls eine Saison mit unverschuldeten Tiefschlägen bzw. Aus- und Unfällen hinter sich hat, greift das Team nun wieder auf bekanntem Terrain und mit der konkurrenzfähigen Yamaha YZF-R6 nach dem Titel.
Neben den Mechanikern, die Chris und Marco an die Seite gestellt werden, holte man sich dafür noch aus der Moto2 WM einen echten Data-Recording Spezialisten ins Team der u.a. Robin Mulhauser in den letzten Jahren betreut und analysiert hat.

Sowohl für das Team wie auch für die zwei Fahrer ist die Saison 2018 daher so etwas wie eine „Saison der Revanche“ bzw. der Wiederauferstehung nach dem Seuchenjahr 2017. Wenn sie ihre Ziele gemeinsam erreichen – wofür man allen Beteiligten nur die Daumen drücken und es ihnen wünschen kann – kann man am Ende der Saison eventuell ja über eine Umbenennung in „Team MVR Phönix Racing“ 😉 nachdenken… Das Potenzial für ein strahlendes und erfolgreiches Comeback haben die Beteiligten auf alle Fälle!

Chris Stange bleibt derweil seinem bekannten und erprobten Trainingsprogramm treu. Er bereitet sich aktuell in Italien beim Supermoto-Training auf die Saison 2018 vor.

Angesprochen auf den Unfall in 2017 und das damit einhergehende Risiko bleibt er pragmatisch:

„Unfälle passieren halt – auch bei anderen Trainingsformen bzw. es kann auch beim Rad- oder Mountainbiketraining immer etwas passieren. Aber das Supermoto-Training bringt mir ein perfektes Gefühl fürs Vorderrad und auch fürs leichte Powerdriften beim Beschleunigen. Hinzu kommt, dass das Training um ein vielfaches günstiger ist als normale Renntrainings mit der IDM Maschine. Ich habe viele Strecken, auf denen ich für kleines Geld und mit wenig Aufwand fahren kann. Motocross ist noch gefährlicher und eher ein körperliches Training – die Supermoto bringt mir hingegen viel für die Straße bzw. Rennstrecke.“

Vor dem Saisonstart am 27.-29.4. in Oschersleben liegt noch der erste offizielle Team-Test in Assen an. Weitere Tests und auch der ein oder andere Wildcard-Start in der Supersport 600 Klasse der BSB sind für die Wochen danach geplant. Vor heimischer Kulisse, bei der BSB in Assen, wird das Team aber wegen der Terminüberschneidung mit dem IDM Finale in Hockenheim nicht starten können. Als schöne Alternative hat man sich daher die Rennen auf der „Insel der rennverrückten Engländer“ ausgesucht und liebäugelt hier mit den Strecken Brands Hatch oder Snetterton.

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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