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IDM Zolder 2017 – Tag 1: die freien Trainings in allen Klassen

Wenn man kein Glück hat (kein freier Termin mehr mit drei Tagen für die IDM) kommt halt auch noch Pech (Gewitterfront nach der Mittagspause) hinzu. So, oder so ähnlich, dürfte wohl der ein oder andere Teilnehmer aus dem IDM Tross heute gedacht haben, der seinen zusätzlich nötigen (Urlaubs-)Tag wohl lieber sinnvoller genutzt hätte. Aber der Reihe nach…

IDM Superbike 1000 – die Frühstarter

Sonst eigentlich unüblich in einem IDM Zeitplan, musste die „Königsklasse“ am heutigen Trainingstag morgens als erste auf die „grüne“ Strecke und durften Putzkolonne und Abriebleger spielen. Was sonst eher zu Unmut führt, stellte sich heute als Glücksgriff heraus. Denn so konnten die Superbiker zumindest 2 Trainings unter nahezu optimalen Bedingungen (bis eben auf die „grüne“ Strecke am Morgen) abspulen und waren – als einzige heute mit 3 Trainingseinheiten bedacht – auch am Ende noch ganz gut bedient, als sie „abtrocknende Strecke“ auch noch ihrem sprichwörtlichen „Erfahrungsschatz“ hinzufügen konnten.

Bei perfekten äußeren Rennbedingungen starteten sie kurz nach 9 Uhr in den langen Arbeitstag. Der Zeitplan sah für sie heute 2 Trainingseinheiten am Vormittag sowie eben eine dritte Einheit am Ende des Tages vor, die von den Teams und Piloten auch ausgiebig genutzt werden sollten. Schließlich steht morgen am Nachmittag – nach „freiem“ Vormittag – schon das erste Qualifying in Zolder an.

War FP1 eher noch „zum wach werden“ und einrollen, purzelten im FP2 dann die Zeiten und die Fahrer spannten den Hahn. Klarer Dominator war – wie nicht anders zu erwarten – Markus Reiterberger, der seiner Favoritenrolle in der SBK1000 und auch auf der belgischen Berg- und Talbahn in beeindruckender Weise gerecht wurde. Mit seiner 1:31.961 war er im schnelleren FP2 in seiner eigenen Liga. Gute 1,2 Sekunden dahinter folgte auf Platz 2 dann Jan Bühn, der sich offenbar nicht als Nr. 3 im Team Van Zon-Remeha-BMW hinter Danny de Boer einordnen lassen möchte und Danny in beiden Trainings auf den 3. Rang verdrängte.

3. Rang? Ja, 3. Rang! Die 3 obersten Plätze waren in den beiden trockenen Trainings ganz klar und deutlich in BMW und Van Zon-Remaha Hand. Dahinter konnte sich auf Rang 4 die erste Yamaha platzieren, allerdings auch hier mit einer kleinen Überraschung. Denn es war Stefan Kerschbaumer im kleinen MPB Privatteam, der vor Dominik Vincon (P5) auf der nächsten BMW S1000RR eine vierfache Führung der blau-weißen Propellermarke verhindern konnte. Eigentlich hätte man hier – auch nach den Ergebnissen vom Zolder-Testtag – irgendwo die zwei Jungs von Yamaha MGM erwartet. Aber Florian Alt und Bastien Mackels schienen heute „verwachst“ zu haben. Beide absolvierten nur 5 gezeitete Runden im FP1 und lagen mit 4,115 (Mackels) und 4,865 (Alt) Sekunden Rückstand auf den Plätzen 14 und 19 – ganz sicher nicht das, was sie nach P2 und P3 beim Test erwartet hatten. Mit ihren dort gefahrenen Zeiten wären sie heute auf P4 und P5 gelandet. Zwar konnten sie in FP2 ihren Rückstand auf ca. 2,5 Sekunden herunterschrauben, aber auch P7 (Alt) und P9 (Mackels) sind sicherlich noch nicht das „beruhigende“ Wunschergebnis gewesen, welches sich die beiden vor dem morgigen Qualifying erhofft haben dürften…

Gestärkt aus der verfrühten Sommerpause kam auch Jan Halbich auf seiner CBR 1000 RR SP2 zurück. Er fuhr auf P5 (FP1) und P6 (FP2), konnte später im feucht gestarteten FP3 und bei abtrocknender Piste sogar die Bestzeit markieren. Allerdings sind hier nicht alle Fahrer auf Zeitenjagd gegangen, weshalb ich die Aussagekraft dieses Trainings eher unterbewerten würde. Die Top10 im schnelleren FP2 komplettieren Vincent Lombois (P8, ebenfalls auf BMW), der als Belgier seinen Heimvorteil nutzen konnte, sowie auf P10 Dominic Schmitter als bester Suzuki Pilot. Über Marc Moser, der schon als „Herausforderer“ für Reiti gehandelt wurde, decke ich hier das Mäntelchen des Schweigens. Er konnte auf seiner ZX-10R heute keinen Blumentopf gewinnen und findet sich, mit einem beachtlichen Rückstand von über 4 Sekunden, auf Platz 20 im starken IDM Feld wieder.

Kein Glück am heutigen Tage hatte Leon Langstädtler auf seiner BMW. Er stürzte gegen Ende von FP1, sorgte damit für „Red Flag“ bzw. Abbruch des Trainings und verletzte sich dabei auch noch am Knie. Zum FP2 trat er nicht mehr an sondern machte sich auf dem Heimweg, wohl zu seinem Hausarzt und zur – hoffentlich – schnellen Genesungs- bzw. Regenerationsphase.

FP3 war – wie bereits angedeutet – in den ersten 15 Minuten noch unter nassen Streckenbedingungen. Einige Fahrer nutzten dies auch für ihre Testfahrten unter solchen Bedingungen, die – laut Wettervorhersage – durchaus auch am Rennsonntag drohen können. Das Gros der Fahrer ging aber erst 5 Minuten vor Ende auf die dann abtrocknende Strecke, Zeitenverbesserungen gab es keine mehr.

Die Zeitenliste des FP1 als PDF-Datei
Die Zeitenliste des FP2 als PDF-Datei
Die Zeitenliste des FP3 als PDF-Datei
Kumulierte Zeitenliste FP1+FP2+Fp3 als PDF-Datei

IDM Supersport 600 – die Sonnenkinder

Nach den Superbikes – und mit 5 Minuten Verzögerung wegen des Unfalls von Langstädtler – durfte das Feld der Supersport 600 Piloten auf die Strecke. Auch hier sieht der Zeitplan ein 3. Training vor, dieses aber erst morgen, was sich auch als Glück herausstellen dürfte. Heute konnten die 16 Piloten der Klasse zwei Trainings unter optimalen Bedingungen fahren, es gab keine Unterbrechungen oder schweren Stürze.

Während im FP1 der Niederländer Vasco van der Valk über viele Trainingsrunden die Führung für sich behaupten konnte, und der Favorit Kevin Wahr sich mit schnellen Runden aber eben auch „Einstellfahrten“ begnügte, nahm Kevin dann in der 10. und letzten Trainingsrunde des FP1 wieder das Zepter in die Hand und setzte sich mit der Zielflagge an die Spitze der Trainingszeiten. Im FP2 wollte er wohl gar nicht erst „zu hohe Hoffnungen“ bei der Konkurrenz aufkommen lassen und legte direkt mit Bestzeiten los. Beide Trainings klar an der Spitze – der Favorit für Qualifying und Rennen ist damit auch klar.

Dahinter wurden in den beiden freien Trainings munter die Plätze getauscht. Kumuliert ergibt sich aktuell der zweite Platz für Max Enderlein, vor Rob Hartog, Vasco van der Valk und Thomas Gradinger. Aber die Zeitabstände in der Klasse sind nicht so riesig wie bei den Superbikern, so dass hier morgen nach dem 3. Training noch Verschiebungen möglich sind. Am Ende zählt bei den jungen Wilden und „Kontaktsportlern“ eh nur der Zieleinlauf am Sonntag. Kevin Wahr dürfte Favorit sein, aber danach kann ich keine klaren Favoriten für die weiteren Podestplätze ausmachen.

Bryan Schouten, der als Ersatzfahrer für den verletzten Chris Stange beim Team Weber Motos Racing die Kawasaki ZX-6R pilotiert, fuhr zwar mit der Nr. 1 auf der Verkleidung durch die belgischen Hügel, beendete beide freien Trainings aber „nur“ auf Platz 10. Er muss sich wohl noch auf die grüne Giftspritze einschießen, war er doch letzte Saison auf Yamaha R6 unterwegs und fährt in diesem Jahr die neue Fireblade im Kreis herum.

Die Zeitenliste des FP1 als PDF-Datei
Die Zeitenliste des FP2 als PDF-Datei

IDM Sidecar – ausgeschlafen und dann im Regen gestanden

Die Piloten und Schmiermaxe der Gespanntreiber konnten heute am längsten schlafen – was dem ein oder anderen nach mitternächtlicher Anreise wohl auch ganz gut tat. Ausgeschlafen, und die Gespanne am Vormittag sicherlich 3-4x zerlegt, revidiert, geölt und wieder zusammengeschraubt, gingen sie als letzte Klasse vor der Mittagspause in ihr erstes freies Training. Nicht dabei waren Roscher/Burkhard, die lieber in Finnland beim Imatranajo dem Road-Racing fröhnen, und das Team Croft Sidecar Racing. Dafür kamen aber drei Gaststarter-Gespanne nach Zolder, die das Feld wieder auf beeindruckende 23 Gespanne bringen – und das auf dem engen „Micky-Maus“-Kurs in Zolder…

Trotz langer Schlafphase verpasste aber der ein oder andere wohl das Training, zumindest gab es in FP1 „nur“ 16 gezeitete Gespanne zu bewundern. Die Favoriten wurden ihrer Rolle gerecht, und so finden sich in der Zeitenliste die Top-Gespanne quasi in der Reihenfolge der aktuellen Meisterschaftswertung wieder. Nur Sattler Motorsport konnten – nach ihrem desaströsen Saisonauftakt am Nürburgring – auch ihre „angestammte“ bzw. angepeilte Position einfahren und mischten vorne auf P3 mit. Ansonsten waren mit dem Team Schlosser auf P1 und AKW Kretzer auf P2 die Führenden in der Meisterschaft auch „on top“ in Zolder. Smits gingen heute leider nicht auf die Piste, während fun42-racing (P4) und Schröder/Werth (P5) lediglich die Meisterschaftsplätze tauschten. Dahinter folgte auf P6 noch das Team Drugsadvies Sidecarshop Racing bevor sich mit über 3 Sekunden Abstand doch eine erklägliche Lücke zu P7 auftut.

Das FP2 der Sidecar-Teams viel dann sprichwörtlich ins Wasser. Die nach der Mittagspause (gegen 14:30 Uhr) hereingezogene Gewitterfront sorgte für reichlich Wasserkühlung von oben und nur die härtesten unter den Sidecar-Teams – immerhin auch noch 12 Gespanne! – gaben sich ein echtes Regentraining. Da die Wettervorhersage für Sonntag aktuell aber noch bei 90% Schauerwahrscheinlichkeit liegt, könnte dies durchaus ein kluger Schachzug gewesen sein. Zeitenverbesserungen gab es aber – logisch – keine mehr.

Die Zeitenliste des FP1 als PDF-Datei
Die Zeitenliste des FP2 als PDF-Datei
Kumulierte Zeitenliste FP1+FP2 als PDF-Datei

IDM Supersport 300 – passendes Wetter zum Trauerspiel in der Nachwuchsklasse

Der Supersport 300 Cup – wie die Serie korrekt eigentlich heißen müsste – hat es mit seinen 7 eingeschriebenen Fahrern/Fahrerin eh schon nicht leicht, als „echte“ Rennserie anerkannt zu werden. Vor Ort hilft zwar die Teilnahme des niederländischen R3 Cups (der aber eine andere ECU fahren darf und daher ca. 2-3 PS „mehr“ sein eigen nennt), damit so etwas wie Rennflair aufkommt, aber als „Klasse“ mit eigener Wertung betrachtet fahren eben – normalerweise – 7 Piloten um die Punkte.

„Normalerweise“ ist aber nicht in Zolder! Denn in Belgien hat die oberste Motorsportbehörde (oder der Staat, die Polizei, das Jugendschutzamt – keine Ahnung) festgelegt, dass „Rennfahrer“ ein Mindestalter von 15 Jahren haben müssen. Das wäre theoretisch auch kein Problem, steht in der Ausschreibung zur Supersport 300 doch genau dieses Alter als Mindestalter auch drin. Aber keine Regel ohne Ausnahme – zumindest und glücklicherweise in Deutschland. Allerdings sind mit Troy Bude und Lukas Franke gleich zwei eingeschriebene Teilnehmer erst 14 Jahre alt – und dürfen somit in Zolder gar nicht antreten. Dazu hat auch Max Graichen in Zolder auf eine Meldung verzichtet, so dass das Supersport 300 „Feld“ nur noch aus 4 IDM-Teilnehmern besteht.

Zwar sind in Zolder die Niederländer wieder mit am Start, und das Feld so zumindest 13 Teilnehmer „stark“, aber es ändert nichts daran das am Sonntag 3 von 4 SSP300-Fahrern auf dem Podium stehen werden. Und wir werden auch im Rahmen der IDM noch ein Rennen sehen, bei dem die Niederländer nicht dabei sind. Da bleibt zu hoffen, dass dann zumindest alle 7 Piloten wieder dabei sind…

Maximilian Kappler war mit P3 der bestplatzierte SSP300 Fahrer im gemeinsamen Feld mit dem R3 Cup. Auf P6 findet sich Jan-Ole Jähnig, auf P11 Sophia Liebschner – alle auch auf Yamaha R3 unterwegs. Abgeschlagen, auf dem letzten Platz, ist mit Philippe Cavegn nicht nur der einzige Schweizer, sondern auch die einzige Kawasaki im Teilnehmerfeld.

Das FP2 der Klasse fiel auch ins Wasser. Hier wagten sich lediglich 5 Fahrer auf die Strecke – die Zeiten waren irrelevant…

Die Zeitenliste des FP1 als PDF-Datei
Die Zeitenliste des FP2 als PDF-Datei

Weiter geht es in Zolder morgen ab 14 Uhr. Der Vormittag ist „frei“ – zumindest Motor- und Lärmfrei…

Über den Autor

Andreas Weinand

Kommunikationswirt & Fotograf mit einem Hang zu Pixelschubserei und Buchstabenverdrehung. Als Quelltextversteher auch für die Technik hier verantwortlich. Seit 2013 vermehrt im Paddock und an Strecken nationaler wie internationaler Rennserien als Motorsportfotograf anzutreffen.

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